Zingg Adrian
Landschaftszeichner, -radierer und -kupferstecher
* 15.4.1734 St. Gallen (Schweiz) 26.5.1816 Leipzig
VBartholomäus (1703-1771), Büchsenmacher, StahlschneiderMUrsula, geb. ToblerG8
GND: 117004669






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Z., als zweites von neun Kindern geboren, genoss eine sorgfältige Ausbildung. Nachdem er sich die technischen Grundlagen des Kupferstechens bei seinem Vater und bei Rudolph Holzhalb angeeignet hatte, ging er 1757 nach Bern zu Johann Ludwig Aberli. Unter dessen Anleitung stach er noch im selben Jahr „12 Landschäfftlein“ sowie 1758 die anspruchsvollen großformatigen Radierungen „Bern von der Mittagsseite“ und „Bern von der Abendseite“. Ferner illustrierte er „Die Eisgebirge des Schweizerlandes“ von Gottlieb Siegmund Gruner. 1759 übersiedelte Z. für sieben Jahre nach Paris und lernte dort bei dem bekannten Kupferstecher Johann Georg Wille, der seinen besten Schüler mit gutbezahlten Aufträgen förderte. Mit seinem Freund Jacques Aliamet begab sich Z. auf Studienwanderungen in die Umgebung von Paris. 1766 berief ihn Christian Ludwig von Hagedorn als Mitglied der Kunstakademie nach Dresden. Drei Jahre später wurde Z. auch zum Mitglied der Akademie der bildenden Künste in Wien und 1787 der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin ernannt. Zum Dresdner Freundeskreis des unverheirateten Künstlers gehörten sein Landsmann Anton Graff, Christian Wilhelm Ernst Dietrich, Johann Eleazar Zeissig (genannt Schenau) und Hagedorn, aber auch der Bibliothekar Karl Wilhelm Dassdorf sowie die Familie des Kupferstechers Carl August Richter. Für Richters Sohn Adrian Ludwig übernahm er die Patenschaft. – Z. stach zumeist nach eigenen Zeichnungen, die auf seinen Wanderungen in Sachsen, Thüringen, in der Oberlausitz, im Erzgebirge oder in Böhmen in der freien Natur entstanden. Er fertigte seine Kupferstiche aber auch nach Werken von Dietrich, Zeissig, Johann Ludwig Agricola, Johann Adolf Darnstädt, Friedrich Johann Christian Reinhart und Johann Georg Wagner. Z. führte in Sachsen die „Aberli’sche Manier“ lavierter oder kolorierter Umrissfederzeichnungen bzw. -radierungen ein und trug damit zur „Entdeckung“ der sächsischen Landschaft bei. Diese Arbeiten konnten auch in eine Raumdekoration eingebunden sein, wie das „Dichterzimmer“ auf Schloss Friedenstein in Gotha zeigt, wo abwechselnd mit figürlichen Szenen von Veit Hans Friedrich Schnorr von Carolsfeld Kräuterblätter und Landschaften von Z. angeordnet sind. 1805 erschien „Adrian Z.s Kupferstichwerk“ bei Karl Tauchnitz in Leipzig, das 52 Stiche umfasste. – Seit 1766 prägte Z. - ab 1803 als Professor - für die kommenden 50 Jahre den akademischen Landschaftszeichenstil. Dabei ging er von der Lehr- und Lernbarkeit der Kunstmittel aus. Diesem Zweck sollten auch seine 1805 bis 1811 erschienenen Zeichenschulen dienen („Erste Anfangsgründe der Landschafts-Zeichenkunst und -Malerey“, „Gründliche Zeichenschule für Landschafter“, „Studienblätter für Landschaftszeichner“). Z. bildete eine große Zahl von Schülern aus, darunter Darnstädt, Johanna Marianne Freystein, Johann Conrad Gessner, Carl Anton Graff, Christian August Günther, Johann Gottlob Henschke, Heinrich Friedrich Laurin, Carl August Richter, Friedrich August Tittel, Johann Heinrich Troll, Johann Philipp Veith und Carl August Wizani. Mit seinem Namen werden großzügige Ansichten sächsischer Gegenden verbunden, in treffsicherem Lineament von hohem Wiedererkennungswert eingefangen und subtil laviert. Bei aller - manchmal schon biedermeierlich anmutenden - Detailliertheit strahlten seine spätbarocken Kompositionen eine monumentale Ruhe aus, womit Z. die Wahrnehmung der realen Landschaft nachhaltig prägte. Das Werk des „Entdeckers der Sächsischen Schweiz“ ist umfangreich und breit gestreut, doch weniger bekannt, als seinem Rang angemessen ist.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Kunstakademie Dresden; Staatsarchiv Hamburg, Ulex, Mappe 74 A (Zingg); Sächsische Landesbibliothek- Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Handschriftenabteilung.

W  12 Landschäfftlein, 1757, Radierung; Bern von der Mittagsseite, 1758, Radierung; Bern von der Abendseite, 1758, Radierung; Skizzenbuch von 1766, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett; G. S. Gruner, Die Eisgebirge des Schweizerlandes, Paris 1770; Ansicht der Albrechtsburg, um 1790, Sepiazeichnung, Stadtarchiv Meißen; Zeichenbuch, Breslau 1790; Adrian Z.s Kupferstichwerk, Leipzig 1805; Sieben Ansichten aus Sachsens Schweiz und Erzgebirge als Blätter der Erinnerung, gezeichnet von C. W. E. Dietrich, gestochen von Adrian Z., Dresden/Hamburg 1844; Wasserranft mit Krebs, Insekten, Schmetterlingen und Erdbeersträuchern, Federzeichnung in Grau, Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen; Die Elbe mit der Festung Königstein, Umrissradierung, sepialaviert, Kunstsammlungen der Veste Coburg; Aussicht vom Großen Winterberg in der Sächsischen Schweiz, Federzeichnung, braun laviert, Museum der bildenden Künste Leipzig, Graphische Sammlung; Burg Stolpen, Kupferstich, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg; Blick durch ein Felsentor auf Schloss Hohnstein in der Sächsischen Schweiz, Feder in Schwarz, Pinsel in Grau und Hellbraun, laviert, Albertina Wien, Grafische Sammlung; Zeichenschulen: Gründliche Zeichenschule für Landschafter, 2 Hefte, Dresden 1808; Erste Anfangsgründe der Landschafts-Zeichenkunst und -Malerey, 2 Hefte, Leipzig 1808/09; Studienblätter für Landschaftszeichner, Leipzig 1811.

L  K. Wiedemann, Adrian Z., der Künstler, seine Werke und die sächsische Landschaftskunst [Typoskript, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett]; A. Z.s Landschaftsstudien aus der weiteren Umgebung Dresdens nach den im Besitz Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Georg Herzog zu Sachsen befindlichen Skizzenbücher des Malers photographiert und in Originalgröße vervielfältigt von Stengel und Markert, Beilage zu: Über Berg und Thal. Monatszeitschrift des Gebirgs-Vereins für die Sächsische Schweiz 18/1895; M. Stübel, Briefe von und über Adrian Z., in: Monatshefte für Kunstwissenschaft 9/1916, S. 281-303; E. Hensel, Das Stammbuch Adrian Z.s, Leipzig 1923; M. Prause (Bearb.), Die Kataloge der Dresdner Akademie-Ausstellungen 1801-1850, Berlin 1975; H.-T. Schulze Altcappenberg, „Le Voltaire de l’Art“, Münster 1987, S. 360-362; M. Grönig/M. L. Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Wien 1997, S. 285-287; B. Müller, Ein neuerworbenes Skizzenbuch Adrian Z.s im Dresdner Kupferstich-Kabinett, in: Dresdner Kunstblätter 41/1997, S. 24-27; A. Fröhlich, Adrian Z., in: Weltkunst 72/2002, H. 9, S. 1420f.; dies., Landschaftsmalerei in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Weimar 2002, S. 114-124. – ADB 45, S. 323; DBA I, II, III; DBE 10, S. 674; Thieme/Becker, Bd. 36, Leipzig 1999, S. 521-523; G. K. Nagler (Bearb.), Neues allgemeines Künstlerlexikon, Bd. 25, Linz ²1914, S. 294-296.

P  Brustbild Z.s im Oval, R. Holzhalb, Kupferstich; Porträt Adrian Z., C. J. J. Seydelmann, Leinwand, Stadtmuseum Dresden; Z. in Halbfigur sitzend, E. Handmann, 1767, Leinwand, Kunstverein St. Gallen; Z. als Ganzfigur im Zimmer mit Philipp Daniel Lippert, D. Chodowiecki, 1773, Zeichnung; Das Kunstgespräch, J. E. Zeissig (gen. Schenau), 1777, Öl auf Leinwand, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister; Bildnis Adrian Z.s, A. Graff, um 1780, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Dresden; C. Vogel von Vogelstein, Zeichnung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Anke Fröhlich
14.11.2011


Empfohlene Zitierweise:

Anke Fröhlich, Zingg, Adrian, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.8.2017)

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