Klengel Johann Christian
Landschafts- und Tiermaler, Landschaftszeichner, -radierer und -lithograf
* 5.4.1751 Kesselsdorf bei Dresden 19.12.1824 Dresden Dresden, Eliasfriedhof(ev.)
VJohann Gottfried (1717-1786), Mälzer und Bierbrauer in KesselsdorfMAnna Rosina, geb. Pietzsch (1726-1788)1781 Maria Rebecca, geb. Wollrab (1753-1818)SAugust Alexander Stephan (1783-1852), HoforganistTEmilie Charlotte Clementine (1785-1858), Landschaftsmalerin
GND: 119498162

Seine Kindheit soll K. als Hütejunge verbracht haben, bevor er zwölfjährig in Dresden eine Buchbinderlehre begann. Zugleich erhielt er in Dresden an der Kunstakademie Zeichenunterricht bei Charles François Hutin, Christian Gottlob Mietzsch, Johann Friedrich sowie Bernardo Bellotto. Sein selbsterkorenes Vorbild war Johann Georg Wagner. Christian Wilhelm Ernst Dietrich nahm K. als Privatschüler in sein Haus auf und führte ihn in die Landschaftsmalerei ein. Ab 1779 wandelten sich K.s Landschaften unter dem Eindruck von Salomon Gessners Werken ins Idyllische. Zugleich entstanden während seiner Sommeraufenthalte in Kesselsdorf realistische Bauern- und Tierstudien sowie Stall- und Hofinterieurs. – 1777 wurde K. zum Mitglied der Dresdner Akademie ernannt und stellte seitdem jährlich mehrere Werke auf den Akademieausstellungen aus. Bis zu seinem Tod unterrichtete er zahlreiche Schüler in der Landschaftsmalerei, darunter Johann Sebastian Bach d.J., Eusebius und Traugott Faber, Johanna Marianne Freystein, Carl Ludwig Kaaz, Christoph Nathe, Johann Gottlob Schumann, Johann Gottlieb Samuel Stamm, Heinrich Theodor Wehle und Carl August Wizani. Erst 1800 wurde K. zum außerordentlichen und 1816 schließlich als 65-Jähriger zum ordentlichen Professor ernannt. – K. hatte sich bereits eine namhafte Position erarbeitet, als ihm 1790 ein kurfürstliches Stipendium für eine Italienreise gewährt wurde. Eineinhalb Jahre hielt er sich hauptsächlich in Rom und der Campagna auf und zeichnete hier nicht nur antike Ruinen und die Natur, sondern auch Straßenkinder, Bettler und Bauern. Um 1800 befand er sich künstlerisch auf dem Höhepunkt. In seinem Schaffen - in dem er bislang sowohl die Art der italienisierenden Niederländer als auch der deutschen Hollandisten ebenso wie spätbarocke Kompositionsregeln oder Stilmerkmale empfindsam-stimmungsvoller Landschaften integriert hatte - tauchten nun häufiger an Claude Lorrain geschulte arkadische Elemente in weiträumigen Landschaftskompositionen auf. Mehrmals wurde K. auch als Buchillustrator beauftragt. Christian August Günther, Johann Adolf Darnstädt und Christian Haldenwang stachen nach seinen Zeichnungen die Tafeln und Vignetten für Wilhelm Gottlieb Beckers Bücher „Das Seifersdorfer Tal“ (1792) und „Der Plauische Grund“ (1798/99) sowie für Friedrich Schlenkerts „Tharand“ (1797). Nach seiner Ernennung zum außerordentlichen Akademieprofessor schuf K. in den Folgejahren eine Reihe anspruchsvoller, zum Teil großformatiger Hauptwerke, wie die „Vollmondstimmung am See“ (1804), „Apoll mit den Herden des Admet“, „Sizilianische Landschaft“ (1807), „Erntelandschaft“ (1809) und die „Kartoffelernte“. Mit diesen Arbeiten äußerte er sich als eigenständiger Künstler im Spannungsfeld zwischen romantischer Empfindung und realistischer Beobachtung. Er vermittelte damit zwischen zwei unterschiedlichen Naturauffassungen und Stilen der Landschaftsmalerei und hielt die Errungenschaften der alten Meister in seinem Werk für die neue Generation lebendig und verfügbar. Zugleich trug er dazu bei, die Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert von einer untergeordneten zu einer zentralen Bildgattung werden zu lassen. Von K. sind 156 Gemälde, 930 Handzeichnungen sowie rund 431 Radierungen und 18 Lithografien (u.a. für die „Landschafts-Studien nach den besten alten und neuen Meistern“, 1821) bekannt. Seine Werke sind in allen größeren deutschen Sammlungen vertreten.



Q  Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Historisches Archiv, Autographen; Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Handschriftenabteilung; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Kunstakademie Dresden; Staatsarchiv Hamburg, Ulex, Mappe 73 (Klengel); Staatliche Museen Berlin - Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Zentralarchiv, Autographensammlung.

W  Studium Juventutis J. C. K. [30 Radierungen im Stil von A. Ostade], 1771, Radierung, Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen, Grafische Sammlung; Divers Sujets d’après Les Desseins de Mons. Dietricy Gravé à L’Eauforte par son Eleve J. C. K., 1773, Radierung, ebd.; XII verschiedene Landschafften erfunden und radirt von Johann Christian K., 1775, Radierung, ebd.; Principes de Dessein pour Les Paysages par J. C. K., 1802/04, Radierung, ebd.; Vollmondstimmung am See, 1804, Öl auf Leinwand, Museum für bildende Künste Leipzig; Sizilianische Landschaft, 1807, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Bautzen; Erntelandschaft, 1809, Öl auf Leinwand, Bayerische Staatsgemäldesammlung, Alte Pinakothek; Apoll mit den Herden des Admet, Öl auf Leinwand, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister; Kartoffelernte, Öl auf Leinwand, Privatbesitz; gedruckte Sammelwerke: Landschafts-Studien nach den besten alten und neuen Meistern, Dresden 1821; Buchillustrationen: G. W. Becker, Das Seifersdorfer Thal, Leipzig/Dresden 1792; F. C. Schlenkert, Tharandt, Tharandt/Dresden 1797; G. W. Becker, Der Plauische Grund bei Dresden mit Hinsicht auf Naturgeschichte und schöne Gartenkunst, Nürnberg 1798/99.

L  A. Rümann, Johann Christian K. (1751-1824), München 1834 [Typoskript, Staatliche Graphische Sammlung München]; F. J. v. Tschirschky und Bögendorff, Beschreibung der Radierungen K.s sowie der nach seinen Originalen gestochenen, radirten, lithographirten und in aquatinta gearbeiteten Blätter anderer Künstler ..., Weimar [1843]; E. Sigismund, Der sächsische Landschaftsmaler J. C. K., in: Unsere Heimat. Wochenbeilage zum Wilsdruffer Tageblatt 79/1920, Nr. 48/49, S. 189-202; Johann Christian K. 1751-1824, hrsg. vom Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg, Freiberg 1950; H. Maedebach, Werkverzeichnis der Gemälde und Zeichnungen sowie Biografie von Johann Christian K. [Typoskript, Staatliche Kunstsammlungen Dresden]; A. Fröhlich, „Geist und Geschmack darüber zu verbreiten...“, in: Dresdner Kunstblätter 2001, H. 4, S. 229-236; dies., Landschaftsmalerei in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Weimar 2002, S. 148-161, 399-403; dies., „Glücklich gewählte Natur...“, Hildesheim u.a. 2005 (WV). – ADB 16, S. 161; DBA I, II, III; DBE 5, S. 588; NDB 12, S. 38f.; Thieme/Becker, Bd. 20, Leipzig 1999, S. 474-476; J. R. Füssli, Allgemeines Künstlerlexikon, Teil 2, Abschnitt 3, Zürich 1808, S. 629; F. A. Schmidt (Hg.), Neuer Nekrolog der Deutschen 1824, H. 2, Ilmenau 1826.

P  Selbstbildnis mit weißem Halstuch, um 1795, schwarze Kreide, weiß gehöht, Stadtmuseum Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle); Selbstbildnis mit weißem Halstuch und gescheiteltem Haar, schwarze und weiße Kreide auf bräunlichem Papier, Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen; Selbstporträt mit Barett und Halstuch, 1819, Frankfurt/Main, Goethe-Haus; Porträt K., C. C. Vogel v. Vogelstein, 1812, schwarze Kreide, Rötel, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett.



Anke Fröhlich
15.11.2011


Empfohlene Zitierweise:

Anke Fröhlich, Klengel, Johann Christian, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.6.2017)

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