Friedrich August III.
König von Sachsen, Generalfeldmarschall des Deutschen Reichs
* 25.5.1865 Dresden 18.2.1932 Schloss Sibyllenort (poln. Szczodre) bei Breslau (poln. Wrocław) Dresden, Katholische Hofkirche(kath.)
VFriedrich August Georg (1832-1904), König von Sachsen, Generalfeldmarschall des Deutschen ReichsMMaria Anna (1843-1884), Infantin von Portugal und LissabonGMarie (1860-1861); Elisabeth (1862-1863); Mathilde (1863-1933); Maria Josepha (1867-1944); Johann Georg (1869-1938); Max (1870-1951); Albert (1875-1900)1891 (1903 aufgehoben) Luise (1870-1947), Erzherzogin von Österreich und Toskana, seit 1903 Gräfin von MontignosoSGeorg (1893-1943); Friedrich Christian (1893-1968); Ernst Heinrich (1896-1941)TMargarete (1900-1962); Maria Alix (1901-1990); Anna (1903-1976)
GND: 118693611

Bei der Geburt von F. war keineswegs absehbar, dass er der letzte sächsische König sein und mit ihm die seit 1089 kontinuierliche Herrschaftsausübung des Hauses Wettin ihr Ende finden würde. – Traditionsgemäß schlug F. die Offizierslaufbahn ein und erhielt am 25.5.1877, seinem zwölften Geburtstag, den Rang eines Sekondeleutnants in dem in Dresden stationierten 1. Leibgrenadierregiment Nr. 100. Eine Reihe von Lehrern übernahm die schulische Ausbildung des Prinzen, darunter der bekannte Physiker August Toepler vom Königlich Sächsischen Polytechnikum. Die militärische Erziehung oblag Major Theobald Freiherr von Oer. Ostern 1883 bestand F. vor einer Kommission unter Vorsitz des Kultusministers Karl Friedrich Wilhelm von Gerber die Reifeprüfung mit Auszeichnung und trat am 1.4.1883 den aktiven militärischen Dienst in der 7. Kompanie des Leibgrenadier-Regiments Nr. 100 an. Am 19.9.1883 erfolgte die Beförderung zum Premierleutnant. Vorübergehend wurde der militärische Dienst des Prinzen durch Studienaufenthalte 1894/95 an der Universität Straßburg und 1895/96 an der Landesuniversität Leipzig unterbrochen. Dabei belegte er Lehrveranstaltungen in den Rechts- und Staatswissenschaften sowie in Geschichte. Als königlicher Prinz war F. ab 2.3.1887 Mitglied der I. Kammer des Sächsischen Landtags und nahm an Sitzungen des Gesamtministeriums teil. Einen gewissen Einblick in die Administration erhielt er zudem durch Mitarbeit in der Kreishauptmannschaft Dresden sowie der Amthauptmannschaft Dresden-Altstadt. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit am 25.5.1886 verfügte F. über einen eigenen Hofstaat sowie eine Residenz im Palais am Taschenberg. Am 9.9.1886 verließ F. das Leibgrenadierregiment und Dresden, um in der 3. Schwadron des Husarenregiments Nr. 18, welches in Großenhain stationiert war, Dienst zu tun. Nach seiner Beförderung zum Hauptmann am 16.9.1887 kehrte er zur 7. Kompanie des Leibgrenadier-Regiments nach Dresden zurück. Dort übernahm er am 8.4.1888 diese ihm aus den ersten Dienstjahren vertraute Einheit als Kompanieführer. Am 23.7.1888 folgte die Beförderung zum Major, und F. wurde, nach kurzem Dienst bei dem ebenfalls in Dresden stationierten Feldartillerieregiment Nr. 12, am 1.8.1889 Kommandeur des I. Bataillons des Leibgrenadierregiments. Die militärischen Kommandos wurden durch Reisen durch Sachsen und Deutschland unterbrochen. Bald besuchte er zudem Ägypten, England, Griechenland, Italien, Marokko, Österreich-Ungarn, Palästina, Rumänien, Serbien, Spanien, Syrien und die Türkei. Nach kurzzeitigem Einsatz als Schwadronchef im Gardereiterregiment erhielt der Prinz am 29.5.1890 das Kommando über das in Dresden stationierte I. Bataillon des Schützenregiments Nr. 108. – In diese Zeit fiel auch die Eheschließung F.s. Am 21.11.1891 heiratete er in Wien die Erzherzogin Luise von Österreich und Toskana, die er ein Jahr zuvor bei ihrem Besuch in Sachsen kennen gelernt hatte. Der lebenslustigen Prinzessin wurde es allerdings immer schwerer, sich in das konservative Leben des Dresdner Hofs einzupassen. – In den Folgejahren setzte F. vor allem seine militärische Laufbahn kontinuierlich fort. Am 18.12.1891 erhielt F. den Rang eines Oberstleutnants und wurde am 22.9.1892 zum Oberst und Kommandeur des Schützenregiments Nr. 108 befördert. Der Prinz stieg zum Generalmajor auf und übernahm am 20.9.1894 das Kommando über die 45. Infanteriebrigade sowie die damit verbundene Position des Inspekteurs der sächsischen Militärbildungsanstalten. Dazu zählten die Unteroffiziervorschule und Unteroffizierschule in Marienberg sowie die Militär-Knabenerziehungsanstalt in Kleinstruppen. Am 22.5.1898 wurde F. bereits im Alter von 33 Jahren zum Generalleutnant und Kommandeur der Infanteriedivision Nr. 23 befördert. – Als König Albert am 19.6.1902 kinderlos verstarb, kam dessen bereits siebzigjähriger Bruder Georg, der Vater von F., auf den sächsischen Thron. Von diesem übernahm der nunmehrige Kronprinz F. am 26.8.1902 als Kommandierender General das XII. Armeekorps und wurde am 24.9.1902 zum General der Infanterie ernannt. Allerdings dürfte sowohl dem Kronprinzen sowie Kronprinzessin Luise deutlich gewesen sein, dass allein schon aufgrund des Alters von König Georg die Zeit des aktiven militärischen Diensts bald zu Ende gehen würde. Vielleicht hat diese Perspektive die Beziehung von F. zu Luise zusätzlich belastet. Dass seine Ehe mit Luise nicht glücklich verlief und sie sowohl unter dem streng gläubigen Vater ihres Gatten als auch unter Intrigen gegen sie litt, wurde offensichtlich, als Luise im Dezember 1902 zusammen mit dem 23-jährigen belgischen Sprachlehrer André Giron Dresden heimlich verließ. Dies bescherte dem Haus Wettin den Skandal der Zeit, in dem die sächsische Bevölkerung allerdings überwiegend auf der Seite der Kronprinzessin stand. Der Versuch, ihrer in der Schweiz polizeilich habhaft zu werden, in dem kolportiert wurde, sie habe in einem Anfall von geistiger Verwirrung die sächsischen Kronjuwelen an sich genommen, schlug fehl und verstärkte noch die Sympathien der sächsischen Öffentlichkeit für die Kronprinzessin. Die Ehe wurde 1903 durch ein von König Georg eingesetztes Gericht wegen Ehebruchs der Kronprinzessin aufgehoben, nachdem sich Luise bereits zuvor in Genf schriftlich mit der Aufhebung der Ehe einverstanden erklärt hatte. Sie erhielt zwar den Titel Gräfin Montignoso aber keine finanziellen Zuwendungen und durfte ihre Kinder nicht mehr sehen. F. zog es vor, den Rest seines Lebens allein zu verbringen. – Als König Georg am 15.10.1904 verstarb, folgte ihm sein Sohn als Friedrich August III. auf den sächsischen Königsthron. Es war nicht zuletzt dem neuen König zu verdanken, dass das in Deutschland konservativste Wahlrecht, durch welches in Sachsen seit 1896 lediglich 20 Prozent der Wahlberechtigten über zwei Drittel der Parlamentssitze entschieden, am 5.5.1909 durch die Einführung des Pluralwahlrechts abgelöst wurde. Auf dessen Basis fand am 21.10.1909 die Landtagswahl statt, welche die letzte in einem Königreich Sachsen werden sollte. 1909 erhielt F. den Rang eines Generaloberst, und am 11.9.1912 ernannte ihn Kaiser Wilhelm II. zum Generalfeldmarschall des Deutschen Reichs. Dies war allerdings lediglich ein Ehrentitel, der keinerlei Funktion nach sich zog. Am 13.10.1913 weihte F. anlässlich der 100. Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig ein. – Am Ersten Weltkrieg nahm der König nicht aktiv teil. Er besuchte allerdings mehrfach die sächsischen Truppen, zumal auch zwei seiner Söhne, Kronprinz Georg und Prinz Friedrich Christian, bei Kriegsausbruch als Oberleutnant bzw. Leutnant ins Feld gezogen waren. Erwartungen des Königs auf einen Gebietszuwachs Sachsens in Kurland bzw. Litauen nach einem Siegfrieden zerschlugen sich durch den für das Deutsche Reich negativen Verlauf des Kriegs. Als die Streikwelle vom Januar 1918 auch das sächsische Industriegebiet erreichte, versuchte die sächsische Regierung vergeblich, mit einer parlamentarischen Reform der revolutionären Entwicklung noch Herr zu werden. Als am 8.11.1918 die Unruhen aus dem Reichsgebiet auf die sächsischen Städte Chemnitz, Leipzig und Dresden übergriffen, kam es jedoch zu keinem Blutvergießen, weil F. die Anwendung von Waffen untersagte. Im Zirkus Sarrasani wurde am 10.11.1918 der „Vereinigte revolutionäre Arbeiter- und Soldatenrat von Groß-Dresden“ gegründet, die Republik ausgerufen und auf dem Schloss eine rote Fahne gehisst. – Am 13.11.1918 verzichtete der König, der vor den Revolutionsereignissen in Dresden nach Schloss Guteborn bei Ruhland geflohen war, auf den sächsischen Thron und entband alle Offiziere, Beamten, Lehrer und Geistlichen von ihrem Treueid. Am nächsten Tag reiste F. zum Schloss Sibyllenort in Schlesien, in der Nähe von Breslau. Ein allerdings erst am 9.8.1924 mit dem sächsischen Staat geschlossener „Auseinandersetzungsvertrag“ sicherte ihm sowie dem wettinischen Familienverein neben Grundbesitz eine finanzielle Entschädigung. Sein weiteres Leben verbrachte F. im Kreis von Familienangehörigen zurückgezogen in Sibyllenort. Allerdings konnte er hier zahlreiche Besucher empfangen. Dazu zählten u.a. ehemalige Minister, Offiziere, Angehörige des sächsischen Adels sowie Breslauer Professoren. Anlässlich seines 60. Geburtstags machten ihm 1925 alle ehemaligen sächsischen Stände ihre Aufwartung und 1927, zu seinem 50. Militärjubiläum, kamen viele ehemalige hochrangige sächsische Offiziere nach Sibyllenort. 1928 besuchte ihn dort Reichspräsident Paul von Hindenburg. 1931 kamen fast 5.000 Angehörige des Landesverbands Sachsen des „Stahlhelms“ und verliehen F. die Ehrenmitgliedschaft. Reisen führten F. u.a. auf die Kanarischen Inseln, nach Südbrasilien und nach Ceylon. In Sibyllenort widmete er sich in erster Linie der Jagd. Die in den dortigen Schussbüchern verzeichneten 1.200 Rehböcke, 600 Hirsche sowie 23.000 Fasane sind Zeugnis dieser Leidenschaft. Häufig bejagte er auch seine sächsischen Reviere, und er besuchte sächsische Adelsfamilien auf ihren Schlössern. Nach seinem Tod wurden seine sterblichen Überreste am 22.2.1932 nach Dresden überführt. Am folgenden Tag erfolgte nach einer Trauerfeier seine Beisetzung in der Familiengruft der Katholischen Hofkirche. – Zeichneten den letzten sächsischen König auch weder Genie noch besondere Regierungserfolge aus, so erfreute er sich doch bereits zu Lebzeiten einer großen Popularität in der Bevölkerung, wovon unzählige Anekdoten Zeugnis ablegen.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10716: Verein Haus Wettin, Loc. 266, Abt. B, Nachlassregelung F. August III., Abt. C, Briefe F. August III., Abt. D, verschiedene fürstliche Korrespondenz, Bestand 12567: Fürstennachlässe, König F. August III.; Luise von Toskana, Mein Lebensweg, Berlin 1926.

L  P. F. Bang, König F. von Sachsen. Ein Lebens- und Charakterbild, Leipzig 1915; F. Kracke, F. Sachsens volkstümlicher König. Ein Bild seines Lebens und seiner Zeit, München 1964; B. Rüdiger, Der letzte regierende König Sachsens F. und seine Zeit, in: Jahrbuch zur Sächsischen Geschichte 1992, S. 60-65; D. Nadolski, Sachsens letzter König, Leipzig 1995; F.-L. Kroll, F., in: ders. (Hg.), Die Herrscher Sachsens, München 2004, S. 306-319; ders., Sachsens letzter König F., in: Dresdner Hefte 80/2004, S. 83-91 (P); W. Fellmann, Der volkstümliche Monarch, in: ebd., S. 92-98 (P). – DBA I, II, III; DBE 3, S. 473; NDB 5, S. 577.

P  G. Meckes, 1913, Ölgemälde, Militärhistorisches Museum Dresden; J. L. Sponsel (Bearb.), Fürsten-Bildnisse aus dem Hause Wettin, Dresden 1906, Tafel 99 (Bildquelle).



Reiner Pommerin
29.5.2007


Empfohlene Zitierweise:

Reiner Pommerin, Friedrich August III., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

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