Marcus Anton Aschard

Marcus Anton Aschards Vita war an der Seite seines jüngeren Bruders Hartwig Anton Aschard wesentlich vom ökonomischen Erfolg als Kaufmann gekennzeichnet, außerdem kam ihm eine wichtige Funktion bei der zunehmenden Organisation der Leipziger Juden zu, die schon lange vor der formalen Gemeindegründung Konturen annahm. – Spätestens mit den regelmäßigen Messebesuchen des vom Vater geerbten Berliner Seidengeschäfts unter dem Namen „A. J. Aschard u. Söhne“ dürfte sich auch Aschard mit seinem Bruder häufig in Leipzig aufgehalten haben, wo er laut eigenen Angaben seit 1834 überwiegend lebte. Dieser Umstand führte mangels eines Aufenthaltsrechts zunächst zu Problemen. Davon abgesehen fügte sich Aschard jedoch offenbar unauffällig in die städtische Gesellschaft ein und etablierte als Teilhaber der Firma seines verstorbenen Vaters gemeinsam mit seinem Bruder ein Seidenwarengeschäft. Da der Handel der Gebrüder Aschard mit der faktischen Verlegung von Wohn- und Firmensitz aus Berlin nach Leipzig florierte, konnten beide in den 1840er-Jahren das Haus Nr. 3 am Leipziger Markt erstehen, als dessen Mitbesitzer Aschard Mitte Juni 1844 beliehen wurde. Die Kaufsumme gab er später mit 100.000 Talern an. Während der 1830er-Jahre engagierte er sich zudem wesentlich in der sich formierenden jüdischen Gemeinde von Leipzig. So zählte Aschard neben Levi Bendix, Adolph Meyer, John Berend Oppenheimer und Julius Fürst zum „Central-Comité der allgemeinen Synagoge“, welches sich Ende 1837 gründete und für den Bau eines jüdischen Gebetshauses eintrat. Obwohl dafür sogar ein unentgeltliches Grundstück in Aussicht stand, scheiterte der Plan letztlich v.a. aufgrund von Differenzen bei Fragen der Kultusausübung. Hier gab es zwischen den um einzelne Betstuben gruppierten, auswärtigen Juden zum Teil große Unterschiede. Anfang Juni 1839 schenkten die Leipziger Juden Aschard ihr Vertrauen, indem sie ihn als Nachfolger von Bendix zum Vorsteher ihrer Gemeinde wählten. Als Beisitzer wurden Eduard Boas und Oppenheimer bestimmt. Neben seiner kaufmännischen Tätigkeit und der Gemeindearbeit galt Aschard als großer Theaterfreund. Unter dem Anagramm „C. H. Saardam“ übersetzte er mehrere Lustspiele aus dem Französischen. – Aschards formaler Aufenthaltsstatus in der Stadt Leipzig klärte sich im Gegensatz zu dem seines jüngeren Bruders erst sehr spät. Am 22.6.1855 bat er, de facto längst etabliert, nach einer Aufforderung durch den Leipziger Stadtrat um Erteilung des Bürgerrechts. Sein Vermögen gab er zu dieser Zeit mit geschätzten 30.000 Talern in Form von Wertpapieren an, dazu kam ein Sachwert des gefüllten Warenlagers von etwa 40.000 Talern. In seiner Selbstauskunft an den Stadtrat wies Aschard ausdrücklich auf das glücklich verlaufene Geschäft hin, das seinem Bruder und ihm einst den Immobilienerwerb am Markt ermöglicht hatte. Die Königliche Kreisdirektion gewährte ihm, bereits 68 Jahre alt, Ende August 1856 die förmliche Niederlassungserlaubnis für Leipzig. Auch der Stadtrat erklärte Ende des Jahrs seine Aufenthaltszusicherung damit, dass Aschard als unbescholtener Mann bekannt sei. Nach seiner formalen Entlassung aus dem preußischen Untertanenverband erhielt Aschard schließlich im März 1857 das Leipziger Bürgerrecht als Kaufmann zuerkannt - ein halbes Jahr vor seinem Tod. Sein Bruder Hartwig Anton überlebte ihn nur um weniger als ein Jahr.

Quellen Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem, D/Le1/9-11; Stadtarchiv Leipzig, 0006 Leichenschreiberei, Ratsleichenbücher, Reg.-Nr. 703 (1857), 0008 Ratsstube, Titelakten LI Nr. 91, 00056 Wahl- und Listenamt, Fallakten/Aufnahme- und Bürgerakten Nr. 16127.

Literatur Allgemeine Theater-Chronik. Organ für das Gesamtinteresse der deutschen Bühnen und ihrer Mitglieder 26/1857, Nr. 115-117, S. 457-468; Jacob Jacobsen, Die Judenbürgerbücher der Stadt Berlin 1809-1851. Mit Ergänzungen für die Jahre 1791-1809, Berlin 1962; ders., Jüdische Trauungen in Berlin. Mit Ergänzungen für die Jahre von 1723-1759, Berlin 1968; Josef Reinhold, Zwischen Aufbruch und Beharrung. Juden und jüdische Gemeinde in Leipzig während des 19. Jahrhunderts, Dresden 1999; Daniel Ristau, Jüdisches Leben in Sachsen vom 17. Jahrhundert bis 1840, in: Gunda Ulbricht/Olaf Glöckner (Hg.), Juden in Sachsen, Leipzig 2013, S. 38-65; Katrin Löffler, Leipzigs alter jüdischer Friedhof im Johannistal, Leipzig 2022.

Lucas Böhme
18.8.2025


Empfohlene Zitierweise:
Lucas Böhme, Artikel: Marcus Anton Aschard,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/27854 [Zugriff 30.8.2025].

Marcus Anton Aschard



Quellen Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem, D/Le1/9-11; Stadtarchiv Leipzig, 0006 Leichenschreiberei, Ratsleichenbücher, Reg.-Nr. 703 (1857), 0008 Ratsstube, Titelakten LI Nr. 91, 00056 Wahl- und Listenamt, Fallakten/Aufnahme- und Bürgerakten Nr. 16127.

Literatur Allgemeine Theater-Chronik. Organ für das Gesamtinteresse der deutschen Bühnen und ihrer Mitglieder 26/1857, Nr. 115-117, S. 457-468; Jacob Jacobsen, Die Judenbürgerbücher der Stadt Berlin 1809-1851. Mit Ergänzungen für die Jahre 1791-1809, Berlin 1962; ders., Jüdische Trauungen in Berlin. Mit Ergänzungen für die Jahre von 1723-1759, Berlin 1968; Josef Reinhold, Zwischen Aufbruch und Beharrung. Juden und jüdische Gemeinde in Leipzig während des 19. Jahrhunderts, Dresden 1999; Daniel Ristau, Jüdisches Leben in Sachsen vom 17. Jahrhundert bis 1840, in: Gunda Ulbricht/Olaf Glöckner (Hg.), Juden in Sachsen, Leipzig 2013, S. 38-65; Katrin Löffler, Leipzigs alter jüdischer Friedhof im Johannistal, Leipzig 2022.

Lucas Böhme
18.8.2025


Empfohlene Zitierweise:
Lucas Böhme, Artikel: Marcus Anton Aschard,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/27854 [Zugriff 30.8.2025].