John Berend Oppenheimer

John Berend Oppenheimer machte sich einen Namen als Rauchwarenhändler und spielte eine wichtige Rolle im Entstehungsprozess der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. – Der gebürtige Hamburger kam als junger Mann vermutlich kurz nach 1830 in Leipzig an, wo er 1834 die Rauchwarenhandlung J. B. Oppenheimer & Comp. am Brühl eröffnete. Nach 1838 übernahm er die Kurzwarenhandlung seines Bruders Hirsch Berend Oppenheimer, möglicherweise aufgrund von dessen gesundheitlichen Problemen, als Alleininhaber und benannte das Unternehmen entsprechend in J. B. Oppenheimer um. Dabei war Oppenheimer zunächst im Besitz einer Konzession der sächsischen Staatsregierung, allerdings ohne als Bürger in die Stadtgemeinde Leipzigs aufgenommen zu werden. Mit der Gültigkeit des neuen Gesetzes zur jüdischen Religionsausübung in Sachsen 1837 trat Oppenheimer dann als Vorsteher der faktisch gebildeten, offiziell jedoch noch nicht anerkannten jüdischen Gemeinde Leipzigs auf. In seiner Funktion gehörte er neben Marcus Anton Aschard, Levi Bendix, Adolph Meyer jun. sowie Julius Fürst auch einem Ende 1837 entstandenen „Central-Comité der allgemeinen Synagoge“ an, das sich in Verhandlungen für den Landerwerb zum Bau einer zentralen Synagoge einsetzte. Dieses Projekt scheiterte zunächst, weil es nicht gelang, die Unterschiede in der Kultusausübung mit auswärtigen Messejuden zu überbrücken. Die Idee für ein jüdisches Gotteshaus blieb aber dennoch weiter präsent. Anfang Juni 1839 wurde Oppenheimer neben Eduard Boas als Beisitzer in den neuen Gemeindevorstand gewählt, dessen Vorsitz Aschard übernahm. Fürst fungierte als Sekretär. Innerhalb der Gemeinde engagierte sich Oppenheimer für wichtige Belange, die z.B. den 1814 eröffneten jüdischen Friedhof im Johannistal betrafen. Hier warf Oppenheimer in einer Gemeindesitzung am 31.5.1843 das Problem auf, inwieweit auch aus dem Vermögen auswärtiger Juden, die während des Aufenthalts in Leipzig sterben und hier dem Ritus gemäß zeitnah begraben werden sollten, ein finanzieller Beitrag zu entnehmen sei. Die Frage löste eine äußerst heftige Diskussion über die Eigentumsverhältnisse des Friedhofs aus, die sich als eher undurchsichtig erwiesen. Die durch Oppenheimer angestoßene Kontroverse fiel laut Sitzungsprotokoll dermaßen heftig aus, dass mehrfach zur Mäßigung ermahnt werden musste. Mit dem formalen Abschluss der Gründung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig im Juni 1847 gehörte Oppenheimer dieser zunächst als Beisitzer und ab 1850 für drei weitere Jahre als Repräsentant an. Zudem war er bereits seit Juli 1838 als Gardist der 9. Kompanie in der Leipziger Kommunalgarde tätig. Gegen die Einberufung hatte er sich Ende 1837 zunächst noch vergebens mit der Argumentation gewehrt, kein Bürger der Stadtgemeinde Leipzigs zu sein. Die Dienstverpflichtung kollidierte während der 1840er-Jahre aber wiederholt mit seinen eigenen Interessen: Wegen der schlechten körperlichen Verfassung seines Bruders musste er zwangsläufig dessen Dienstreisen übernehmen und hielt sich nur noch zur Messezeit in Leipzig auf, wie Oppenheimer z.B. im Dezember 1840 an den Hauptmann seiner Kompanie schrieb. In dieser kurzen Zeit noch die Nachtwache zu übernehmen, entzöge ihm die Zeit für die geschäftliche Aktivität in seinem Verkaufslokal und schadete seiner Gesundheit, so Oppenheimer weiter. Im November 1846 bescheinigte ihm der Arzt Ludwig Bernhard Georg Lippert u.a. krampfhaftes Asthma, dazu Anfälle, einen gestörten Blutkreislauf und „Gemüthsaffecte“, die einer weiteren Dienstverrichtung entgegenstanden. Zu einer endgültigen Entlassung Oppenheimers kam es dann wahrscheinlich erst 1857. Mehrfach musste er sich auch Auseinandersetzungen mit der Kramer- und der Uhrmacherinnung in Leipzig stellen, die ihm zuletzt Ende 1851 eine illegale Warenauktion vorwarfen. Der hierbei angeschlagene Ton fiel zum Teil sehr scharf aus: So erhoffte sich die Innung der Uhrmacher nach eigener Aussage vom April 1852, dass an Oppenheimer ein Exempel statuiert werden würde, um zu verdeutlichen, dass Juden in Sachsen sich an Gesetze halten müssten oder andernfalls mit dem Entzug der Konzession zu rechnen hätten. Das bis 1853 nachweisbare Verfahren endete nach längerer Auseinandersetzung mit 10 Talern Geldstrafe für Oppenheimer. Zudem traf ihn auch der familiäre Schicksalsschlag, seine Tochter Helena bereits 1841 im Alter von nicht einmal drei Jahren zu verlieren. Ein weiterer Sohn, Felix/Ferdinand Oppenheimer, fiel 1870 im Deutsch-Französischen Krieg. Vermutlich nach seiner Ankunft als junger Mann in Leipzig hatte Oppenheimer Bertha Berenhart, eine gebürtige Braunschweigerin, geheiratet, die aus der Verbindung hervorgegangenen Kinder kamen allesamt in Leipzig zur Welt. Oppenheimer verstarb im Alter von 65 Jahren und wurde auf dem Alten Israelitischen Friedhof im Norden Leipzigs beigesetzt.

Quellen Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem, D/Le1/9-11; Stadtarchiv Leipzig, 0006 Leichenschreiberei, Ratsleichenbücher Reg.-Nr. 545 (1872), 0008 Ratsstube, II. Sektion K 1730, Tit. LI Nr. 91, 0359 Kommunalgarde Leipzig, Nr. 477; Leipziger historische Adressbücher 1835-1873.

Literatur Wilhelm Harmelin, Juden in der Leipziger Rauchwarenwirtschaft, in: Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie 11/1966, H. 6, S. 249-282; Adolf Diamant, Chronik der Juden in Leipzig. Aufstieg, Vernichtung und Neuanfang, Chemnitz/Leipzig 1993; Josef Reinhold, Zwischen Aufbruch und Beharrung. Juden und jüdische Gemeinde in Leipzig während des 19. Jahrhunderts, Dresden 1999; Daniel Ristau, Jüdisches Leben in Sachsen vom 17. Jahrhundert bis 1840, in: Gunda Ulbricht/Olaf Glöckner (Hg.), Juden in Sachsen, Leipzig 2013, S. 38-65; Katrin Löffler, Leipzigs alter jüdischer Friedhof im Johannistal, Leipzig 2022.

Porträt John Berend Oppenheimer 1807-1872, Fotografie, in: Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie 11 (1966), Nr. 6, via Wikimedia Commons (Bildquelle) [Public Domain Mark 1.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Public Domain Mark 1.0 Lizenz].

Lucas Böhme
18.8.2025


Empfohlene Zitierweise:
Lucas Böhme, Artikel: John Berend Oppenheimer,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/27916 [Zugriff 30.8.2025].

John Berend Oppenheimer



Quellen Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem, D/Le1/9-11; Stadtarchiv Leipzig, 0006 Leichenschreiberei, Ratsleichenbücher Reg.-Nr. 545 (1872), 0008 Ratsstube, II. Sektion K 1730, Tit. LI Nr. 91, 0359 Kommunalgarde Leipzig, Nr. 477; Leipziger historische Adressbücher 1835-1873.

Literatur Wilhelm Harmelin, Juden in der Leipziger Rauchwarenwirtschaft, in: Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie 11/1966, H. 6, S. 249-282; Adolf Diamant, Chronik der Juden in Leipzig. Aufstieg, Vernichtung und Neuanfang, Chemnitz/Leipzig 1993; Josef Reinhold, Zwischen Aufbruch und Beharrung. Juden und jüdische Gemeinde in Leipzig während des 19. Jahrhunderts, Dresden 1999; Daniel Ristau, Jüdisches Leben in Sachsen vom 17. Jahrhundert bis 1840, in: Gunda Ulbricht/Olaf Glöckner (Hg.), Juden in Sachsen, Leipzig 2013, S. 38-65; Katrin Löffler, Leipzigs alter jüdischer Friedhof im Johannistal, Leipzig 2022.

Porträt John Berend Oppenheimer 1807-1872, Fotografie, in: Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie 11 (1966), Nr. 6, via Wikimedia Commons (Bildquelle) [Public Domain Mark 1.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Public Domain Mark 1.0 Lizenz].

Lucas Böhme
18.8.2025


Empfohlene Zitierweise:
Lucas Böhme, Artikel: John Berend Oppenheimer,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/27916 [Zugriff 30.8.2025].