Eleonore Boas

Die während ihres langen Lebens wirtschaftlich sehr aktive Eleonore Fränkel gehörte in den 1830er-Jahren zu den jüngsten weiblichen Gründungsmitgliedern der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. – Als Tochter des aus Fürth stammenden Kantors und Schulvorstehers Wolff Seeligmann Ulmann geboren, kam Fränkel vermutlich kurze später nach Leipzig, wo sich ihr Vater 1810 niedergelassen hatte. 1833 heiratete sie den Krawatten- und Modefabrikanten Eduard Boas, dessen Vormundschaft ihr Vater nach dem frühen Tod von dessen Eltern übernommen hatte. Der Dresdner Arzt Bernhard Hirschel beschrieb das vermählte Paar in seinen Lebenserinnerungen, die auf seine Leipziger Zeit in den 1830er-Jahren zurückgingen, als verliebte junge Leute, die sich auch in seiner Gegenwart ungeniert „schnäbelten und herzten“. Nachdem ihr Ehemann im Alter von nur 39 Jahren nach längerem Leiden verstarb, bewarb sich Fränkel erfolgreich um das Leipziger Bürgerrecht, das ihr am 20.11.1845 zuerkannt wurde. In diesem Rahmen konnte die Witwe das Gewerbe ihres ersten Manns weiterführen. Bereits 1846 heiratete sie in zweiter Ehe den gebürtigen Leipziger Speisewirtssohn und Kaufmann Adolph Fränkel, der auch zu den Gründungsmitgliedern der Israelitischen Religionsgemeinde in der Stadt zählte und seit 1859 deren Vorstand angehörte. Ab 1848 erschien das bislang unter dem Nachnamen ihres ersten Ehemanns geführte Unternehmen nunmehr in den Adressbüchern unter dem Namen ihres zweiten Ehemanns mit Sitz in der Grimmaischen Straße 11. Als Leipziger Jüdin engagierte sich Fränkel im Israelitischen Frauenverein und war in den 1870er- und 1880er-Jahren in dessen Vorstand tätig. Ihre Privatanschrift befand sich zuletzt in der Lessingstraße 12, nahe des Leipziger Stadtkerns.

Quellen Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem, D/Le1/9-11; Stadtarchiv Leipzig, 0008 Ratsstube, II. Sektion B/1629, J/246; 0036 Polizeiamt, Nr. 53, 0045 Abteilung für Standesamtssachen, Standesamt Leipzig I, Personenstandsregister, Sterberegister 1889, Nr. 1641; Bernhard Hirschel, Meine Lebensgeschichte [MS, Leo Baeck Institute Archive, LBI Memoir Collection, ME 316a]; Der Alte Israelitische Friedhof. Zeuge jüdischer Kultur und Tradition in Leipzig; Leipziger historische Adressbücher.

Literatur Josef Reinhold, Zwischen Aufbruch und Beharrung. Juden und jüdische Gemeinde in Leipzig während des 19. Jahrhunderts, Dresden 1999.

Lucas Böhme
19.8.2025


Empfohlene Zitierweise:
Lucas Böhme, Artikel: Eleonore Boas,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/27861 [Zugriff 30.8.2025].

Eleonore Boas



Quellen Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem, D/Le1/9-11; Stadtarchiv Leipzig, 0008 Ratsstube, II. Sektion B/1629, J/246; 0036 Polizeiamt, Nr. 53, 0045 Abteilung für Standesamtssachen, Standesamt Leipzig I, Personenstandsregister, Sterberegister 1889, Nr. 1641; Bernhard Hirschel, Meine Lebensgeschichte [MS, Leo Baeck Institute Archive, LBI Memoir Collection, ME 316a]; Der Alte Israelitische Friedhof. Zeuge jüdischer Kultur und Tradition in Leipzig; Leipziger historische Adressbücher.

Literatur Josef Reinhold, Zwischen Aufbruch und Beharrung. Juden und jüdische Gemeinde in Leipzig während des 19. Jahrhunderts, Dresden 1999.

Lucas Böhme
19.8.2025


Empfohlene Zitierweise:
Lucas Böhme, Artikel: Eleonore Boas,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/27861 [Zugriff 30.8.2025].