Das Bild des letzten regierenden Herzogs der jüngsten albertinischen Nebenlinie Sachsen-Zeitz ist lange Zeit von konfessioneller Polemik überlagert worden, die den Blick auf die schwierige Persönlichkeit des zweimaligen Konvertiten verdeckt hat. Der hoch gebildete, vielseitig interessierte und sprachbegabte (u.a. Griechisch, Hebräisch) M. gehörte sicherlich zu den schillerndsten, aber auch umstrittensten Vertretern des Hauses Wettin. – Erzogen unter der Aufsicht des Hofmeisters Ernst Ludwig von Pöllnitz, später Dompropst von Naumburg, kurfürstlicher Geheimer Rat und Kanzler, begann M. 1681 eine Kavaliersreise nach Frankreich. Charakteristisch ist das bereits frühzeitig ausgeprägte Interesse an theologischen Fragen, belegt durch eine intensive Begegnung mit Philipp Jacob Spener, dem pietistischen Erneuerer des orthodoxen Luthertums, in Frankfurt/Main. Wegen des Tods seines Vaters vorzeitig zurückgekehrt, trat M. 1682 die Nachfolge als Administrator des evangelischen Stifts Naumburg an. Der erbländische Besitz der Sekundogenitur Sachsen-Zeitz verblieb bis 1685 unter der Vormundschaftsregierung des sächsischen Kurfürsten. Nach einer ausgedehnten Italienreise (1682-1684) übernahm M. nach Erreichen der Volljährigkeit im Juli 1685 die eigenständige Regierung seiner Erblande. Der Streit um die Huldigung wegen der von der Dresdner Kurlinie beanspruchten Oberhoheit stand am Beginn des Dauerkonflikts um die Rechtsstellung der 1656/57 entstandenen albertinischen Nebenlinien, v.a. hinsichtlich der säkularisierten Stifte. Gemeinsam mit Sachsen-Merseburg suchte M. immer wieder die Unterstützung Kurbrandenburgs und des Kaisers. Die verwandtschaftliche Verbindung mit den Brandenburgern durch die Heirat mit Maria Amalia, einer Tochter Kurfürst Friedrich Wilhelms, spielte hier eine wichtige Rolle. Im Aufsehen erregenden Konflikt um die freie Religionsausübung seiner Gemahlin konnte M. schließlich 1692 lediglich die reformierte Taufe seiner Nachkommen gegenüber dem lutherischen Naumburger Domkapitel durchsetzen. – Intensiv bemühte er sich um die Emanzipation von der Dresdner Kurlinie sowie die Aufwertung seiner Stellung und seines heterogenen Herrschaftsbereichs durch Erlangung der Reichsstandschaft. Die angestrebte Readmission des alten Naumburger Stiftsvotums im Reichsfürstenrat wurde nach erfolgter Zeitzer Zahlung (1698) später vom vertragsbrüchigen Kursachsen trotz kaiserlicher Unterstützung dauerhaft blockiert. Erfolgreicher war ein anderer Schritt in Richtung Reichstagspräsenz: 1700 erwarb M. für 45.000 Taler den kursächsischen Anteil an der Grafschaft Henneberg mit dem anteiligen Reichstagsvotum. Im Rahmen seiner Möglichkeiten setzte sich M. auch immer wieder in Berlin und Wien für die Interessen seines unmündigen Neffen Moritz Wilhelm von Sachsen-Merseburg ein. Die Hoffnungen auf den Schutz der seit 1706 in Mitteldeutschland präsenten Großmacht Schweden erwiesen sich als illusorisch. Die permanenten Klagen des Zeitzers in Berlin belasteten zunehmend auch die preußische Außenpolitik gegenüber Kursachsen. Zermürbt durch den seit 1709 verstärkten politischen Druck Dresdens, aber auch die militärischen Machtdemonstrationen Kursachsens im Konflikt um die Landeshoheit im Naumburger Stift und dessen umstrittene Reichsunmittelbarkeit, musste M. schließlich kapitulieren. Durch den frühzeitigen Tod seiner letzten Erbhoffnung Friedrich August 1710 zusätzlich schwer getroffen, kam 1711 unter Vermittlung seines Bruders Christian August ein vorläufiger Vergleich mit Dresden zustande. M. verzichtete gegen finanzielle Kompensationen endgültig auf das Naumburger Reichstagsvotum und akzeptierte die Einführung der kursächsischen Generalkonsumtionsakzise im Stift und seinen sächsischen Erblanden. Indes verfolgte M. noch eine andere Option: In einem zweiten Vertrag erhielt er die Anwartschaft auf das polnische Herzogtum Kurland und Semgallen, wofür er im Realisierungsfall den gesamten Zeitzer Besitz an die Kurlinie abtreten wollte. Unter dem Eindruck der Opposition des Naumburger Domkapitels, seiner dramatischen Finanzlage und der anhaltenden Auseinandersetzungen mit Dresden erwog M. jedoch bereits 1712 die Abtretung des Stifts an Kursachsen. – Bestärkt durch seinen ihm sehr nahe stehenden geistlichen Bruder Christian August neigte M. bereits seit 1697 dem katholischen Bekenntnis zu. Die Sorge um die Administration des Stifts Naumburg, das Misstrauen seiner Gemahlin und engsten Umgebung führten jedoch dazu, dass er erst 1715 heimlich im Kloster Doxan bei Prag vor seinem Bruder den Glaubenswechsel vollzog. Christian August, der „Kardinal von Sachsen“, sorgte v.a. durch die Entsendung des verkleideten Jesuitenpaters Franz Heinrich Schmelzer an den Zeitzer Hof für den notwendigen Druck auf seinen zögerlichen Bruder. Als M. Anfang 1717 notgedrungen seine Konversion auf der Leipziger Pleißenburg publik machte, wandte sich das Naumburger Domkapitel an den sächsischen Kurfürsten als Erbschutzherrn und deklarierte die Sedisvakanz des evangelischen Stifts. M.s Hoffnung auf die Hilfe des ebenfalls katholischen Friedrich Augusts I. und des Kaisers erwiesen sich als Illusion. Kurz darauf trat M. gegen eine lebenslange Pension von jährlich 35.000 Gulden das überschuldete Stift mit den Residenzen Naumburg und Zeitz an Kursachsen ab. Seine verkleinerte Hofhaltung verlegte er in das sächsisch-erbländische Weida und errichtete dort eine katholische Kapelle. Von Zweifeln geplagt und von allen Seiten bedrängt, revidierte M. unter dem Druck seiner Gemahlin und dem Einfluss des großen Hallenser Pietisten August Hermann Francke im Oktober 1718 in Pegau seine Konfessionsentscheidung. Dieser spektakuläre Schritt sorgte reichsweit für großes Aufsehen und heftige publizistische Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionsparteien. Mit dem überraschenden Tod des zweimaligen Konvertiten bereits wenige Wochen später fielen der erbländische und hennebergische Besitz der jüngsten albertinischen Sekundogenitur an die Kurlinie zurück. – Angesichts der ungünstigen Forschungslage und seiner bislang unbearbeiteten umfangreichen Korrespondenz fällt eine ausgewogene Beurteilung dieses Wettiners schwer. Persönlich umgänglich, aber durchaus standesbewusst, litt der wenig entschlusskräftige M. zeitlebens unter den Zwängen seiner beengten Verhältnisse und dem existenzbedrohenden Druck der Dresdner Kurlinie. Mehr Privatgelehrter als barocke Herrschergestalt, war er v.a. religionsgeschichtlich interessiert. M. stand in regem Gedankenaustausch mit zahlreichen Gelehrten und scheint besonders von den kirchlichen Vereinigungsideen eines Georg Wilhelm Leibniz beeinflusst worden zu sein, mit dem er seit 1711 korrespondierte. M. betrieb zugleich intensive genealogische Studien: So erarbeitete er einen Stammbaum, um „mein Herkommen von dem Attila, von Generationen zu Generationen“, zu belegen, oder ein Gutachten für Friedrich August I. über die alten Wettiner Erbansprüche auf die Königreiche Neapel und Sizilien (1709). Wie viele seiner Standesgenossen war M. gleichzeitig von Alchimie, magischen Künsten und Geheimwissenschaften fasziniert. Mit seinem ebenfalls geldbedürftigen Bruder Friedrich Heinrich suchte er eifrig nach verborgenen Schätzen.
