Friedrich Christian
Kurfürst von Sachsen
* 5.9.1722 Dresden 17.12.1763 Dresden Hofkirche Dresden(kath.)
VII. (August III.) (1696-1763), Kurfürst von Sachsen, König von PolenMMaria Josepha, geb. Erzherzogin von Österreich (1699-1757), Tochter des Kaisers Joseph I.GFriedrich August (1720-1721); Joseph August (1721-1728); Maria Amalia (1724-1760); Maria Margaretha (1727-1734); Maria Anna (1728-1797); Franz Xaver (1730-1806); Maria Josepha (1731-1767); Karl (1733-1796), Herzog von Kurland; Maria Christina (1735-1782); Maria Elisabetha (1736-1818); Albert (1738-1822), Herzog von Teschen; Clemens Wenzeslaus (1739-1812), Erzbischof und Kurfürst von Trier; Maria Kunigunde (1740-1826)Maria Antonia Walburga, geb. Prinzessin von Bayern (1724-1780)SFriedrich August III. (Friedrich August I., der Gerechte) (1750-1827), Kurfürst von Sachsen, ab 1806 König von Sachsen, Großherzog von Warschau; Karl (1752-1781); Joseph (1754-1763); Anton (1755-1836), König von Sachsen; Maximilian (1759-1838)TMaria Amalia (1757-1831); Maria Anna (1761-1820)
GND: 118703226





Aufgrund der angeborenen Körperbehinderung F.s erwog sein Vater zunächst, die Thronfolge an den zweitgeborenen Sohn Xaver zu übertragen. Dies wurde jedoch aus rechtlichen Gründen verworfen. – Während seiner sorgfältigen Ausbildung besuchte der bereits frühzeitig zu kritischem Denken und eigener Urteilsfindung befähigte F. Vorlesungen an der durch die bürgerliche Aufklärung beeinflussten Leipziger Universität. Diese aufklärerische Grundhaltung des künftigen katholischen Regenten eines evangelischen Kurfürstentums widerspiegelt sich u.a. in seiner toleranten Konfessionsauffassung: Auf der einen Seite steht das an seinen ältesten Sohn Friedrich August (III./I.) weitergegebene Interesse für die evangelisch-lutherische Landeskonfession und die damit verbundenen Besonderheiten des sächsischen Staatsrechts. Andrerseits hatte F. bereits auf seiner ausgedehnten Kavaliersreise in Italien (1738/39) enge Beziehungen zu Kreisen des aufgeklärten Reformkatholizismus geknüpft. So förderte der kulturell und wissenschaftlich interessierte Kurprinz jahrelang Johann Joachim Winckelmann, an dessen Studien über die Kunst der Antike er regen Anteil nahm. Mit Johann Christoph Gottsched in Leipzig stand das Kurprinzenpaar in enger Beziehung und verfolgte dessen Bemühungen um eine Neugestaltung von Sprache, Literatur und Kunst. Die persönliche Begegnung mit der Leipziger Aufklärung prägte zugleich entscheidend die Auffassungen F.s über Staat und Herrscheramt. Als zentrale Quelle zum aufgeklärten Absolutismus und Fürstenethos im 18. Jahrhundert belegt das 1751 begonnene geheime politische Tagebuch die Ansicht des Dreißigjährigen, wonach die Fürsten für ihre Untertanen und nicht die Untertanen für die Fürsten da seien. F. entwickelte eigenständige politische Vorstellungen, in denen er mit seiner Gemahlin Maria Antonia Walburga übereinstimmte; so schwebte ihm etwa die polnische Thronfolge noch zu Lebzeiten seines Vaters als Lebensziel vor. – Dem mächtigen Premierminister Heinrich Graf von Brühl stand F. außerordentlich kritisch gegenüber. Frühzeitig suchte er den Kontakt zu dessen ausgewiesenen politischen Gegnern, wie zu dem aus dem Leipziger Bürgertum stammenden späteren Staatsreformer Thomas von Fritsch. Die geringe Anteilnahme seines regierenden Vaters an den Regierungsgeschäften bewertete F. ausgesprochen negativ und sah dies als Gegensatz zur markanten Persönlichkeit des aufgeklärten und von ihm bewunderten Preußenkönigs Friedrich II. Die tiefe Abneigung des Kurprinzen gegen die Person Brühls und das von ihm geprägte Regierungssystem zeigte sich in den Vorbereitungen zu dessen sofortiger Verhaftung nach dem Ableben des Kurfürsten. In der Überzeugung vom Wert einer gesunden Staatswirtschaft richtete sich seine politische Planung an den Interessen des sächsischen Großbürgertums und dessen in Leipzig ansässigen Führungskräften aus. Der „junge Hof“ des Kurprinzenpaares fungierte in den 1750er-Jahren als wichtiges Sammelbecken aufgeklärter Oppositioneller aus Regierung und Gesellschaft, als Kristallisationskern des sächsischen Reformpotenzials. – Im Gegensatz zu den Repräsentanten des Brühl’schen Systems blieb F. während der preußischen Besetzung Sachsens seit 1757 zunächst in Dresden, wo der kurprinzliche Hof nun eine Sammelstelle für kriegswichtige Informationen und ein Zentrum des passiven Widerstands gegen die preußische Invasion bildete. Angesichts der Übergriffe der preußischen Besatzungsmacht übersiedelte jedoch auch der „junge Hof“ F.s 1759 ins Münchner Exil. Noch vor dem absehbaren Kriegsende kehrte der Kurprinz mit seiner Familie Anfang 1762 nach Dresden zurück, um den Wiederaufbau des zerstörten Landes in Angriff zu nehmen. Bereits im April 1762 berief er die sog. Restaurationskommission unter der Leitung von Fritschs; sie sollte mit Plänen und Entwürfen die Wiederherstellung Sachsens, das Rétablissement, vorbereiten. Gegen den passiven Widerstand der Verwaltung ließen sich jedoch die dringend erforderlichen Neuerungen vorerst kaum in die Tat umsetzen. – Nach dem Hubertusburger Friedensschluss im Februar 1763, an dessen Verhandlungen auch F. teilgenommen hatte, kehrten der regierende Kurfürst und sein Premierminister Brühl von Warschau nach Dresden zurück. Der baldige Tod beider Repräsentanten des alten Systems im Oktober 1763 machte nun den Weg frei für eine umfassende Staatsreform. Mit dem Regierungsantritt F.s wurde unverzüglich begonnen, die von der Restaurationskommission erarbeiteten Grundsätze in eine praktische, aufgeklärte Reformpolitik umzusetzen. Doch ist der reformorientierte Kurfürst nach nur zehnwöchiger Regierungszeit plötzlich verstorben. – V.a. durch seine in die Zukunft weisende Personalpolitik hatte F. zugleich für die nachfolgende zielgerichtete Neugestaltung der staatlichen Ordnung in den Bereichen Justiz, Verwaltung, Sozial- und Wirtschaftspolitik und damit für eine wichtige historische Weichenstellung gesorgt. Mit Recht ist deshalb von einer „Generation von 1763“ (T. Nicklas) gesprochen worden. – Die negativen Erfahrungen des soeben zu Ende gegangenen Siebenjährigen Kriegs und insbesondere die Enttäuschung über den österreichischen Bündnispartner führten zu einer nachhaltigen außenpolitischen Neuorientierung: Seit den Hubertusburger Friedensverhandlungen galt bis 1806 ein gutes Verhältnis zu Preußen als Grundsatz sächsischer Außenpolitik. Hinzu kam der Verzicht auf eine mögliche Erneuerung der Verbindung mit Polen, wobei F. seinen persönlichen Ehrgeiz hinter die Landesinteressen zurückgestellt hat. – In der neueren sächsischen Geschichte prägte kaum ein Herrscher die Politik des Landes so nachhaltig wie F., der zu einem fähigen und begabten Staatsmann herangewachsen war. Über sein kurzes Leben hinaus hat er die Entwicklung Sachsens auf Jahrzehnte mitbestimmt.



Q  H. Schlechte (Hg.), Die Staatsreform in Kursachsen 1762-1763, Weimar 1958; ders. (Bearb.), Das geheime politische Tagebuch des Kurprinzen F.: 1751-1757, Weimar 1992.

L  K. Blaschke, Kursachsen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, in: Dresdner Hefte 16/1988, S. 5-18; ders., Der Fürstenzug zu Dresden, Leipzig 1991, S. 188-190; B. Kreisig, Das Leben und Wirken des Kurprinzen und späteren Kurfürsten F. von Sachsen und das Retablissement in der Zeit 1722-1763, MS TU Dresden 1992; U. Schirmer (Hg.), Sachsen 1763-1832, Beucha 1996 – ADB 7, S. 789f.; NDB 5, S. 574f.; DBE 3, S. 548f.; F.-L. Kroll (Hg.), Die Herrscher Sachsens, München 2004, S. 192-202 (T. Nicklas).

P  Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Bildkatalog; Katalog der grafischen Porträts in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 1500-1850, bearb. von P. Mortzfeld, Reihe A, Bd. 1-36, München u.a. 1986-2006, hier Bd. 20 (1992) A 18425-18427, Suppl.-Bd. 4 (2006) A 27837f; (Druck: J. L. Sponsel (Bearb.), Fürsten-Bildnisse aus dem Hause Wettin, Dresden 1906 [Bildquelle]).



Karlheinz Blaschke
16.6.2008


Empfohlene Zitierweise:

Karlheinz Blaschke, Friedrich Christian, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.10.2017)

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