Simon Bogner

B.s Tätigkeit als Bergbauunternehmer und Bergbeamter wirkte stimulierend auf das erzgebirgische Montanwesen und war mitverantwortlich dafür, dass der Freiberger Bergbau von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Dreißigjährigen Krieg seine zweite Blütezeit erlebte. – B., dessen Vorfahren wohl süddeutscher Herkunft waren, begann zwischen 1524 und 1526 als Besitzer einer Schmelzhütte in Freiberg zu arbeiten und verfügte dort als Gewerke über verschiedene Bergwerksanteile. Als er am 4.5.1528 ein Haus im Freiberger Jakobiviertel erwarb, muss er bereits das Bürgerrecht der Bergstadt besessen haben. Ob er vor seiner Übersiedlung nach Freiberg bereits in anderen erzgebirgischen Revieren Berufserfahrungen gesammelt hatte, muss in Ermangelung einschlägiger Quellen offenbleiben. – Mitte 1528 bis Anfang 1530 fungierte B. in Freiberg als Stadtvogt und Stadtgerichtsschreiber, dessen akkurate Handschrift später von den Chronisten gelobt wurde. 1532 scheint er erstmals in die Verantwortung als Schichtmeister einer Grube gelangt zu sein. 1537 nahm er diese Funktion auf mehreren Zechen wahr. Zuvor war B. bereits im Juni 1533 in die Knappschaft aufgenommen worden. Angesichts seiner Tüchtigkeit und Arbeitserfolge bot ihm Herzog Heinrich 1539 das Amt des Bergmeisters an. B. lehnte dieses Ansinnen zunächst ab, wurde dann aber doch am 15.6.1541 von Heinrich von Gersdorf zum Bergmeister des Freiberger Reviers bestellt. Seine Schmelzhütte betrieb B. unabhängig davon weiter. Finanziell sah er sich 1541 in die Lage versetzt, ein weiteres Haus im Freiberger Petriviertel zu kaufen. Am 21.9.1545 stieg B. zum Bergvogt auf. Als solcher übernahm er die technische Aufsicht über alle Bergwerke des 1547 eingerichteten Erzgebirgischen Kreises und war dem Oberberghauptmann als Sekretär zugeordnet. – Die Haupttätigkeit B.s erstreckte sich aber weiterhin auf das Freiberger Revier, dem er vornehmlich durch die Wiederaufnahme verschiedener zum Erliegen gekommener Stollen zur Belebung verhalf. So sind Vortriebe des Thelersberger Stollens (1531), des Hohenbirker oder Hüttenstollens (1542), des Christoph-Stollens (1544) und des Rothenfurter Stollens (später Anna-Stollen) (1550) belegt, die B.s Nachfolger Martin Planer später die Möglichkeit des Einbaus von Kunstgezeugen boten. B.s durchdachtes Arbeiten und zielsicheres Planen förderte die Freiberger Gruben beträchtlich und führte Ende September 1550 dazu, dass sein Gehalt verdoppelt wurde. Dennoch geriet der zur Freiberger Oberschicht zählende B. seit 1553 in finanzielle Schwierigkeiten. Sein Ansehensverlust wurde dadurch verschärft, dass er am 20.4.1556 bei Kurfürst August in Ungnade fiel, weil er sich skeptisch gegen die vom Landesherrn favorisierten neuen Schmelzverfahren für Erze geäußert hatte. Dies wurde offenbar als schweres Vergehen eingestuft, denn im Ergebnis der Auseinandersetzung kam B. für fünf Wochen in Haft, ohne dass ihm letztlich ein wirtschaftsschädigendes Verhalten nachgewiesen werden konnte. 1560 scheint der gesundheitlich inzwischen angegriffene B. aber zumindest teilweise als rehabilitiert gegolten zu haben, da er in jenem Jahr eine erneute beträchtliche Lohnerhöhung erhielt. – Vermutlich angeregt durch die neue Bergordnung Kurfürst Augusts von 1554, jedoch ohne offiziellen Auftrag, stellte B. in seiner letzten Lebensphase die Freiberger Berggebräuche zusammen, die das alte Gewohnheitsrecht der Bergleute dokumentierten. Dabei ist eine Vorbildwirkung der Sammlung der Joachimsthaler Berggebräuche durch Matthes Enderlein als wahrscheinlich anzusehen. Die historiografisch wertvolle, von der Forschung stark rezipierte Niederschrift B.s war 1567 vollendet und gliederte sich alphabetisch nach Sachbegriffen des Bergrechts. Unter Verwendung von B.s Pionierarbeit legte Christoph Lütze (Luciae) 1629 eine Neufassung der Freiberger Berggebräuche vor.

Quellen Universitätsbibliothek der TU Bergakademie Freiberg, Wissenschaftlicher Altbestand, Handschriften B.s.

Werke Bericht an Herrn Oberhauptmann wegen der Kupfferzechen und Stollen Befreyung [1562], in: Magazin für die Bergbaukunde 11/1795, S. LXXXIV-XCII; Die vornehmsten Wergk damit dieß Bergwergk ist erhalten [1565], in: ebd., S. LXXVIII-LXXXIII; Alte Berg-Gebräuche bey der Churfürstl. Sächß. freyen BergStadt Freyberg, Freiberg 1567 [MS, Universitätsbibliothek der TU Bergakademie Freiberg].

Literatur Andreas Möller, Theatrum Freibergense Chronicum. Beschreibung der alten löblichen BergHauptStadt Freyberg in Meissen, Bd. 2, Freiberg 1653, S. 408; Paul Bamberg, Personen im Gebiete des Freiberger Bergbaues aus der Zeit von 1487-1546, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 69/1940, S. 43-97; Otfried Wagenbreth/Eberhard Wächtler (Hg.), Der Freiberger Bergbau. Technische Denkmale und Geschichte, Leipzig 1986 (ND Heidelberg 2015); Herbert Kaden, Der Beginn der Herausbildung einer mittleren Bergverwaltung im albertinischen Sachsen Mitte des 16. Jahrhunderts, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 93/2003, S. 23-83; Hermann Löscher, Das Erzgebirgische Bergrecht des 15. und 16. Jahrhunderts, 1. Teil: Die erzgebirgischen Berggebräuche des 16. Jahrhunderts und ihre Vorläufer seit etwa 1450, Chemnitz 2007, S. 33-42, 141-220 – Werner Lauterbach, Berühmte Freiberger. Ausgewählte Biographien bekannter und verdienstvoller Persönlichkeiten, Teil 1: Persönlichkeiten aus dem 12. bis 17. Jahrhundert, Freiberg 2000, S. 39-41.

Michael Wetzel
20.10.2020

Empfohlene Zitierweise:
Michael Wetzel, Simon Bogner, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.11.2020)

Simon Bogner



Quellen Universitätsbibliothek der TU Bergakademie Freiberg, Wissenschaftlicher Altbestand, Handschriften B.s.

Werke Bericht an Herrn Oberhauptmann wegen der Kupfferzechen und Stollen Befreyung [1562], in: Magazin für die Bergbaukunde 11/1795, S. LXXXIV-XCII; Die vornehmsten Wergk damit dieß Bergwergk ist erhalten [1565], in: ebd., S. LXXVIII-LXXXIII; Alte Berg-Gebräuche bey der Churfürstl. Sächß. freyen BergStadt Freyberg, Freiberg 1567 [MS, Universitätsbibliothek der TU Bergakademie Freiberg].

Literatur Andreas Möller, Theatrum Freibergense Chronicum. Beschreibung der alten löblichen BergHauptStadt Freyberg in Meissen, Bd. 2, Freiberg 1653, S. 408; Paul Bamberg, Personen im Gebiete des Freiberger Bergbaues aus der Zeit von 1487-1546, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 69/1940, S. 43-97; Otfried Wagenbreth/Eberhard Wächtler (Hg.), Der Freiberger Bergbau. Technische Denkmale und Geschichte, Leipzig 1986 (ND Heidelberg 2015); Herbert Kaden, Der Beginn der Herausbildung einer mittleren Bergverwaltung im albertinischen Sachsen Mitte des 16. Jahrhunderts, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 93/2003, S. 23-83; Hermann Löscher, Das Erzgebirgische Bergrecht des 15. und 16. Jahrhunderts, 1. Teil: Die erzgebirgischen Berggebräuche des 16. Jahrhunderts und ihre Vorläufer seit etwa 1450, Chemnitz 2007, S. 33-42, 141-220 – Werner Lauterbach, Berühmte Freiberger. Ausgewählte Biographien bekannter und verdienstvoller Persönlichkeiten, Teil 1: Persönlichkeiten aus dem 12. bis 17. Jahrhundert, Freiberg 2000, S. 39-41.

Michael Wetzel
20.10.2020

Empfohlene Zitierweise:
Michael Wetzel, Simon Bogner, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.11.2020)