Heinrich von Löser

Heinrich von Löser war als Assessor des Hofgerichts in Wittenberg sowie als Steuerinspektor des Kurkreises tätig. Seine eigentliche Leidenschaft galt jedoch den Naturwissenschaften, mit denen er sich intensiv beschäftigte und sich dazu mit namhaften zeitgenössischen Mathematikern, Physikern, Philosophen und Astronomen austauschte. – Löser wurde am 9.4.1665 als erstes Kind des Erbmarschalls Kurt von Löser und dessen zweiter Ehefrau Margarethe Sibylle von Löser geboren. Der Vater verstarb bereits 1670. Löser immatrikulierte sich im April 1683 an der Universität Wittenberg und besuchte später auch die Universität Leiden in den Niederlanden, damals ein „‚Herd der Wissenschaftsrevolution‘ in einem Ursprungsland der Aufklärung“ (Mühlpfordt, S. 16). Neben Politik und Geschichte studierte er Jura und vertiefte seine Kenntnisse in Mathematik. 1687 trat er eine Bildungsreise an, die weitaus umfangreicher war als die damals übliche Kavalierstour junger Männer aus dem Adel. Die Reise führte ihn über Böhmen nach Wien und von dort über München in die Niederlande sowie nach England, Frankreich und Italien. Kurz nach seiner Rückkehr 1690 starb auch seine Mutter. Löser erbte das Gut Reinharz in der Dübener Heide, während sein Bruder Magnus das Gut Klöden erhielt. – Löser bekleidete im Kurfürstentum Sachsen das Amt des Steuerinspektors des Kurkreises und setzte seine juristischen Kenntnisse als Assessor am Hofgericht in Wittenberg ein. Auch nahm er an den Landtagsversammlungen sowie an den kurfürstlichen Ausschusstagen teil. – 1690 bis 1701 ließ Löser das Wasserschloss Reinharz erbauen, wobei unter Verwendung von Teilen des Vorgängerbaus eine Dreiflügelanlage entstand. Auch der Neubau der Kirchen zu Reinharz und zu Meuro wurde von Löser veranlasst. Als sein Bruder Magnus 1693 starb, erbte Löser das Gut Klöden und ließ auch dort das Wohngebäude umbauen sowie eine Brücke über den Elbarm, den Klödener Riß, errichten. – Lösers Leidenschaft galt neben der Baukunst der Mathematik, der Astronomie sowie dem Bau wissenschaftlicher Geräte. Er verfügte über eine große Bibliothek, deren Entstehung möglicherweise mit seiner Mutter Margarethe Sibylle zusammenhing, die sich u.a. ebenfalls der Astronomie gewidmet hatte. Seine Kenntnisse in den genannten Bereichen waren derart herausragend, dass er mit Mathematikern, Physikern und Philosophen korrespondierte und in persönlichem Kontakt stand. So tauschte er sich u.a. mit dem Naturforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus aus und informierte ihn über die zeitgenössischen Arbeiten der englischen Mathematiker John Wallis und Joseph Raphson sowie des Universalgelehrten Isaac Newton. Der Philosoph, Naturwissenschaftler und Aufklärer Christian Wolff hielt sich zwischen 1690 und 1701 zweimal auf Reinharz auf, um Löser hinsichtlich „des Gebrauchs der serierum infinitarum in der Trigonometrie“ zu beraten. Zu den unendlichen Folgen in der Trigonometrie gab es in jener Zeit kaum gedruckte Werke. In den Gesprächen ging es offensichtlich um einen Algorithmus zum Lösen einer nichtlinearen Gleichung, der von Newton entwickelt worden war. Über Löser wird berichtet, dass er hierzu ein umfangreiches Manuskript verfasste, an dessen Entstehung weitere Personen beteiligt gewesen waren. Es handelt sich möglicherweise um die Schrift „Magnus canon logarithmorum, sinuum natural, tangent, et secant, ad singula scrupula secundae“. – Am 14.11.1700 heiratete Löser auf Gut Klöden Johanna Charlotte von Dieskau, eine Tochter Geisler von Dieskaus. Als der seit Jahren gesundheitlich geschwächte Löser 1705 mit 40 Jahren nach schwerer Krankheit starb, hinterließ er neben seiner Witwe auch den anderthalbjährigen Sohn Hans sowie die wenige Monate alte Tochter Henriette Charlotte. Sein Sohn entwickelte später, wie der Vater, ein großes Interesse für die Naturwissenschaften. Wolff kam nach dem Tod Lösers auf Einladung der Witwe Johanna Charlotte nochmals nach Reinharz, um diese hinsichtlich der nachgelassenen Manuskripte Lösers zu beraten. Löser wurde zu Reinharz bestattet. Sein marmornes Epitaph in der dortigen Kirche zeigt, welche herausragende Bedeutung die Naturwissenschaften für ihn hatten. Anders als damals üblich wurde es mit naturwissenschaftlichen Instrumenten, wie z.B. zur Himmelsbeobachtung, versehen und nicht mit militärischen Trophäen.

Quellen Universitätsbibliothek Wrocław, Akc. 1948/562, 231r-234v; Samuel Schröer, Das Wohl-Seyn der Kinder Gottes (Leichenpredigt), Wittenberg 1706; Johann Christoph Tauscher, Des Erlöseten Lösers (Leichenpredigt), Wittenberg 1706; Briefwechsel zwischen Christian Wolff und Ernst Christoph von Manteuffel 1738-1743, bearb. von Hanns-Peter Neumann/Katharina Middell, Hildesheim/Zürich 2019, S. 96-107, 117-123.

Werke Magnus canon logarithmorum sinuum et sinuum naturalium ad singula scrupula secundae, [o.O. o.J.] [Autorschaft fraglich].

Literatur Günter Mühlpfordt, Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651-1708), Leipzig 2008; Josef Matzerath, Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Die Mitglieder der (kur-)sächsischen Landstände 1763 bis 1831, Dresden 2009; Mario Titze, Schloss, Bad Schmiedeberg, Ortsteil Reinharz, in: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.

Sinikka Gusset-Bährer
20.8.2026


Empfohlene Zitierweise:
Sinikka Gusset-Bährer, Artikel: Heinrich von Löser,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/26175 [Stand 20.08.2026, Aufruf 09.09.2026].

Heinrich von Löser



Quellen Universitätsbibliothek Wrocław, Akc. 1948/562, 231r-234v; Samuel Schröer, Das Wohl-Seyn der Kinder Gottes (Leichenpredigt), Wittenberg 1706; Johann Christoph Tauscher, Des Erlöseten Lösers (Leichenpredigt), Wittenberg 1706; Briefwechsel zwischen Christian Wolff und Ernst Christoph von Manteuffel 1738-1743, bearb. von Hanns-Peter Neumann/Katharina Middell, Hildesheim/Zürich 2019, S. 96-107, 117-123.

Werke Magnus canon logarithmorum sinuum et sinuum naturalium ad singula scrupula secundae, [o.O. o.J.] [Autorschaft fraglich].

Literatur Günter Mühlpfordt, Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651-1708), Leipzig 2008; Josef Matzerath, Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Die Mitglieder der (kur-)sächsischen Landstände 1763 bis 1831, Dresden 2009; Mario Titze, Schloss, Bad Schmiedeberg, Ortsteil Reinharz, in: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.

Sinikka Gusset-Bährer
20.8.2026


Empfohlene Zitierweise:
Sinikka Gusset-Bährer, Artikel: Heinrich von Löser,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/26175 [Stand 20.08.2026, Aufruf 09.09.2026].