Kurt von Löser

Kurt von Löser spielte als kursächsischer Rat, Obersteuereinnehmer und Erbmarschall sowie als Landschaftsdirektor von Sachsen-Altenburg in zwei Fürstentümern eine einflussreiche Rolle. – Löser wurde am 11.3.1623 auf dem Rittergut Sahlis geboren. Er war ein Sohn des altenburgischen Rats und kursächsischen Steuerdirektors und Erbmarschalls Hans von Löser und der Margarethe von Löser, geborene von Einsiedel aus der Linie zu Syhra. Nach dem Unterricht durch Hauslehrer wurde er im Alter von 18 Jahren mit seinem damaligen Hofmeister Michael König zum Studium an die Universität Wittenberg geschickt. Dort studierte er Geschichte, Politik und Jura. 1644 rief ihn sein Vater nach Sahlis zurück, um ihn anschließend auf eine Bildungsreise nach Frankreich und in andere Länder zu schicken. Auf dem Weg nach Sahlis traf Löser am 6.7. auf feindliche schwedische Soldaten, die ihn und seine Begleiter ausraubten. Löser wurde bei diesem Überfall angeschossen. Von der dabei erlittenen Verletzung seiner Lunge erholte er sich nicht mehr vollständig. Am 5.9.1644 starb sein Vater, im November seine Mutter. Als einziges überlebendes Kind übernahm er daraufhin die Güter zu Sahlis, Hainichen, Nenkersdorf und Reinharz. Die vorgesehene Bildungsreise trat er nicht mehr an, setzte aber seine wissenschaftlichen Studien fort. Er beschäftigte sich mit Jura und Architektur sowie mit der französischen und italienischen Sprache, die er schließlich beide fließend beherrschte. Am 11.5.1648 heiratete er mit Erlaubnis des Kurfürstenpaars, Johann Georg I. und Magdalena Sibylla, die Kammerjungfer Anna Sibylla von Körbitz, Tochter des Kammerjunkers der Kurfürstin Friedrich von Körbitz. Die Hochzeit fand in der Residenz in Dresden statt. Die Trauung vollzog der Oberhofprediger Jakob Weller von Molsdorf. Von den zwölf Kindern, die das Paar bekam, überlebten zwei Söhne und vier Töchter die Eltern. Anna Sibylla Löser starb am 2.4.1663. Daraufhin heiratete Löser am 13.7.1664 in zweiter Ehe seine Cousine Margarethe Sibylle von Einsiedel, verwitwete von Bünau. Aus dieser Ehe stammten die Söhne Heinrich und Magnus. – Als Grund- und Gerichtsherr von Kohren förderte Löser Handwerk und Wirtschaft der Stadt, indem er am 18.1.1656 das Schreiben von sechs Kohrener Töpfermeistern mit Bitte um Bestätigung ihrer Innungsartikel an den Kurfürsten weiterleitete. In einem Begleitschreiben befürwortete er das Anliegen der Töpfermeister und hielt fest, dass die Kohrener Meister ihr Handwerk seit vielen Jahren betrieben und sich zunftmäßig verhalten hatten. Kurze Zeit darauf erhielt die Kohrener Töpferinnung ihre offizielle Bestätigung. – 1657 wurde Löser, der zuvor schon kursächsischer Rat und Vize-Erbmarschall war, als Landschaftsdirektor im ernestinischen Fürstentum Sachsen-Altenburg bestätigt, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft seines im albertinischen Kurfürstentum gelegenen Guts Sahlis befand. 1661 ging das Amt des kursächsischen Erbmarschalls, welches regelmäßig in der Hand eines Angehörigen der Familie Löser lag, auf ihn über. Damit stand er an der Spitze des mächtigen engeren Ausschusses der Ritterschaftskurie, welche die zweite Kurie der sächsischen Landstände bildete. Das kursächsische Erbmarschallamt war mit persönlichen Privilegien verbunden, wie z.B. damit, bei kurfürstlichen Hochzeiten das Pferd zu erhalten, das vom Bräutigam geritten worden war. 1661 wurde Löser zudem zum kursächsischen Obersteuereinnehmer ernannt. Mit diesen und anderen Ämtern hatte Löser eine politisch sehr einflussreiche Stellung im Kurfürstentum Sachsen erreicht. Schon 1660 unterschrieb und siegelte er mit anderen das Dokument zum kommissarischen Vergleich wegen der Grenzen zwischen dem Stift Merseburg, dem Amt Delitzsch, der Stadt und dem Amt Leipzig sowie dem Amt Pegau. Er vermittelte zwischen hochrangigen und einflussreichen Persönlichkeiten, wie z.B. 1664 zwischen Heinrich Hildebrand von Einsiedel und dem Altenburger Kanzler Wolfgang Conrad von Thumbshirn. Gegen Zinsen vergab er hohe Darlehen, wie z.B. 3.000 Reichstaler an den sächsischen Kurprinzen und späteren Kurfürsten Johann Georg III. Löser genoss auch das Vertrauen Friedrich Wilhelms II. von Sachsen-Altenburg, sodass er nach dessen Tod am 22.4.1669 gemäß des fürstlichen Testaments Unter-Vormund der hinterbliebenen Kinder Friedrich Wilhelm und Johanna Magdalena von Sachsen-Altenburg wurde. Diese Aufgaben und Tätigkeiten, v.a. im Kontext der Landtage, waren mit viel Arbeit und Anstrengung verbunden. Sein ohnehin durch die Spätfolgen der 1644 erlittenen Verletzung angeschlagener Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend. Am 20.4.1670 verstarb Löser auf seinem Gut Sahlis und wurde einen Monat später in der Kapelle bei der Kirche St. Gangolf in Kohren in Gegenwart mehrerer kurfürstlicher Gesandten und zahlreicher hochadliger Personen beigesetzt.

Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 13437a, 10006 Oberhofmarschallamt, B, Nr. 21, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10381/26; Landesarchiv Thüringen - Staatsarchiv Altenburg, 1-14-0003 Altes Hausarchiv, 1288, Schönbergische Sammlung, Nr. 102, S. 580-643; Michael König, Disputatio Inauguralis. De Iure Retentionis, Wittenberg 1646; Valentin König, Jesu Verübter betrübter und geliebter Hingang macht/daß man den Todt nicht acht […], Leichenpredigt, Altenburg 1671.

Literatur Heinrich Haug, Das sächsische Obersteuerkollegium, in: NASG 21/1900, S. 224-240; Corinna Schulze, Die Kohrener Töpfer-Innung und ihre Zeugnisse im Töpfermuseum Kohren-Sahlis, in: Dirk Martin Mütze/Clemens Philipp/Claudia Vater (Hg.), Bausteine für Ortschronisten und Heimatforscher, Bd. 3, Leipzig 2022, S. 29-44; Angela Rannow, Die Prinzessin ist hin. Tanz bei fürstlichen und adligen Beilagern am Dresdner Hof des 17. Jahrhunderts, Leipzig 2025, S. 267, 316, 397.

Sinikka Gusset-Bährer
20.8.2026


Empfohlene Zitierweise:
Sinikka Gusset-Bährer, Artikel: Kurt von Löser,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/26174 [Stand 20.08.2026, Aufruf 09.09.2026].

Kurt von Löser



Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 13437a, 10006 Oberhofmarschallamt, B, Nr. 21, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10381/26; Landesarchiv Thüringen - Staatsarchiv Altenburg, 1-14-0003 Altes Hausarchiv, 1288, Schönbergische Sammlung, Nr. 102, S. 580-643; Michael König, Disputatio Inauguralis. De Iure Retentionis, Wittenberg 1646; Valentin König, Jesu Verübter betrübter und geliebter Hingang macht/daß man den Todt nicht acht […], Leichenpredigt, Altenburg 1671.

Literatur Heinrich Haug, Das sächsische Obersteuerkollegium, in: NASG 21/1900, S. 224-240; Corinna Schulze, Die Kohrener Töpfer-Innung und ihre Zeugnisse im Töpfermuseum Kohren-Sahlis, in: Dirk Martin Mütze/Clemens Philipp/Claudia Vater (Hg.), Bausteine für Ortschronisten und Heimatforscher, Bd. 3, Leipzig 2022, S. 29-44; Angela Rannow, Die Prinzessin ist hin. Tanz bei fürstlichen und adligen Beilagern am Dresdner Hof des 17. Jahrhunderts, Leipzig 2025, S. 267, 316, 397.

Sinikka Gusset-Bährer
20.8.2026


Empfohlene Zitierweise:
Sinikka Gusset-Bährer, Artikel: Kurt von Löser,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/26174 [Stand 20.08.2026, Aufruf 09.09.2026].