Heinrich

H., der Stifter der Weißenfelser Seitenlinie in Barby, sorgte zwar durch seinen Konfessionswechsel für einiges Aufsehen unter den deutschen Protestanten, konnte sich aber trotz großer finanzieller Probleme als Verwalter seiner Kleinstherrschaft profilieren. – Aufgewachsen am glanzvollen väterlichen Hof in Halle/Saale, erhielt der später auch als „Heinrich zu Barby“ bezeichnete vierte Sohn des Herzog-Administrators August die mit dem Tod seines älteren Bruders August 1674 erledigte Dompropstei in Magdeburg als Versorgung. Nur wenige Monate vor seinem Tod übertrug der Herzog-Administrator 1680 die 1659/1660 an ihn gefallenen Teile der zum Obersächsischen Reichskreis gehörigen Grafschaft Barby auf H., der damit eine Seitenlinie des Sekundogeniturfürstentums Sachsen-Weißenfels in Barby begründete. In zwei Vergleichen 1680 und 1681 mit seinem ältesten Bruder, dem neuen regierenden Herzog Johann Adolf I., konnten die entstandenen Streitigkeiten wegen der Abtretung und Übergabe des Barbyer Erbes schließlich beigelegt werden. Nachdem H. 1678 die angetragene Statthalterschaft im Herzogtum Mecklenburg abgelehnt hatte, trat er 1682 in den kurfürstlich brandenburgischen Militärdienst ein und zeichnete sich als Oberst gemeinsam mit seinem in kurfürstlich sächsischen Diensten stehenden Bruder Christian im Türkenkrieg aus, in dessen Verlauf er bei Ofen (ungar. Buda) 1686 schwer verwundet wurde. – Nach seiner Rückkehr aus Ungarn begann der von seinem Vater in die Fruchtbringende Gesellschaft („der Aufschießende“) aufgenommene H. 1687 mit der tatsächlichen Regierung seines kleinen Ländchens. Der umgehend begonnene Neubau eines zeitgemäßen Residenzschlosses anstelle der alten Burganlage in Barby sollte sich jedoch aufgrund von Geldmangel bis 1715 hinziehen. Aus diesem Grund hielt sich die Herzogsfamilie längere Zeit am nahe gelegenen Dessauer Hof von H.s Schwiegervater Johann Georg II. von Anhalt-Dessau und H.s Schwager Leopold von Anhalt-Dessau (der Alte Dessauer) auf. Die beschränkten Mittel seiner Duodezherrschaft zwangen H. seit 1690 immer wieder zur Aufnahme auch kleinster Darlehen bei seiner Ehefrau Elisabeth Albertine, die ihm 1704 sogar ihren Schmuck zur zeitweiligen Verpfändung (2.500 Taler) übergab. Bei seiner Schwiegertochter Auguste Luise von Württemberg-Oels, die mit H.s Sohn Georg Albrecht verheiratet war, musste er sich 1722 5.000 Taler erborgen. – Wie anderorts auch, führte die Residenzbildung zu einem wirtschaftlichen Aufschwung von Stadt und Umland, und der Hof zog Künstler und Musiker nach Barby. Mit der Restaurierung von Kirchen und reformpolitischen Maßnahmen wie etwa der 1702 eingeführten allgemeinen Schulpflicht für Knaben sorgte H. für erkennbare Verbesserungen des allgemeinen Landeszustands. Aufgrund von Grenzstreitigkeiten, aber auch zur Anlage von Steuerregistern veranlasste er die Vermessung der Grafschaft. Ausdruck seiner ausgeprägten Bauleidenschaft ist dagegen der prachtvolle Neubau der Dompropstei in Magdeburg (1706-1713). – Auf der Suche nach weiteren Geldquellen begann H. 1687 in Barby mit dem einträglichen Geschäft der Münzprägung. Allerdings ließ der sächsische Kurfürst Johann Georg III. nur zwei Monate später die Münzstätte als Verstoß gegen seine oberlehnsherrlichen Rechte zerstören. Nachdem H. 1699 an den Karnevalsfestivitäten in Dresden teilgenommen hatte, erhielt er 1700 die kurfürstlich sächsische Belehnung mit Schloss und Stadt Barby. 1723 kam schließlich ein Vergleich mit dem Kurfürst-König Friedrich August I. (August II., der Starke) über die kursächsischen Oberhoheitsrechte in der Grafschaft Barby zustande. Bereits 1690 hatte der stets geldbedürftige H. einen Vergleich über den Nachlass seines erbenlosen Bruders Christian geschlossen, den der regierende Herzog Johann Adolf I. von Sachsen-Weißenfels gegen Zahlung von jeweils 19.000 Talern an seine Miterben Albert und eben H. beanspruchen sollte. – Entgegen dem im väterlichen Testament von 1671 ausgesprochenen Konversionsverbot bekannte sich H., wohl unter dem Einfluss seiner Gemahlin, 1688 in Dessau zur evangelisch-reformierten Kirche. Dieser Schritt sorgte auch überregional für Aufsehen sowie einige Aufregung unter der orthodox-lutherischen Geistlichkeit. Gleichwohl bildete sich, von H. befördert, im Umfeld des Hofs in Barby allmählich eine kleine reformierte Gemeinde. Ungeachtet der anhaltenden Opposition der sächsischen Geistlichkeit gestattete ihm 1723 der 1697 katholisch gewordene August der Starke unter Auflagen eine reformierte Religionsausübung. – Der Stifter der Weißenfelser Seitenlinie Sachsen-Barby wurde in der Familiengruft des neuerrichteten Residenzschlosses in Barby beigesetzt.

Quellen Glaubens-Bekäntnüß Welches der Hochwürdigst-Durchlauchtigste Fürst und Herr … H. Hertzog zu Sachsen … Vor der nach Gottes-Wort Reformierten Gemeine zu Dessau den 30. Decembr. 1688. ablegte, Saalfeld [ca. 1689].

Literatur Christian Ernst Weiße, Neueste Geschichte des Königreichs Sachsen, 2 Bde., Leipzig 1808/1810; Gottlob Traugott Gabler, Die Fürstengruft auf Neu=Augustusburg, Weißenfels 1844; Karl Höse, Chronik der Stadt und Grafschaft Barby: nach Urkunden, alten Ueberlieferungen, geschichtlichen Aufzeichnungen sowie anderen Quellen, Barby 1901; Walther Thenius, Die Anfänge des stehenden Heerwesens in Kursachsen unter Johann Georg III. und Johann Georg IV., Leipzig 1912; Hellmut Kretzschmar, Zur Geschichte der sächsischen Sekundogeniturfürstentümer, Teil 1, in: Sachsen und Anhalt 1/1925, S. 312-343; Martin Bircher, Historische Miniaturen aus dem Herzogtum Sachsen-Weißenfels, in: 300 Jahre Vollendung der Neuen Augustusburg - Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels, hrsg. vom Museum Weißenfels, Weißenfels 1994, S. 9-54; Weltsicht und Selbstverständnis im Barock. Die Herzöge von Sachsen-Weißenfels - Hofhaltung und Residenzen, hrsg. vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V., Halle 1999; Barocke Fürstenresidenzen an Saale, Unstrut und Elster, hrsg. vom Museumsverbund „Die Fünf Ungleichen e.V.“ und dem Museum Schloss Moritzburg Zeitz, Petersberg 2007.

Porträt H., Herzog von Sachsen-Weißenfels, Pieter Schenk, Kupferstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, Inventar-Nr. A 139097, Foto: Regine Richter, 2007 (Bildquelle).

Jochen Vötsch
4.1.2023


Empfohlene Zitierweise:
Jochen Vötsch, Heinrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (7.2.2023)

Heinrich



Quellen Glaubens-Bekäntnüß Welches der Hochwürdigst-Durchlauchtigste Fürst und Herr … H. Hertzog zu Sachsen … Vor der nach Gottes-Wort Reformierten Gemeine zu Dessau den 30. Decembr. 1688. ablegte, Saalfeld [ca. 1689].

Literatur Christian Ernst Weiße, Neueste Geschichte des Königreichs Sachsen, 2 Bde., Leipzig 1808/1810; Gottlob Traugott Gabler, Die Fürstengruft auf Neu=Augustusburg, Weißenfels 1844; Karl Höse, Chronik der Stadt und Grafschaft Barby: nach Urkunden, alten Ueberlieferungen, geschichtlichen Aufzeichnungen sowie anderen Quellen, Barby 1901; Walther Thenius, Die Anfänge des stehenden Heerwesens in Kursachsen unter Johann Georg III. und Johann Georg IV., Leipzig 1912; Hellmut Kretzschmar, Zur Geschichte der sächsischen Sekundogeniturfürstentümer, Teil 1, in: Sachsen und Anhalt 1/1925, S. 312-343; Martin Bircher, Historische Miniaturen aus dem Herzogtum Sachsen-Weißenfels, in: 300 Jahre Vollendung der Neuen Augustusburg - Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels, hrsg. vom Museum Weißenfels, Weißenfels 1994, S. 9-54; Weltsicht und Selbstverständnis im Barock. Die Herzöge von Sachsen-Weißenfels - Hofhaltung und Residenzen, hrsg. vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V., Halle 1999; Barocke Fürstenresidenzen an Saale, Unstrut und Elster, hrsg. vom Museumsverbund „Die Fünf Ungleichen e.V.“ und dem Museum Schloss Moritzburg Zeitz, Petersberg 2007.

Porträt H., Herzog von Sachsen-Weißenfels, Pieter Schenk, Kupferstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, Inventar-Nr. A 139097, Foto: Regine Richter, 2007 (Bildquelle).

Jochen Vötsch
4.1.2023


Empfohlene Zitierweise:
Jochen Vötsch, Heinrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (7.2.2023)