Neubert Hermann Rudolf
Bibliothekar, Bibliotheksdirektor
* 9.12.1892 Leipzig 20.4.1980 Berlin (West)
VEmil (1857-1920), Postsekretär MEmma Johanna Maria (* 1862)Ilse, geb. GraveliusSDietrich Heinrich (* 1924); Albrecht (* 1925); Konrad (* 1928); Ullrich (* 1929)
GND: 137583419


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N. studierte nach dem Besuch der Bürgerschule Oschatz und der Fürstenschule in Grimma an der Universität Leipzig Mathematik, Geografie und Physik und promovierte dort zum Dr. phil. Sein Militärdienst im Ersten Weltkrieg, für den er sich als Freiwilliger gemeldet hatte, war nach einer Verwundung, die den Verlust der rechten Hand zur Folge hatte, für ihn im März 1915 beendet. Ab 1916 arbeitete er zunächst als Hilfsassistent am Geografischen Seminar der Universität Leipzig und ab 1919 als Volontär (ohne Bezahlung) in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden. Nach Ablegung der bibliothekarischen Fachprüfung an der Universitätsbibliothek Leipzig wurde er in Dresden 1921 wissenschaftlicher Hilfsarbeiter und 1925 Landesbibliothekar. N. wechselte zum 1.11.1929 auf die neu bewilligte Bibliothekarstelle an der Bibliothek der Technischen Hochschule Dresden, deren erster hauptamtlicher Direktor er wurde. Er strukturierte diese Einrichtung entsprechend bibliothekarischer Ansprüche um. So ordnete er u.a. die Dienststellen neu und baute eine Lesesaal-Handbibliothek und eine Lehrbuchsammlung auf. Außerdem gab er den ersten Jahresbericht heraus und publizierte in der Fachpresse. N. beendete 1934 seine „Aufbauarbeit“ in der Hochschulbibliothek und wechselte als stellvertretender Direktor wieder an die Sächsischen Landesbibliothek. Dort beteiligte er sich maßgeblich am Umbau der Bibliothek im Japanischen Palais und war Mitorganisator des 32. Bibliothekartags des Vereins Deutscher Bibliothekare 1936 in Dresden. Im selben Jahr gab er auch die Festschrift für den verdienstvollen Direktor Martin Bollert anlässlich dessen 60. Geburtstags heraus. Als dieser in den Ruhestand trat, wurde N. zum 1.6.1939 sein Nachfolger. In den Kriegsjahren hatte er die Auslagerung der Buchbestände zu organisieren und erlebte die Zerstörung seines Hauses am 13.2.1945 beim Luftangriff auf Dresden. Mitten im Wiederaufbau begriffen, wurde er als NSDAP-Mitglied gemäß der Verordnung der Landesverwaltung Sachsen über die Beschäftigung im öffentlichen Dienst am 31.10.1945 entlassen. Nachdem er sich vergeblich um seine Wiedereinstellung bemüht hatte, nahm er 1950 das Direktorat an der Bibliothek der Technischen Universität Berlin an, wo er bis zu seiner Verrentung 1958 tätig war.



Q  Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Bibliotheksarchiv, Personalakte N.

W  Jahresbericht über die Bibliothek der Technischen Hochschule zu Dresden 1931/32 [Ms.]; Zur Geschichte der Sächsischen Landesbibliothek, Leipzig 1936; (Hg.), Festschrift Martin Bollert zum 60. Geburtstage, Dresden 1936; Der Umbau der Sächsischen Landesbibliothek 1927-1935, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 53/1936, S. 45-61.

L  W. Schmidt/P. Kaegbein, Hermann N. zum 60. Geburtstage am 9. Dezember 1952, Berlin 1952 [Ms.] (WV). – DBA II, III; A. Habermann/R. Klemmt/F. Siefkes, Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925-1980, Frankfurt/Main 1985, S. 230f.; H.-D. Wüstling, Die Direktoren der Universitätsbibliothek Dresden von 1828 bis 1996, Dresden 2005, S. 50f. (Bildquelle); T. Bürger/K. Hermann (Hg.), Das ABC der SLUB, Dresden 2006, S. 173.



Hans-Dieter Wüstling
6.11.2009


Empfohlene Zitierweise:

Hans-Dieter Wüstling, Neubert, Hermann Rudolf, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (11.12.2017)

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