Siegfried Wolf

Wolf, spezialisiert auf die Geschichte, Kultur und Kunst des altafrikanischen Königreichs Benin, prägte 1957 bis 1972 als Direktor das Museum für Völkerkunde in Dresden. Schon als Berufsanfänger war er in der NS-Zeit an dessen Vorgängerinstitution, den Museen für Tierkunde und Völkerkunde, tätig. – In einer bildungsbürgerlichen Familie geboren, legte Wolf nach dem Besuch der Volks- und Realschule in Radeberg 1925 seine Abiturprüfung an der Sächsischen Landesschule in Dresden ab. Anschließend studierte er an der Technischen Hochschule in Dresden Naturwissenschaften, aber auch Kultur- und Kunstgeschichte, Anthropologie, Ethnografie, Philosophie und Psychologie. Mit der Staatsprüfung für das Höhere Lehramt erwarb er 1930 die Lehrberechtigung für Chemie, Botanik und Zoologie. Im August 1932 wurde er in Dresden mit einer Arbeit „Zur Kenntnis von Bau und Funktion der Reptilienlunge“ im Fach Zoologie promoviert. Juni bis Dezember 1933 arbeitete Wolf als Stipendiat des wissenschaftlichen Arbeitsdiensts an den Museen für Tierkunde und Völkerkunde in Dresden, wobei er an der Inventarisierung der Anatomischen Sammlung mitwirkte. Ab Oktober 1935 wurde er als unbezahlter Freiwilliger Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter beschäftigt und erhielt nur von Januar bis Juli 1937 eine Vergütung für seine Mitarbeit am Umzug des Museums für Tierkunde. Im Rahmen der Zusammenarbeit des Museums mit dem Deutschen Volksbildungswerk hielt Wolf Kurse für die Volksbildungsstätte Dresden. Ab Mai 1938 wurde er für die Vorbereitung der Ausstellung „Sachsen am Werk“ an das „Heimatwerk Sachsen – Verein zur Förderung des sächsischen Volkstums e.V.“ abgeordnet. Allerdings übernahm er weiterhin Führungen durch die völkerkundliche Sammlung. Im März 1939 wechselte Wolf aus dem Dienst in den Staatlichen Sammlungen ganz zum „Heimatwerk Sachsen“. Im Herbst 1940 wurde er zum Militärdienst einberufen, den er zunächst beim Flugmeldedienst in Riesa absolvierte. Seine Bewerbung um die Kustodenstelle an den Museen für Tierkunde und Völkerkunde in Dresden 1941 scheiterte an der nicht erfolgenden Freistellung vom Militärdienst. Erst nach Kriegsende kehrte Wolf nach Dresden zurück. Aufgrund der Bemühungen des Leiters der Zentralkanzlei der Staatlichen Museen, Walther Fischer, konnte Wolf trotz seiner früheren Mitgliedschaft in der NSDAP, in die er 1937 eingetreten war, kurzzeitig wieder am Museum arbeiten. Doch bereits nach wenigen Monaten wurde Wolf Ende Juli 1946 entlassen. Danach übernahm er private Arbeitsaufträge und war in der Textilforschung tätig. Später arbeitete er in Jena am Phyletischen Museum und lehrte 1955/1956 an der dortigen Friedrich-Schiller-Universität. Im Januar 1957 kehrte Wolf nach Dresden zurück, da er als Direktor an das Staatliche Museum für Völkerkunde berufen wurde, wo er bis zu seiner Pensionierung im August 1972 tätig war. Unter seiner Leitung zog das Museum ins Japanische Palais, wo er u.a. die Ausstellung „Waffen ferner Völker“ kuratierte. Wolf nahm die im Krieg unterbrochene Herausgabe der „Abhandlungen und Berichte“ wieder auf und betreute die Bände 21 bis 33 redaktionell. Er forschte und publizierte weiterhin rege, vor allem zur Geschichte, Kultur und Kunst des altafrikanischen Königreichs Benin und zur Metallverarbeitung in Afrika. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Wolf in Dresden.

Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 13842 Staatliches Museum für Tierkunde Dresden, Nr. 048; Bundesarchiv Berlin, R 9361/V/40635; R 9361-IX/Kartei/49580072; Auskunft Stadtarchiv Bischofswerda.

Werke Zur Kenntnis von Bau und Funktion der Reptilienlunge, in: Zoologische Jahrbücher. Abteilung für Anatomie und Ontogenie der Tiere 57/1933, S. 140-190; Zur Revision der Untergattung Rhacophorus, in: Bulletin of the Raffles Museum Singapore 12/1936, H. 2, S. 137-217; Zum Problem der Nasenflöte, Leipzig 1941; Bemerkungen zu den neuirländischen Reibhölzern der Völkerkundemuseen Dresden und Leipzig, in: Jahrbuch des Museums für Völkerkunde zu Leipzig 17/1958, S. 52-66; Zwei Benin-Arbeiten im Staatlichen Museum für Völkerkunde Dresden. Vogelgestaltiges Zeremonialgerät und Reliefplatte mit Vogel, in: Beiträge zur Völkerforschung 11/1961, S. 719-738; Die Gelbguß-Köpfe der Dresdener Benin-Sammlung. Beschreibung und Vergleich, in: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums für Völkerkunde 21/1962, S. 91-120; Elfenbein und Bronze. Vergleich zwischen Benin-Arbeiten verschiedenen Materials, in: ebd. 30/1970, S. 151-214.

Literatur Heinz Israel, Siegfried Wolf zum 65. Geburtstag, in: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums für Völkerkunde Dresden 34/1975, S. 1-5 (P); ders./Peter Neumann, Zum Gedenken. Siegfried Wolf 1907-1986, in: Kleine Beiträge aus dem Staatlichen Museum für Völkerkunde Dresden 8/1986, S. 43 (P); dies., Siegfried Wolf zum Gedenken, in: Ethnographisch-archäologische Zeitschrift 28/1987, H. 1, S. 163f.; Karin Müller-Kelwing, Zwischen Kunst, Wissenschaft und Politik. Die Staatlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft in Dresden und ihre Mitarbeiter im Nationalsozialismus, Köln/Weimar/Wien 2020, S. 468-470 (P). – DBA III.

Porträt Siegfried Wolf, um 1936, Passfoto, Mitgliedsausweis Reichsschrifttumskammer, Bundesarchiv Berlin, R 9361/V-40635 (Bildquelle).

Karin Müller-Kelwing
23.3.2023


Empfohlene Zitierweise:
Karin Müller-Kelwing, Artikel: Siegfried Wolf,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/29198 [Zugriff 25.7.2024].

Siegfried Wolf



Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 13842 Staatliches Museum für Tierkunde Dresden, Nr. 048; Bundesarchiv Berlin, R 9361/V/40635; R 9361-IX/Kartei/49580072; Auskunft Stadtarchiv Bischofswerda.

Werke Zur Kenntnis von Bau und Funktion der Reptilienlunge, in: Zoologische Jahrbücher. Abteilung für Anatomie und Ontogenie der Tiere 57/1933, S. 140-190; Zur Revision der Untergattung Rhacophorus, in: Bulletin of the Raffles Museum Singapore 12/1936, H. 2, S. 137-217; Zum Problem der Nasenflöte, Leipzig 1941; Bemerkungen zu den neuirländischen Reibhölzern der Völkerkundemuseen Dresden und Leipzig, in: Jahrbuch des Museums für Völkerkunde zu Leipzig 17/1958, S. 52-66; Zwei Benin-Arbeiten im Staatlichen Museum für Völkerkunde Dresden. Vogelgestaltiges Zeremonialgerät und Reliefplatte mit Vogel, in: Beiträge zur Völkerforschung 11/1961, S. 719-738; Die Gelbguß-Köpfe der Dresdener Benin-Sammlung. Beschreibung und Vergleich, in: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums für Völkerkunde 21/1962, S. 91-120; Elfenbein und Bronze. Vergleich zwischen Benin-Arbeiten verschiedenen Materials, in: ebd. 30/1970, S. 151-214.

Literatur Heinz Israel, Siegfried Wolf zum 65. Geburtstag, in: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums für Völkerkunde Dresden 34/1975, S. 1-5 (P); ders./Peter Neumann, Zum Gedenken. Siegfried Wolf 1907-1986, in: Kleine Beiträge aus dem Staatlichen Museum für Völkerkunde Dresden 8/1986, S. 43 (P); dies., Siegfried Wolf zum Gedenken, in: Ethnographisch-archäologische Zeitschrift 28/1987, H. 1, S. 163f.; Karin Müller-Kelwing, Zwischen Kunst, Wissenschaft und Politik. Die Staatlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft in Dresden und ihre Mitarbeiter im Nationalsozialismus, Köln/Weimar/Wien 2020, S. 468-470 (P). – DBA III.

Porträt Siegfried Wolf, um 1936, Passfoto, Mitgliedsausweis Reichsschrifttumskammer, Bundesarchiv Berlin, R 9361/V-40635 (Bildquelle).

Karin Müller-Kelwing
23.3.2023


Empfohlene Zitierweise:
Karin Müller-Kelwing, Artikel: Siegfried Wolf,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/29198 [Zugriff 25.7.2024].