Herbert Bellmann

B. arbeitete während fast zweier Jahrzehnte als Volkskundler und Anthropologe unentgeltlich oder befristet projektgebunden für das Museum für Völkerkunde in Dresden. Daneben trug er im Lauf seines Lebens ein privates Bildarchiv mit ca. 12.000 volks- und völkerkundlichen Dokumenten zusammen, das im Museum für Völkerkunde Dresden erhalten ist. – Nach dem Besuch der Volksschule und des Wettiner Gymnasiums studierte B. ab 1922 an der Technischen Hochschule Dresden Chemie. 1924 wechselte er für zwei Semester an die Universität in Wien, wo er zusätzlich Anthropologie und Völkerkunde studierte. Nach seiner Rückkehr nach Dresden setzte er das Studium der Chemie bis zum Diplom fort, ergänzt um die Fächer Anthropologie, Völkerkunde, Germanistik und Volkskunde. Anschließend studierte er hier bis 1934 Anthropologie und Völkerkunde bei Bernhard Struck sowie Volkskunde bei Adolf Spamer, für den er als Assistent tätig war. Ab Januar 1932 arbeitete B. parallel dazu als Freiwilliger Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an den Museen für Tierkunde und Völkerkunde in Dresden, wo Struck als Kustos tätig war, und inventarisierte deren Bildbestand. 1934 bis 1938 unterstützte B. als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft Spamer in der Abteilung Volkskunde der Reichsgemeinschaft der deutschen Volksforschung beim Aufbau eines „Wort- und Bildarchives der deutschen Volkskunde“. Anschließend kehrte er an die Staatlichen Museen für Tierkunde und Völkerkunde in Dresden zurück, vertretungsweise als Kustos für Anthropologie und später unentgeltlich als Freiwilliger Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter. Im Juli 1939 wurde er als Schüler von Struck in Jena mit einer Arbeit über „Frühgeschichtliche Schädel vom Mittelrhein. Ein Beitrag zur Rassenkunde der heutigen Rheinlande“ promoviert. – Nachdem B. bei Beginn des Zweiten Weltkriegs für mindestens drei Monate zum Militär eingezogen worden war, wurde er ab September 1940 als außerordentlicher Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an den Staatlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft in Dresden eingestellt, um den Umzug des Museums für Völkerkunde in das Johanneum zu leiten. Doch im Mai 1942 wurde B. erneut zur Wehrmacht einberufen. Zunächst in Gotenhafen und Hamburg beim Wetterdienst eingesetzt, wurde er 1943 nach Frankreich, dann nach Greifswald und später zur Küstenartillerie nach Albanien abkommandiert. Anfang 1945 wurde er im Lazarett in Dresden-Loschwitz behandelt. Nach der Bombardierung der Stadt beteiligte er sich an den Bergungsarbeiten des zerstörten Museums. Im November 1945 erhielt B. eine Anstellung als Mitarbeiter am Museum für Völkerkunde, um die Rückführung der Objekte aus den Auslagerungsorten zu unterstützten. Doch zum 31.7.1946 wurde er aufgrund seiner kurzzeitigen SA-Mitgliedschaft 1933/1934 entlassen. In der Folgezeit übernahm B. gelegentlich private Aufträge, wie 1947 die Sicherstellung der im Krieg aus Hamburg in Sachsen ausgelagerten Kunstschätze. Er hielt volkskundliche Vorträge und gab Lateinunterricht. 1952/1953 war er als Dokumentarist bei der Zentralstelle für wissenschaftliche Literatur tätig. 1954 wirkte er am Institut für Völkerkunde in Berlin an der „Internationalen Volkskundlichen Bibliographie“ mit. Nachdem Siegfried Wolf als Direktor des Museums für Völkerkunde in Dresden eingestellt worden war, engagierte dieser B. ab 1958 auf Honorarbasis für die Zeitschriftenauswertung im Museum.

Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Nr. 18991, Bd. 1, 13842 Staatliches Museum für Tierkunde Dresden, Nr. 115; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Museum für Völkerkunde, Archiv, Nachlass Herbert B., MVD n20, 25/2; Stadtarchiv Dresden, 6.4.25 Standesamt/Urkundenstelle, 1.4.2-165 Standesamt I/II, Sterberegister (neu) 1959-1965, Nr. 7245, 2.2.2-114 Standesamt II, Geburtenregister 1904, Nr. 872, 2.4.2-103 Standesamt II, Sterberegister 1910, Nr. 1967, 19.4.2-27 Standesamt 3, Sterberegister 1948, Nr. 2429 (ancestry.de) .

Werke Jahresweiser für die Volksfeste in Sachsen, in: Walter Frenzel/Fritz Karg/Adolf Spamer (Hg.), Grundriß der Sächsischen Volkskunde, Bd. 2, Leipzig 1933, S. 65-103; Volkskundliches Schrifttum, in: Adolf Spamer (Hg.), Die Deutsche Volkskunde, Bd. 2: Bilderatlas der Deutschen Volkskunde, Leipzig 1935, S. 1-78; Die Tatauierung, in: Wilhelm Pessler (Hg.), Handbuch der deutschen Volkskunde, Bd. 3, Potsdam 1936, S. 57-65; Frühgeschichtliche Schädel vom Mittelrhein. Ein Beitrag zur Rassenkunde der heutigen Rheinlande, Diss. Jena 1939; Die Destillation bei den Naturvölkern, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mathematisch-naturwissenschaftliche Reihe 3/1953/1954, S. 179-185.

Literatur Petra Martin, Volks- und Völkerkunde in Bildern. Das Bildarchiv von Robert Herbert B., in: Andreas Martin (Hg.), Digitale Bilderwelten. Zur elektronischen Erschließung von Bildsammlungen, Dresden 2003, S. 131-149 (WV, P); Karin Müller-Kelwing, Zwischen Kunst, Wissenschaft und Politik. Die Staatlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft in Dresden und ihre Mitarbeiter im Nationalsozialismus, Köln/Weimar/Wien 2020 (P). – DBA II.

Porträt Herbert B., um 1936, Fotografie, Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Nr. 18991, Bd. 1 (Bildquelle).

Karin Müller-Kelwing
24.11.2021


Empfohlene Zitierweise:
Karin Müller-Kelwing, Herbert Bellmann, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.1.2022)

Herbert Bellmann



Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Nr. 18991, Bd. 1, 13842 Staatliches Museum für Tierkunde Dresden, Nr. 115; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Museum für Völkerkunde, Archiv, Nachlass Herbert B., MVD n20, 25/2; Stadtarchiv Dresden, 6.4.25 Standesamt/Urkundenstelle, 1.4.2-165 Standesamt I/II, Sterberegister (neu) 1959-1965, Nr. 7245, 2.2.2-114 Standesamt II, Geburtenregister 1904, Nr. 872, 2.4.2-103 Standesamt II, Sterberegister 1910, Nr. 1967, 19.4.2-27 Standesamt 3, Sterberegister 1948, Nr. 2429 (ancestry.de) .

Werke Jahresweiser für die Volksfeste in Sachsen, in: Walter Frenzel/Fritz Karg/Adolf Spamer (Hg.), Grundriß der Sächsischen Volkskunde, Bd. 2, Leipzig 1933, S. 65-103; Volkskundliches Schrifttum, in: Adolf Spamer (Hg.), Die Deutsche Volkskunde, Bd. 2: Bilderatlas der Deutschen Volkskunde, Leipzig 1935, S. 1-78; Die Tatauierung, in: Wilhelm Pessler (Hg.), Handbuch der deutschen Volkskunde, Bd. 3, Potsdam 1936, S. 57-65; Frühgeschichtliche Schädel vom Mittelrhein. Ein Beitrag zur Rassenkunde der heutigen Rheinlande, Diss. Jena 1939; Die Destillation bei den Naturvölkern, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mathematisch-naturwissenschaftliche Reihe 3/1953/1954, S. 179-185.

Literatur Petra Martin, Volks- und Völkerkunde in Bildern. Das Bildarchiv von Robert Herbert B., in: Andreas Martin (Hg.), Digitale Bilderwelten. Zur elektronischen Erschließung von Bildsammlungen, Dresden 2003, S. 131-149 (WV, P); Karin Müller-Kelwing, Zwischen Kunst, Wissenschaft und Politik. Die Staatlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft in Dresden und ihre Mitarbeiter im Nationalsozialismus, Köln/Weimar/Wien 2020 (P). – DBA II.

Porträt Herbert B., um 1936, Fotografie, Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Nr. 18991, Bd. 1 (Bildquelle).

Karin Müller-Kelwing
24.11.2021


Empfohlene Zitierweise:
Karin Müller-Kelwing, Herbert Bellmann, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.1.2022)