Richard Herold

Richard Herold war 1938 bis 1945 Leiter der Bildstelle des nationalsozialistischen Gaukulturvereins Heimatwerk Sachsen. Als Fotograf fertigte er Aufnahmen aus Sachsen an, stellte sie für die Produktion der visuellen Medien des Heimatwerks zur Verfügung und war damit maßgeblich an dessen Heimatpropaganda im Sinne des Nationalsozialismus beteiligt. – Herold wurde 1898 als Sohn des Musterzeichners Franz Richard Herold und dessen Ehefrau Frieda Luise Minna Herold, geb. Willert, in der Jägerstraße 36 in Plauen geboren. Nach dem Besuch der Höheren Bürgerschule, des Gymnasiums und der Höheren Handelsschule in Plauen ging er bei seinem Onkel Bruno Herold, dem Inhaber einer Buch- und Kunsthandlung, in die Lehre. Danach trat er am 1.12.1916 seine erste Gehilfenstelle in der Hamburger Buchhandlung Otto Kaven an. Im Juli 1917 wurde Herold zum Kriegsdienst einberufen, den er bis Dezember 1918 leistete. Kurz danach trat er im Februar 1919 in das Berliner Freikorps „Löschebrand“ ein, das wenig später in das Freikorps „von Klewitz“ der Garde-Kavallerie-Schützen-Division überging. Im Juli 1919 kehrte er nach Plauen zurück und arbeitete ab August in der Buchhandlung für Kunstgewerbe von Christian Stoll. Nach dreijähriger Tätigkeit absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung bei der Industriewerke AG und kehrte anschließend in die Buchhandlung Stoll zurück, um dort die Buchhaltung zu übernehmen. Infolge der Weltwirtschaftskrise verlor Herold am 31.10.1931 seine Anstellung und arbeitete danach als freischaffender Landschaftsfotograf. Im Januar 1934 wurde er Geschäftsführer der Deutschen Bühne, der späteren NS-Kulturgemeinde des Kreises Plauen. Anschließend versuchte Herold seine fotografische Karriere weiter zu verfolgen, indem er sich im Oktober 1936 beim Sächsischen Ministerium für Volksbildung um eine Anstellung in der Landesbildstelle Sachsen (LBS) bewarb. In politisch-ideologischer Hinsicht sprach für ihn seine frühe nationalsozialistische und völkische Gesinnung: Bereits 1922 gehörte er dem bayerischen paramilitärischen Verband „Bund Oberland“ an. Am 1.5.1929 trat Herold in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 127.343) und wurde im Bewerbungsprozess in einem Empfehlungsschreiben des NSDAP-Funktionärs, Gaupersonalamtsleiters und späteren Mitglieds des Reichstags Heinrich Bär als „weltanschaulich vollkommen einwandfrei“ charakterisiert. Auch der Leiter des Ministeriums für Volksbildung im Gau Sachsen, Arthur Göpfert, sprach eine Empfehlung aus und wollte Herold für die vakante Stelle des Leiters der LBS gewinnen. Deren kommissarischer Leiter, Willy Passig, hingegen sprach sich aufgrund der fehlenden fachlichen Qualifikation gegen eine Ernennung zum Direktor aus. Durch politische Intervention der Gauregierung erhielt Herold dennoch eine Stelle im Sammlungsarchiv der Landesbildstelle, die er im April 1937 antrat. Sein rascher beruflicher Aufstieg wurde nicht zuletzt durch die politisch motivierte Entlassung der Sammlungsverwalterin und Ehefrau Fritz Löfflers, Jaroslava Oberhel, begünstigt, deren Position er im Sommer übernahm. Gleichzeitig trat Herold am 31.7.1937 in die SS (Mitgliedsnummer 290.037) ein und erhielt den Rang eines Unterscharführers im SD-Unterabschnitt Dresden-Bautzen. Im Herbst wurde auf Initiative von Arthur Göpfert, Curt Robert Lahr und Arthur Graefe die Zentralbildstelle des Heimatwerks Sachsen gegründet und institutionell an die LBS angegliedert. Mit der Einrichtung und temporären Leitung der Bildstelle wurde zunächst der Bibliothekar Walter Schellhas, der Direktor der Bibliothek des Staatlichen Kunstgewerbemuseums Dresden, beauftragt. Nach dessen Berufung nach Freiberg im Februar 1938 übernahm Herold ab März die Leitung der Bildstelle des Heimatwerks Sachsen. Im April genehmigte das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS die Heirat von Herold mit der Plauenerin Gerda Helene Ruth Schmidt, mit der er seit Februar 1936 verlobt war. Ihr gemeinsamer Sohn wurde 1939 geboren. – Als Leiter der Bildstelle des Heimatwerks Sachsen oblag Herold die Verwaltung der eigenständigen Bildsammlung, deren Ziel es war, ein idealtypisches und romantisierendes Abbild der „sächsischen Heimat“ im Sinne der nationalsozialistischen Heimatpropaganda des Gauleiters Martin Mutschmann zu generieren. Die Einberufung des Hausfotografen Walter Möbius zum Wehrdienst im August 1939 hatte zur Konsequenz, dass der Bildstellenleiter ebenso als einziger aktiver Fotograf der LBS fungierte. – Die Motivik in Herolds fotografischem Werk ist geprägt durch Landschaftsaufnahmen, Fotografien von Architektur, kulturellen Denkmälern und Exponaten sowie Orts- und Stadtansichten mit Sehenswürdigkeiten aus Sachsen. Diese reihen sich thematisch in den bereits vorhandenen Sammlungsbestand der LBS ein. Ein Großauftrag war beispielsweise das Anfertigen von Fotografien von repräsentativen Herrschaftssitzen für den 1940 von Helmuth Gröger publizierten und vom Heimatwerk Sachsen herausgegebenen Bildband „Burgen und Schlösser in Sachsen“. Allein die Hälfte der darin abgedruckten Bilder fertigte der Bildstellenleiter an. Herolds Fotografien finden sich zudem in den vom Heimatwerk Sachsen publizierten visuellen Medien wieder, die als farbige Offsetdrucke, Ansichts- und Feldpostkarten sowie als Heimatkalender zu Propagandamedien funktionalisiert wurden. Herold stand nicht nur qua Amt im Dienst der sächsischen Heimatpropaganda, sondern förderte diese auch aktiv durch seine künstlerische Tätigkeit. Sein fotografischer Stil unterschied sich jedoch nicht wesentlich von den etablierten Arbeiten Möbiusʼ, die sich bereits in der Sammlung der LBS befanden. – Das politische Wirken von Herold zielte neben seiner Propagandatätigkeit auch auf die Umsetzung der nationalsozialistischen Ideologie sowie deren permanente Kontrolle und Zensur ab. Der Bildstellenleiter vernichtete außerdem Negative aus dem Bestand der LBS, die nicht in das idealisierte Bild des Heimatwerks passten. Im Juni 1938 denunzierte er - in einem gemeinsamen Gespräch mit Oberregierungsrat Georg Schmidt, Leiter Passig und einem Mitarbeiter des Sächsischen Ministeriums für Volksbildung namens Büchner - den Studienassessor und späteren Maler Armin Schulze und den Packer Paul Kubot. Herold wirkte somit aktiv als Überwacher und politischer Vermittler zwischen dem Sächsischen Ministerium für Volksbildung und der LBS im Sinne der Gauleitung. Da der Bildstellenleiter im Interesse des Gauleiters tätig war, genoss er politische Rückendeckung sowie persönliche und berufliche Vorteile, u.a. in Form einer UK-Stellung (Zurückstellung vom Wehrdienst). Im Zuge der Auslagerungen des Bestands der Heimatwerk-Bildstelle in das Dresdner Umland und der Luftangriffe floh Herold vermutlich Anfang 1945 aus Dresden und kehrte nicht mehr zurück. Der fotografische Nachlass mit über 900 Negativen in unterschiedlichen Formaten befindet sich durch die gemeinsame Auslagerung der Sammlung bis heute in der Deutschen Fotothek in Dresden. Darin sind ebenso private Aufnahmen von seinen Urlaubsreisen enthalten. Im überlieferten materiellen Nachlass des Heimatwerks Sachsen, worunter sich ebenso die Sammlung der Bildstelle befindet, sind über 600 Fotografien von Herold nachweisbar. – Herold wohnte zuletzt mit seiner Ehefrau im oberpfälzischen Greißelbach bei Mühlhausen und starb am 10.11.1972 in Berching.

Quellen Bundesarchiv Berlin, Personenbezogene Unterlagen der SS und SA, R 9361-III/74130, NSDAP-Zentralkartei, R 9361-VIII KARTEI, 10550887, NSDAP-Gaukartei, R 9361-IX KARTEI, 15231383, 15231384; Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek, Archiv, Verlustnachweis Richard H.; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11045 Amtsgericht Dresden, Nr. 1411, Heimatwerk Sachsen, VR 1815 Verein zur Förderung des sächsischen Volkstums e.V., Dresden, 11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Nr. 14557/4, Nr. 17976, 11401 Landesregierung Sachsen, Ministerium für Volksbildung, Nr. 53; Stadtarchiv Plauen, Geburtsurkunde Richard Herold, Heiratsurkunde Richard Herold; Standesamt Berching, Sterberegister Richard Herold; Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, AIfV, K6, M2; Adreßbuch der Kreisstadt Plauen i.V. 1914/1915; Adreßbuch für Dresden und Vororte, 1937, 1939; Adreßbuch der Gau- und Landeshauptstadt Dresden, Freital-Radebeul, mit umliegenden 6 Städten und 24 Gemeinden […] 1943/1944.

Werke Dresden, Blick vom Neustädter Elbufer auf die Altstadt mit Ständehaus, Residenzschloss und Hofkirche, 1937/1945, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek,; Postkarte „Ein Gruß vom Heimatwerk Sachsen“, um 1941, Fotografie, Digitales Bildarchiv des ISGV; Bildgabe „Im Vogtland - Aschberghaus“, 1938/1944, Offsetdruck, Digitales Bildarchiv des ISGV.

Literatur Helmuth Gröger, Burgen und Schlösser in Sachsen, Dresden 1939; Heinz Graefe (Bearb.), Schönes Sachsenland. Ein Bildbericht mit 68 Aufnahmen, hrsg. vom Heimatwerk Sachsen, Dresden 1943; Thomas Schaarschmidt, Regionalkultur und Diktatur. Sächsische Heimatbewegung und Heimat-Propaganda im Dritten Reich und in der SBZ/DDR, Köln/Weimar/Wien 2004; Christoph Sauer, Fotografie, Heimat und Propaganda. Die Bildstelle des Heimatwerks Sachsen (1936-1945), in: NASG 96/2025, S. 183-222.

Porträt Richard Herold (1898-1972) mit Lichtbildern am Leuchttisch, Sächsische Landesbildstelle, Walter Möbius, um 1937, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek, Aufnahme-Nr. df_hauptkatalog_0408340, Foto: Walter Möbius (Bildquelle) [CC BY-SA 4.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License]; Porträt von Richard Herold, um 1937, Fotografie, Bundesarchiv Berlin, Inventar-Nr. R 9361-III/74130, Bl. 41.

Christoph Sauer
15.12.2025


Empfohlene Zitierweise:
Christoph Sauer, Artikel: Richard Herold,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/29386 [Zugriff 7.2.2026].

Richard Herold



Quellen Bundesarchiv Berlin, Personenbezogene Unterlagen der SS und SA, R 9361-III/74130, NSDAP-Zentralkartei, R 9361-VIII KARTEI, 10550887, NSDAP-Gaukartei, R 9361-IX KARTEI, 15231383, 15231384; Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek, Archiv, Verlustnachweis Richard H.; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11045 Amtsgericht Dresden, Nr. 1411, Heimatwerk Sachsen, VR 1815 Verein zur Förderung des sächsischen Volkstums e.V., Dresden, 11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Nr. 14557/4, Nr. 17976, 11401 Landesregierung Sachsen, Ministerium für Volksbildung, Nr. 53; Stadtarchiv Plauen, Geburtsurkunde Richard Herold, Heiratsurkunde Richard Herold; Standesamt Berching, Sterberegister Richard Herold; Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, AIfV, K6, M2; Adreßbuch der Kreisstadt Plauen i.V. 1914/1915; Adreßbuch für Dresden und Vororte, 1937, 1939; Adreßbuch der Gau- und Landeshauptstadt Dresden, Freital-Radebeul, mit umliegenden 6 Städten und 24 Gemeinden […] 1943/1944.

Werke Dresden, Blick vom Neustädter Elbufer auf die Altstadt mit Ständehaus, Residenzschloss und Hofkirche, 1937/1945, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek,; Postkarte „Ein Gruß vom Heimatwerk Sachsen“, um 1941, Fotografie, Digitales Bildarchiv des ISGV; Bildgabe „Im Vogtland - Aschberghaus“, 1938/1944, Offsetdruck, Digitales Bildarchiv des ISGV.

Literatur Helmuth Gröger, Burgen und Schlösser in Sachsen, Dresden 1939; Heinz Graefe (Bearb.), Schönes Sachsenland. Ein Bildbericht mit 68 Aufnahmen, hrsg. vom Heimatwerk Sachsen, Dresden 1943; Thomas Schaarschmidt, Regionalkultur und Diktatur. Sächsische Heimatbewegung und Heimat-Propaganda im Dritten Reich und in der SBZ/DDR, Köln/Weimar/Wien 2004; Christoph Sauer, Fotografie, Heimat und Propaganda. Die Bildstelle des Heimatwerks Sachsen (1936-1945), in: NASG 96/2025, S. 183-222.

Porträt Richard Herold (1898-1972) mit Lichtbildern am Leuchttisch, Sächsische Landesbildstelle, Walter Möbius, um 1937, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek, Aufnahme-Nr. df_hauptkatalog_0408340, Foto: Walter Möbius (Bildquelle) [CC BY-SA 4.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License]; Porträt von Richard Herold, um 1937, Fotografie, Bundesarchiv Berlin, Inventar-Nr. R 9361-III/74130, Bl. 41.

Christoph Sauer
15.12.2025


Empfohlene Zitierweise:
Christoph Sauer, Artikel: Richard Herold,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/29386 [Zugriff 7.2.2026].