Louis Bendix

Im Lebenslauf von Louix Bendix verbanden sich eine bemerkenswerte wirtschaftliche Aktivität mit seiner Rolle als Mitbegründer der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. – Als Sohn eines Kaufmanns für Seidenwaren, der sich durch einen Umzug wohl bessere Geschäftsaussichten erhoffte, lebte Bendix seit etwa 1830 in Leipzig. Hier wurde er zunächst in den städtischen Akten noch als Student geführt, doch als er den Leipziger Stadtrat am 14.9.1842 um Erteilung des Bürgerrechts bat, kündigte er in diesem Zug auch die Errichtung einer Seifenfabrik an. Damit schlug er einen anderen Weg als seine älteren Brüder Adolph und Kaufmann ein, die schon frühzeitig das väterliche Seidenwarengeschäft im Leipziger Zentrum übernommen hatten und fortführten. Seinen Plan einer Seifenfabrik konnte Bendix, der nach einem zunächst erfolglosen Versuch wohl im Januar 1843 das Bürgerrecht erhielt, in die Tat umsetzen. Der Betrieb taucht ab Mitte der 1840er-Jahre zuerst mit Sitz in Reichels Garten (Innere Westvorstadt) auf, ein zugehöriges Verkaufslokal wurde in der Universitätsstraße eingerichtet. Dieses rief jedoch den Widerstand der städtischen Seifensiederinnung hervor, die ihm im Mai 1844 vorwarf, seine Produkte illegal in kleiner Stückelung zu verkaufen. Gegen diese Konkurrenz forderte die Innung den Stadtrat auf, Bendix zu vernehmen und zu bestrafen sowie ihm den Detailverkauf bei weiterer Strafe zu untersagen. Als Nachweis der „Untat“ wurde sogar ein Stück Seife zu einem halben Pfund vorgelegt, das eine Waschfrau am Vorabend in der Verkaufsstelle erstanden haben sollte. Am Ende einer längeren Auseinandersetzung, die sich bis Frühjahr 1846 hinzog, belegte die Königliche Kreisdirektion Bendix mit fünf Talern Strafe und einer Untersagung des Einzelverkaufs. – Um 1848/1849 heiratete Bendix eine protestantische Christin aus Leipzig, was sich im Kontext der zeitgenössischen Vorstellungen als Problem erwies. Die sächsische Administration verzichtete jedoch 1850 nach längerer Debatte darauf, tatsächlich gegen die „Mischehe“ vorzugehen. – In der Genese der Organisation der jüdischen Gemeinde Leipzigs nahm Bendix neben seinem Vater Levy und seinem Bruder Adolph eine Vorreiterrolle ein, denn bereits in den 1840er-Jahren gehörte er einem „provisorischen Komitee“ an, das nach jahrelanger Vorlaufzeit am 16.5.1847 ein Zirkular an die Leipziger Gemeindemitglieder richtete. Nach den Bestimmungen vorläufiger Statuten sollte endlich eine Wahlversammlung stattfinden, um der jüdischen Kongregation einen handlungsfähigen Vorstand zu geben. Bei dem Treffen am 1.6.1847 in der damaligen Leipziger Katharinenstraße 11 wurde Bendix zum Zweiten Repräsentanten bestimmt. Er schlug die Wahl jedoch mit Hinweis auf Paragraf 12 der Statuten aus, da seine Geschäftstätigkeit und seine Position als Hauptmann der Kommunalgarde einer vollen Ausübung des Amtes entgegenstünden. Dadurch dauerte es noch gut drei Wochen bis zur endgültigen Konstituierung des Vorstands der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Die Mitgliedschaft in der Kommunalgarde versuchte Bendix per Schreiben vom 18.8.1851 unter Verweis auf seine angegriffene Gesundheit zu beenden. Ein beigefügtes Attest des Arzts Dr. Julius Schmidt attestierte ihm eine chronische Blasenentzündung, die mit einer aufwendigen Heil- und Trinkkur zu bekämpfen sei. Die Ausübung des Diensts in der Kommunalgarde habe für den Patienten nachteilige Folgen, wie es im Arztbrief heißt. Darauf, dass Bendix‘ Ansinnen erfolgreich gewesen sein könnte, deutet der Umstand hin, dass er dem Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde zwischen 1853 und 1859 über zwei Amtszeiten als Beisitzer angehörte. Zudem wurde er 1857 einmalig und als einer der ersten Menschen jüdischer Konfession zum Ersatzmann des Leipziger Stadtverordnetenkollegiums gewählt. Trotz dieser Erfolge blieb Bendix auch in seiner späten Lebenszeit nicht von neuen Auseinandersetzungen mit den Behörden der Stadt verschont: Seit Frühjahr 1870 musste er sich wegen einer „Straßenpolizeiwidrigkeit“ verantworten. Auslöser war der Vorwurf, er habe vor dem Areal Peterssteinweg 50 südlich des Leipziger Stadtzentrums unbefugt 2.000 Mauersteine in 20 Haufen zu je 100 Stück so aufstellen lassen, dass der Platz von drei Seiten her unzugänglich geworden sei, obwohl dieser im Eigentum der Stadtgemeinde stehe. Bendix argumentierte, letztlich erfolglos, das Gelände gehöre seiner Ehefrau, die als Besitznachfolgerin der ehemaligen Schützengesellschaft Eigentümerin des Hauses am sogenannten Petersschießgraben sei. Der langwierige Zwist um das Grundstück, der bereits seit längerer Zeit im Gange war, endete für Bendix in zweiter Instanz mit einer Geldstrafe von fünf Talern sowie der Pflicht zur Kostenerstattung. – In ökonomischer Hinsicht war Bendix offenbar Erfolg beschieden. So erscheint er im Leipziger Adressbuch noch 1875 als Prokurist eines Warenkommissionsgeschäfts, an dem er auch Anteile besessen haben muss. Als Bendix kurz vor seinem 65. Geburtstag in seiner letzten Wohnung Emilienstraße 34 verstarb, wurde er in der Sterbeurkunde als „Privatmann und Hausbesitzer“ bezeichnet. Seine Witwe, die ihren Ehemann um mehr als 17 Jahre überleben sollte, blieb weiterhin Teilhaberin des Warenkommissionsgeschäfts, für das ihr Mann tätig gewesen war.

Quellen Central Archives for the History of the Jewish People (CAHJP) Jerusalem, D/Le1/9-11; Stadtarchiv Leipzig, Wahl- und Listenamt, Fallakten/Aufnahme- und Bürgerakten Nr. 5154, Nr. 5927, 0008 Ratsstube, II. Sektion, B/3121, S/4152, Titelakten LI, Nr. 91, Nr. 235, 0359 Kommunalgarde Leipzig, Nr. 322, 0588 Standesamt, Personenstandsregister, Sterberegister 1876, Nr. 1085; Historische Adressbücher Sachsen, Adressbücher Leipzig 1845-1875.

Literatur Josef Reinhold, Zwischen Aufbruch und Beharrung. Juden und jüdische Gemeinde in Leipzig während des 19. Jahrhunderts, Dresden 1999; Michael Schäbitz: Juden in Sachsen – jüdische Sachsen? Emanzipation, Akkulturation und Integration 1700-1914, Hannover 2006; Josef Reinhold, Die verspätete Emanzipation der Juden in Sachsen als legislativer Rahmen. Die Konstituierung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und die ersten Jahrzehnte ihrer Entwicklung, in: JJIS. Journal Juden in Sachsen 3/2010, H. 21, S. 3-19; Katrin Löffler, Leipzigs alter jüdischer Friedhof im Johannistal, Leipzig 2022.

Lucas Böhme
13.3.2025


Empfohlene Zitierweise:
Lucas Böhme, Artikel: Louis Bendix,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/27859 [Zugriff 4.4.2025].

Louis Bendix



Quellen Central Archives for the History of the Jewish People (CAHJP) Jerusalem, D/Le1/9-11; Stadtarchiv Leipzig, Wahl- und Listenamt, Fallakten/Aufnahme- und Bürgerakten Nr. 5154, Nr. 5927, 0008 Ratsstube, II. Sektion, B/3121, S/4152, Titelakten LI, Nr. 91, Nr. 235, 0359 Kommunalgarde Leipzig, Nr. 322, 0588 Standesamt, Personenstandsregister, Sterberegister 1876, Nr. 1085; Historische Adressbücher Sachsen, Adressbücher Leipzig 1845-1875.

Literatur Josef Reinhold, Zwischen Aufbruch und Beharrung. Juden und jüdische Gemeinde in Leipzig während des 19. Jahrhunderts, Dresden 1999; Michael Schäbitz: Juden in Sachsen – jüdische Sachsen? Emanzipation, Akkulturation und Integration 1700-1914, Hannover 2006; Josef Reinhold, Die verspätete Emanzipation der Juden in Sachsen als legislativer Rahmen. Die Konstituierung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und die ersten Jahrzehnte ihrer Entwicklung, in: JJIS. Journal Juden in Sachsen 3/2010, H. 21, S. 3-19; Katrin Löffler, Leipzigs alter jüdischer Friedhof im Johannistal, Leipzig 2022.

Lucas Böhme
13.3.2025


Empfohlene Zitierweise:
Lucas Böhme, Artikel: Louis Bendix,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/27859 [Zugriff 4.4.2025].