Ernst von Schönburg

Als Erbe aus dem Haus Schönburg und Rittergutsbesitzer mit Gütern in Sachsen und Bayern gehörte E. um 1900 zu den reichsten sächsischen Persönlichkeiten. Er selbst lebte jedoch eher zurückgezogen und widmete sich u.a. der Malerei und dem Ausbau seines Schlosses Gauernitz. – E. wurde als vierter Sohn und jüngstes Kind des Fürsten Otto Victor I. von Schönburg und seiner Frau Thekla auf dem väterlichen Schloss Waldenburg geboren, wo er auch den wesentlichen Teil seiner Kindheit verbrachte. Ein erster Elementarunterricht erfolgte zusammen mit anderen Kindern der Stadt Waldenburg, für die sein Vater eine Sammelschule errichtet hatte. Als am 5.4.1848 im Zuge der Revolution von 1848/1849 das dortige Schloss von Aufständischen niedergebrannt wurde, hinterließ dies einen erschütternden Eindruck bei dem zwölfjährigen Prinzen. Die Familie residierte anschließend abwechselnd in Lichtenstein/Sachsen und Gauernitz. Zunächst erfolgte die Weiterführung des Elementarunterrichts durch einen Hauslehrer. Da sein Vater jedoch viel Wert auf das Zusammenlernen mit Gleichaltrigen legte, kam E. ab August 1848 nach Meißen in das Haus des Pfarrers der Landesschule St. Afra Carl Gottlob Klotzsch, um von dort aus das Progymnasium unter der Leitung des Dompfarrers Rudolf Eduard Franz zu besuchen. E. wurde 1851 in die Fürstenschule St. Afra in Meißen aufgenommen, die er als Extraner durchlief und 1857 mit dem Abitur abschloss. E. verbrachte nach eigenen Angaben glückliche Jugendjahre im Hause Klotzsch, zu dem er bis ins hohe Alter den Kontakt aufrechterhalten konnte. Zudem knüpfte er viele lebenslange Freundschaften mit seinen Mitschülern und stellte u.a. Kontakt zur Verlegerfamilie Göschen her, der ihm später z.B. auf seiner Reise nach England viele Türen öffnen und sogar ein Treffen mit dem einflussreichen schottischen Historiker Thomas Carlyle ermöglichen sollte. Nach dem Schulabschluss begann E. ein Studium an den Universitäten in Göttingen und Halle/Saale. Sein Interesse galt jedoch viel mehr der Kunst als der Wissenschaft. So besaß er eine besondere Begabung für die Malerei und hatte sich schon mit zwölf Jahren an der Ölmalerei versucht. – Nach dem Tod seines Vaters erbte E. 1859 Schloss und Rittergut Gauernitz an der Elbe sowie die zum Königreich Bayern gehörige Herrschaft Schwarzenbach/Saale bei Hof. Er erwählte Gauernitz zu seinem ständigen Wohnsitz und ließ das Schloss 1862 bis 1870 durch die Dresdner Architekten Bernhard Schreiber und Ernst Giese im Stil der deutschen Neorenaissance umbauen. Die Parkanlagen ließ E. durch die königlichen Hofgärtner Otto Ferdinand Terscheck und Hermann Sigismund Neumann, der auch die Parkanlage von Schloss Albrechtsberg in Dresden errichtet hatte, im Stil eines englischen Landschaftsgartens umgestalten, der weithin Beachtung fand. In der Herrschaft Schwarzenbach erbaute er das Jagdschloss Fahrenbühl, das 1887 fertiggestellt wurde und das E. als Rückzugsort im Sommer und zur Vertiefung seines künstlerischen Schaffens nutzte. – 1863 heiratete E. Helene Gräfin zu Stolberg-Wernigerode. Er hielt sich jedoch für eine führende Stellung im öffentlichen Leben, wie sein Vater sie innegehabt hatte, nicht berufen, und auch seine Frau mied die Öffentlichkeit. Stattdessen widmeten sich die Eheleute der Familie sowie der Kirche. E. galt als fürsorglicher Patron der Kirchgemeinden Constappel und Gauernitz, Schwarzenbach/Saale und Weißdorf. Er investierte viel Zeit und Kraft in die Malerei und unterhielt Kontakte zu Künstlern. Besonderes Interesse zeigte er an der Kunst des Portraitierens, der Landschaftsmalerei sowie an Bildern zur Ausschmückung von Kirchen seines Patronats. So stammt z.B. das Altarbild der St.-Martins-Kirche in Weinböhla von ihm. 1885 stiftete E. der Sektion Fichtelgebirge des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins ein Grundstück und Material für den Bau eines hölzernen Aussichtsturms auf dem im Fichtelgebirge gelegenen Großen Kornberg, weshalb der Turm den Namen Schönburgwarte erhielt. Obgleich der Holzturm bereits zwei Jahre später zusammenbrach, blieb der Name auch für die nachfolgenden Turmbauten erhalten. Zudem war E. Mitglied im Sächsischen Altertumsverein. Aufgrund seines Vermögens von 5,7 Millionen Mark wurde er von Rudolf Martin in das 1912 publizierte „Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre im Königreich Sachsen“ aufgenommen. – Der Ehe entstammten fünf Kinder, von denen zwei jedoch schon sehr jung verstarben. Sein Sohn Friedrich konvertierte 1895 und trat in die römisch-katholische Kirche ein. Darüber hinaus heiratete er Alicia Prinzessin von Bourbon und Infantin von Spanien, ließ sich 1903 aber wieder von ihr scheiden, was als Schande für das gesamte Schönburgische Adelshaus angesehen wurde. – Im fortgeschrittenen Alter unternahm E. Reisen an die Riviera, in die südliche Schweiz und nach München. Nach dem Tod seiner Ehefrau 1908 sowie dem Tod seines Sohns Friedrich zwei Jahre später, pflegte er ein enges Verhältnis zu seiner ältesten Schwester Prinzessin Mathilde von Schwarzburg-Rudolstadt, das durch viele gegenseitige Besuche geprägt war. Seine älteste Tochter Mathilde stand nach dem Tod ihrer Mutter dem Haushalt ihres Vaters vor und kümmerte sich um ihn. E. starb an seinem 79. Geburtstag nach längerer Krankheit auf Schloss Gauernitz. Erbe seines Vermögens und Besitztümer wurde sein Enkel Karl Leopold von Schönburg.

Quellen Stadtarchiv Dresden, 6.4.25-1.2.2-11 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt I, Personenstandsbuch, Geburtenregister 1881, Nr. 542 (ancestry.com); Schönburger Hauskalender auf das Jahr 1883, Waldenburg; In piam memoriam: Carl E. Prinz v. Schönburg-Waldenburg, † den 8. Juni 1915. Lebensskizze und Gedenkworte, Dresden 1915.

Werke Das heilige Abendmahl, Altarbild, St.-Martins-Kirche Weinböhla, 1893/1895.

Literatur Rudolf Martin, Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre im Königreich Sachsen, Berlin 1912; Nora Kindermann, „Der Besuch des herrlichen Parkes ist von dem erlauchten Besitzer freundlichst gestattet…“. Die Gärten des Gauernitzer Ritterguts vom 19. bis ins 21. Jahrhundert, in: Denkmalpflege in Sachsen 2014, S. 90-99. – DBA II.

Paula Stiller
30.3.2022


Empfohlene Zitierweise:
Paula Stiller, Ernst von Schönburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.6.2022)

Ernst von Schönburg



Quellen Stadtarchiv Dresden, 6.4.25-1.2.2-11 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt I, Personenstandsbuch, Geburtenregister 1881, Nr. 542 (ancestry.com); Schönburger Hauskalender auf das Jahr 1883, Waldenburg; In piam memoriam: Carl E. Prinz v. Schönburg-Waldenburg, † den 8. Juni 1915. Lebensskizze und Gedenkworte, Dresden 1915.

Werke Das heilige Abendmahl, Altarbild, St.-Martins-Kirche Weinböhla, 1893/1895.

Literatur Rudolf Martin, Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre im Königreich Sachsen, Berlin 1912; Nora Kindermann, „Der Besuch des herrlichen Parkes ist von dem erlauchten Besitzer freundlichst gestattet…“. Die Gärten des Gauernitzer Ritterguts vom 19. bis ins 21. Jahrhundert, in: Denkmalpflege in Sachsen 2014, S. 90-99. – DBA II.

Paula Stiller
30.3.2022


Empfohlene Zitierweise:
Paula Stiller, Ernst von Schönburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.6.2022)