Longolius (Longueil, Longol) Paul Daniel
Philologe, Historiker, Lexikograf
* 1.11.1704 Kesselsdorf bei Dresden 24.2.1779 Hof(ev.)
VJohann Daniel (1671-1734), PfarrerMJohanna Magdalena, geb. Kölbel 1.1735 Erdmutha Dorothea, geb. Baumgarten († 1736)SFriedrich Carl Daniel (1736-1746) 2.1737 Elisabeth Susanna, geb. HeroldT(* † 1739); (* 1741)
GND: 119002566

L. gehört zu den Mitbegründern der fränkischen Landesgeschichtsschreibung. Bekannt geworden ist er daneben als einer von insgesamt drei Redakteuren des „Zedlerschen Universal-Lexikons“. – L. stammte aus einer protestantischen Pfarrersfamilie. Nachdem er zunächst Privatunterricht erhalten hatte, wurde er mit 15 Jahren an der Dresdner Kreuzschule aufgenommen, deren Rektor, Jonas Gelenius, bereits seinen Vater unterrichtet hatte. Ostern 1724 ließ sich L. an der Universität Leipzig immatrikulieren und besuchte Vorlesungen der „Weltweisheit“ (praktische Philosophie), Historie, Mathematik, Rechtsgelehrsamkeit und Gottesgelehrtheit. Der finanziell schlecht gestellte, aber talentierte L. fand in Gottlieb Korte und Johann Burkhard Mencke einflussreiche Förderer. Mencke ließ L. schließlich in sein Haus ziehen und übertrug ihm die Erziehung seines jüngsten Sohns, was L. gleichzeitig den Zugang zur Bibliothek des Professors verschaffte. 1728 schloss er sein Studium als Magister der Philosophie ab. Für seine Disputation wählte er das Thema „Vom Menschenopfer“, das er später noch oft behandelte. Nach seiner Habilitation im gleichen Jahr hielt L. regelmäßig historische, philosophische und „kritische“ Vorlesungen. Im Sommer 1734 wurde er zum Assessor der philosophischen Fakultät ernannt. Bevor er jedoch als außerordentlicher Professor angestellt werden konnte, erhielt er einen Ruf als Rektor des Gymnasiums Albertina in Hof. Am 19.10.1735 fand die feierliche Amtseinführung statt. Auf dieser Stelle blieb er bis kurz vor seinem Tod. – In die Arbeiten und Recherchen für das „Zedlersche Universal-Lexikon“ war L. bereits seit Beginn einbezogen. Nach dem Rückzug Jacob August Franckensteins aus dem Projekt stieg er in die Position des Hauptredakteurs auf. L. betreute die Bände 3 bis 18, die zwischen 1733 und 1738 publiziert wurden, danach kam es zum Bruch mit Johann Heinrich Zedler aufgrund ausstehender Honorare. Durch L.s Übersiedlung nach Hof im Juni 1735 sah sich Zedler ohnehin mit dem Problem konfrontiert, in Leipzig einen neuen Gesamtkoordinator für das Lexikon finden zu müssen. – Seinen Zeitgenossen war L. v.a. als Herausgeber und Übersetzer klassischer Texte vertraut. Bei seinen zahlreichen Beiträgen zur Geschichte von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth und der Lokalgeschichte von Hof konnte er sich auf ausgedehnte Quellenstudien in den fürstlichen Archiven in Ansbach und auf der Plassenburg stützen. Als Rektor in Hof baute L. eine umfangreiche Schulbibliothek auf und legte eine große Mineraliensammlung an. Außerdem liegt von ihm eine zwischen 1757 und 1778 entstandene Serie meteorologischer Beobachtungen und Aufzeichnungen vor, in denen Wind, Wetter, Regen und Schneefall genau registriert wurden. Im Verlauf seiner wissenschaftlichen Laufbahn erwarb L. die Mitglied- und Ehrenmitgliedschaften mehrerer gelehrter Gesellschaften, so der Lateinischen Gesellschaft zu Jena (1749), der Kaiserlichen Franciscischen Akademie der freien Künste zu Augsburg (1759), der Deutschen Gesellschaft zu Altdorf (1762) und der Kurbayerischen Akademie der Wissenschaften (1764).



W  Origines anthropothysias a vulgari crudelitatis crimine vindicatae, 2 Bde., Leipzig 1729-1734; mit J. H. Zedler (Hg.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Bde. 3-18, Halle/Leipzig/Hof 1733-1738; Des Höfischen Gymnasiums Geschichte, 2 Bde., Hof 1743-1746; Der widrige Einfluß der Höfischen Brände in dasiges Gymnasium, Hof 1744-1746 (ND Hof 1991); Sichere Nachrichten von Brandenburg-Culmbach oder dem Fürstenthume des Burggrafthums Nürnberg oberhalb des Gebirges, 10 Teile, Hof 1751-1762; Longolischen Vorraths allerlei brauchbarer Nachrichten, 6 Fächer, Schwabach 1765-1767; J. H. M. Ernesti (Hg.), Notitia Hermundurorum eorumque causa maximae partis Germaniae antiquae, 2 Bde., Nürnberg 1793; Baugeschichte der Stadt Hof im 18. Jahrhundert, hrsg. vom Stadtarchiv Hof, Hof 1991.

L  A. Neubig, M. Paulus Daniel L., in: Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken 7/1858, H. 2, S. 1-22; G. Quedenbaum, Der Verleger und Buchhändler Johann Heinrich Zedler, Hildesheim/New York 1977. – ADB 19, S. 156f; DBA II, III; J. G. Meusel, Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller, Bd. 8, Leipzig 1808 (ND Hildesheim 1967), S. 342-349; J. C. Adelung/H. W. Rotermund, Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexikon, Bd. 3, Leipzig 1810 (ND Hildesheim 1961), S. 2111; G. Pfeiffer (Hg.), Fränkische Lebensbilder 7/1977, S. 193-208.



Jutta Nowosadtko
14.9.2005


Empfohlene Zitierweise:

Jutta Nowosadtko, Longolius (Longueil, Longol), Paul Daniel, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.5.2017)

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