Maria Antonia Walburga
Kurfürstin von Sachsen, geb. Prinzessin von Bayern, Dichterin, Komponistin
* 18.7.1724 München (Nymphenburg) 23.4.1780 Dresden Dresden, Hofkirche(kath.)
VKarl VII. (Albrecht) (1697-1745), Kurfürst von Bayern, römischer KaiserMMaria Amalia, geb. von Österreich (1701-1756), KaiserinGMax III. Joseph (1727-1777), Kurfürst von Bayern; Maria Anna (1734-1776); Maria Josepha (1739-1767)1747 Friedrich Christian (1722-1763), Kurfürst von SachsenSFriedrich August III. (I.) (1750-1827), Kurfürst, König von Sachsen; Carl Maximilian (1752-1781); Joseph Maria (1754-1762); Anton (1755-1836), König von Sachsen; Maximilian (1759-1838)TMaria Amalie (1757-1831); Therese Maria (1761-1820)
GND: 118781871

M. wurde am wittelsbachischen Hof zu München und in Frankfurt standesgemäß erzogen. Schon früh bemühte sich das Elternpaar um eine Verheiratung in das verwandte Haus Wettin mit dem Erbprinzen Friedrich Christian, die am 20.7.1747 zur gleichen Zeit wie die Heirat ihres Bruders Max III. Joseph mit der wettinischen Prinzessin Maria Anna Sophie stattfand. Diese doppelte Verbindung hatte eine politische Annäherung der beiden Kurfürstentümer zur Folge. M. verschaffte sich in Kursachsen hohe Anerkennung auf politischem und kulturellem Gebiet. Nachdem das Erbprinzenpaar wegen gespannter Beziehungen zum Premierminister Heinrich Graf von Brühl zunächst im Hintergrund verblieben war, trat es nach dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges stärker in den Vordergrund. Als der regierende Kurfürst infolge der Besetzung Dresdens durch Friedrich II. von Preußen nach Warschau auswich, hielt sich das Erbprinzenpaar weiter in der Residenzstadt auf und bemühte sich um die Fortführung der Regierungsgeschäfte sowie um möglichste Schonung der Bevölkerung. M. nahm sich im Besonderen durch die Übernahme des Kammerdepartements der Finanzverwaltung an. Erst im Endstadium des Krieges musste auch der „junge Hof“ Zuflucht im sicheren München suchen (Januar 1760-Januar 1762) und nutzte diesen Aufenthalt zur Betonung der sächsischen Erbansprüche im Falle des Erlöschens der Münchner Kurlinie sowie zur Beförderung der sich anbahnenden Friedensverhandlungen. Nach dem Tod des Schwiegervaters am 5.10.1763 engagierte sich die nunmehrige Kurfürstin noch nachhaltiger für die Regierungsgeschäfte und den Wiederaufbau des Landes. Doch setzte der Tod ihres behinderten Gatten schon am 17.12.1763 ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit ein rasches Ende. Die Kurfürstinwitwe versuchte auch auf die anschließende Administration ihres Schwagers Xaver Einfluss zu nehmen, wobei ihr Hauptinteresse der Behauptung der polnischen Königskrone galt. Durch ihr fortdauerndes Engagement wurde sie in persönliche Rivalitäten verwickelt, die den weitgehenden Rückzug aus der Politik des Hofes zur Folge hatten. Freilich ließ sie sich dadurch nicht von weiteren Aktivitäten abhalten. Sie führte v.a. ihre Verbindungen zu König Friedrich II. weiter, den sie in Potsdam 1769 und 1770 persönlich aufsuchte. Mit Einsatz kämpfte sie gegen die Teilung Polens an. Des Weiteren bemühte sie sich durch die Vermittlung von Heiratsverbindungen um Weichenstellungen im Sinne des sächsischen Hofes für den sich abzeichnenden bayerischen Erbfall. In diesem Zusammenhang ist v.a. die Verbindung des Erbprinzen Karl II. von Pfalz-Zweibrücken mit ihrer Tochter Maria Amalie zu sehen. Auf dem Gebiet der Reichskirchenpolitik bemühte sich M., die Wettiner auf die Bahnen des bayerischen Hauses Wittelsbach zu führen. Sie trug wesentlich zum Aufstieg ihres Schwagers Clemens Wenzeslaus zu einer der führenden Gestalten der Reichskirche bei. Ihre Romreise 1772 verfolgte die Absicht, ein Wählbarkeitsbreve für ihren Sohn Anton für das frühere Wittelsbacher Bistum Lüttich zu erlangen. Das Grundziel von M. war eine Verstärkung der politischen Zusammenarbeit der Mittelmächte Sachsen, Pfalz und Bayern unter Anlehnung an das aufsteigende Preußen, das sich freilich diesen Anregungen nur bedingt öffnete. Bis 1773 schaltete sich M. immer wieder in die europäische Politik ein, ohne diese Aktivitäten mit dem Dresdner Hof hinreichend abzustimmen, der durch die Privatinitiativen der Kurfürstinwitwe mehrfach in schwierige Situationen gebracht wurde. Weil er deren Engagement distanziert gegenübertrat, ist ihnen der erhoffte Erfolg nicht zuteil geworden. Aus diesem Grunde widmete sich M. in ihren späten Jahren gänzlich den kulturellen Neigungen, die sie seit ihrer Jugend immer gepflegt hatte. Sie führte die am bayerischen Wittelsbacherhof empfangenen kulturellen Anregungen in Dresden zu hoher Blüte. Schon 1747 wurde sie in die Accademia degli Arcadi zu Rom aufgenommen. M. war eine begeisterte Musikliebhaberin, die selbst mehrere Instrumente beherrschte und auch als Sängerin auftrat. Ihre besondere Vorliebe gehörte dem Musiktheater. Von ihr sind zwei Opernkompositionen und das Libretto eines Oratoriums bekannt. Auch werden ihr mehrere Arien und Kantaten zugeschrieben, wobei die Autorfrage freilich nicht in allen Fällen gesichert ist und der Überprüfung bedarf. Auf dem Gebiet der Literatur betätigte sich M. als Verfasserin von Erzählungen und Gedichten sowie als Übersetzerin. Obwohl sie sich weithin italienischen Traditionen verpflichtet fühlte, gingen von ihr auch nachhaltige Impulse zur Pflege des französischen und deutschen Theaters aus. Die Breite ihrer künstlerischen Interessen runden Versuche auf dem Gebiet der Malerei und der bildenden Künste ab. Die kulturelle Ausstrahlung Dresdens in den Jahren zwischen dem Abschluss des Österreichischen Erbfolgekriegs und dem Beginn des Siebenjährigen Kriegs war das nicht zuletzt den wirkungsvollen Impulsen von M. zuzuschreiben. Einblicke in die weitreichende Bedeutung von M. eröffnet ihr ausgedehnter Briefwechsel, den sie mit zahlreichen herausragenden Vertretern des kulturellen, aber auch politischen Lebens (Friedrich II., Maria Theresia) unterhielt.



W  Trionfo della fedeltà, Oper, Leipzig 1756; Talestri, Regina delle Amazzone, Oper, Leipzig 1756; Libretto zum Oratorium von J. A. Hasse, La conversione di Sant’ Agostino, hrsg. von A. Schering/H. J. Moser, Wiesbaden 1958.

L  J. Petzholdt, Biographisch-litterarische Mitteilungen über M. Antonia Walburga, in: Neues Archiv für Bibliographie und Bibliothekswissenschaft 11/1856, S. 336-345, 12/1856, S. 367-390; ders., M. Antonia Walburga., Kurfürstin von Sachsen, geborene Prinzessin von Bayern, Dresden 1857; C. v. Weber, M. Antonia Walburga, Churfürstin zu Sachsen, geborene kaiserliche Prinzessin in Bayern, 2 Bde., Dresden 1857; A. Bölte, M. Antonia oder Dresden vor hundert Jahren, 3 Bde., Prag 1860; M. Fürstenau, Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden nach archivalischen Quellen, Dresden 1862, S. 183-193; S. Riezler, Eine geheime Gesellschaft am Hofe Max III. Joseph von Bayern, in: Oberbayerisches Archiv 31/1871, S. 311-316; E. Reimann, Die Bewerbung des Kurfürsten Friedrich Christian und seines Bruders Xaver um die polnische Krone 1763/64, in: Archiv für sächsische Geschichte NF 4/1878, S. 217-253; O. Schmid, Das sächsische Königshaus in selbstschöpferischer musikalischer Bethätigung, Leipzig 1900, S. 10-16; W. Lippert, Kaiserin Maria Theresia und Kurfürstin M. Antonia von Sachsen: Briefwechsel 1747-1772, Leipzig 1908 (P); M. Schröpfer, Friedrich der Große und Kursachsen nach dem Siebenjährigen Kriege 1763-1766, Diss. Erlangen 1913; O. Schultze, Die Beziehungen zwischen Kursachsen und Friedrich dem Großen nach dem Siebenjährigen Krieg bis zum Bayerischen Erbfolgekrieg, Diss. Jena 1933; H. Drewesen, M. Antonia Walburga als Komponistin, Diss. Köln 1934; H. Schlechte, Die Staatsreform in Kursachsen 1762-1763, Berlin 1958; H. Raab, Clemens Wenzeslaus von Sachsen und seine Zeit 1739-1812, Bd. 1, Mainz 1962; ders., Die Romreise der Kurfürstinwitwe M. Antonia Walburga von Sachsen 1772, in: E. Gatz (Hg.), Hundert Jahre deutsches Priesterkolleg beim Campo Santo Teutonico 1876-1976, Rom/Freiburg i.B./Wien 1977, S. 93-107; Albert Herzog zu Sachsen, Die Beziehungen zwischen Bayern und Sachsen in den vergangenen Jahrhunderten, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 40/1977, S. 271; H. und M. Rall, Die Wittelsbacher in Lebensbildern, Graz 1986, S. 161; A. Schmid, Max III. Joseph und die europäischen Mächte, München 1987; T. Cegielski, Das Alte Reich und die erste Teilung Polens 1768-1774, Stuttgart 1988. – ADB 20, S. 371-374; DBA I, II; DBE 6, S. 621; NDB 16, S. 198-200; Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 8, Kassel 1960, Sp. 1647f.; Thieme/Becker, Bd. 24, Leipzig 1999, S. 91.

P  Maria Antonia Walpurgis Symphorosa von Bayern, 1750, A. R. Mengs, Ölgemälde, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister (Druck: J. L. Sponsel, Fürsten-Bildnisse aus dem Hause Wettin, Dresden 1906, Tafel 61 [Bildquelle]); S. Roettgen, Mengs, Die Erfindung des Klassizismus, Ausstellungskatalog, Padua/Dresden 2001, S. 136); P. Rotari, Ölgemälde, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München (Druck: H. Börsch-Supan, Höfische Bildnisse des Spätbarock. Ausstellungskatalog, Berlin 1966); Ölgemälde, Residenz München (Druck: H. Glaser, Quellen und Studien zur Kunstpolitik der Wittelsbacher vom 16.-18. Jahrhundert, München 1980).



Alois Schmid
1.10.2004


Empfohlene Zitierweise:

Alois Schmid, Maria Antonia Walburga, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

Wikipedia Link