Bartko (Bartke) Jan (Johannes)
(Pseudonym: Šćipalca)

Lehrer, Schriftsteller
* 16.11.1821 Droben (sorb. Droby) 18.5.1900 Bautzen
VTagelöhnerPND: 139724451

Nach der Lehrerausbildung am Lehrerpräparandum in der Seidau (1836-1839) und am landständischen Lehrerseminar in Bautzen (1839-1843) sowie kurzem Vikariat war B. 1845 bis 1890 Lehrer in Quatitz (sorb. Chwaćicy) und Nostitz (sorb. Nosaćicy), bevor er sich im Ruhestand v.a. um Belange der „Maćica Serbska“ kümmerte. – B. gehörte in der Zeit der sorbischen „Nationalen Wiedergeburt“ und der Revolution 1848/49 zum Kreis der engagiertesten Sorben. Als Demokrat galten seine Bemühungen verstärkt der nichtbürgerlichen Bevölkerung, besonders den sorbischen Bauern. Auf Anregung von Samuel Erdmann Tzschirner gab er gemeinsam mit Jan Radyserb-Wjela (Johann Wehle) 1847/48 die erste, demokratisch orientierte, sorbische politische Zeitschrift heraus - den „Serbski Nowinkar“. Als Schriftführer im Radiborer Bauernverein und Mitinitiator des Redeübungsvereins „Serbske rěčenske towarstwo“ (Sorbischer Redeübungsverein) war B. daneben an der Redaktion der „Großen Bauernpetition“ beteiligt, trat jedoch bald angesichts der meinungsbildenden Mehrheit der sorbischen liberalen und konservativen Kreise in den Hintergrund. Nach dem Scheitern der Revolution 1848/49 wurde er auch aufgrund der Gefahr obrigkeitlicher Maßnahmen gegen seine Person politisch nicht mehr aktiv. Hatte B. bis 1848/49 einige politische und sozialkritische Gedichte verfasst, widmete sich danach v.a. der Übersetzung von Theaterstücken und Liedern, u.a. den Werken von Handrij Zejler (Andreas Seiler) und Theodor Körner. Außerdem wirkte er aktiv bei sorbischen Gesangsfesten mit. Landesweite Anerkennung verschaffte sich B. v.a. als Pädagoge. Für sorbisch unterrichtende Schulen verfasste er Lehr- und Lesebücher, die bis in die 1930er-Jahre in Gebrauch waren. Seine Lesebücher zeichneten sich v.a. durch ihre Vielfalt und Ausgewogenheit zwischen sorbischen und deutschen Texten aus. Mit der Veröffentlichung unterhaltender und belehrender Texte in der Zeitschrift „Łužica“ (Lausitz) oder als Buchausgabe, wie etwa dem 1897 erschienenen „Šešerjačk a druhe rawski“ (Der Struwwelpeter und andere kleine Strolche) nach dem Vorbild des deutschen Struwwelpeter, führte er einen neuen Figurentypus in die sorbische Kinderliteratur ein. – Seit 1847 Mitglied und seit 1898 Ehrenmitglied der „Maćica Serbska“, übernahm B. 1894 den Vorsitz des Bauausschusses für das Haus der Sorben in Bautzen.



W  Bibliske stawizny stareho testamenta [Biblische Geschichten aus dem Alten Testament], Bautzen 1853; J. Arndt, Paradiz-zahrodka [Paradies-Gärtlein], Bautzen 1853 (Übersetzung aus dem Deutschen); T. Körner, Nócny stražnik [Der Nachtwächter], Bautzen 1863 (Übersetzung aus dem Deutschen); Oberlin, Bautzen 1865; Prěnja čitanka za serbske šule [Erstes Lesebuch für sorbische Schulen], Bautzen 1872, 41887; Bibliske stawizny za serbsko-němske šule [Geschichten aus der Bibel für sorbisch-deutsche Schulen], Bautzen 1880; Šešerjačk a druhe rawski [Der Struwwelpeter und andere kleine Strolche], [Bautzen] 1897.

L  M. Kubašec, Wučer-spisowaćel a wojowar wo prawa ludu [Lehrer-Schriftsteller und Kämpfer für die Rechte des Volkes], in: Rozhlad 21/1971, H. 11, S. 415-422; H. Nagel, Jan B. a jeho literatura za serbske dźěći [Jan B. und seine Literatur für Kinder], in: Lětopis 48/2001, H. 1, S. 82-92. – J. Šołta/P. Kunze/F. Šĕn (Hg.), Nowy biografiski słownik [Neues biografisches Wörterbuch], Bautzen 1984, S. 42f. (P).



Michael Nuck
31.7.2007


Empfohlene Zitierweise:

Michael Nuck, Bartko (Bartke), Jan (Johannes)
(Pseudonym: Šćipalca)
, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (3.9.2010)

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