Miltitz (zu Scharffenberg, Schenkenberg und Scherau) Haubold von
Kanzler, Geheimer Rat, Hofmarschall, Kammerrat, Steuerdirektor, Wirklicher Geheimer Rat
* 30.7.1613 Schenkenberg 21.3.1690 Dresden Naustadt(ev.)
VAlexander (1578-1635), KreissteuereinnehmerMElisabeth, geb. von Einsiedel (1584-1645)GCenturius (1610-1684); Karl (1616-1691); Dietrich (1620-1670) 1.1642 Anna Margarethe, geb. von Löser (1619-1667) 2.1668 Ilse Sophie, geb. von Bodenhausen (1649-1684)TAnna Elisabeth; Sophia Hedwig; Rahel Helene
GND: 121454681

M. war einer der bedeutendsten Amtsträger unter Kurfürst Johann Georg II. In seiner Multifunktionalität verkörperte er den typischen Vertreter in der Zentralbehörde dieses Landesfürsten. Gegen Ende seiner Karriere wurde M. 1680 zwar noch zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt, ohne indessen in diesem Gremium eine wichtige Position einnehmen zu können. So ist M. v.a. als Finanzpolitiker, Hofmann und Ständevertreter in Erscheinung getreten. – Nach einem Jurastudium zwischen 1629 und 1634, während dessen M. ständig zwischen Leipzig und Wittenberg wechselte, schlossen sich Aufenthalte in Hamburg, Groningen und Leiden an, wo er seine Kenntnisse in Sprachen und Exerzitien erweitern konnte. M. war 1639 bis 1652 für die Verwaltung des Rittergutes Oberau zuständig, welches danach seinen Brüdern Carl und Dietrich zufiel, die diese Linie fortsetzten. Auch oblag ihm die Vormundschaft über die beiden unmündigen Söhne des 1635 verstorbenen Geheimrats Nickel Gebhard von Miltitz. 1645 bis 1651 fungierte M. als Hof- und Justizrat in der Landesregierung. Seit dem Landtag von 1653 saß er im Engeren Ausschuss der Ritterschaftskurie und war damit ein führender Ständevertreter, was er bis zu seinem Tod blieb. – Nach Tätigkeiten als Hofrat im Appellationsgericht und der kurzzeitigen Inhabe der Amtshauptmannschaft von Delitzsch, Bitterfeld und Zörbig war M. ab 1656 mit Herrschaftsantritt Johann Georgs II. in stets wechselnden Ämtern der kursächsischen Zentralverwaltung tätig. Dadurch verdeutlichte sich einerseits die Abhängigkeit Johann Georgs II. von seinen Landständen, andererseits manifestierte sich darin auch die Sprunghaftigkeit der kurfürstlichen Personalpolitik. In der Folgezeit bekleidete M. verschiedene Posten: 1656 bis 1660 war er Kanzler, womit er an die Spitze der Landesregierung rückte und führender Kopf der kursächsischen Innenpolitik wurde, sowie Hofmeister, 1660/61 Hofmarschall und 1661 bis 1664 Kammerrat. Hinzu kam 1664 seine Funktion als Hauptmann des Meißnischen Kreises und Direktor der Land- und Tranksteuer. In seiner Karriere als Geheimrat durchlief M. folgende Stationen: 1667 fungierte er als Titulargeheimrat, 1679 als Geheimrat von Haus aus und 1680 schließlich als Wirklicher Geheimer Rat, wobei er allerdings mehr der Sphäre der Stände verhaftet blieb und in diesem Amt wohl auch keine Besoldung erhielt. – Außerdem besaß M. die schriftsässigen Rittergüter Scharfenberg (mit Schloss), Schenkenberg und Scheerau. 1677 erwarb er das Rittergut Kroppen (sorb. Kropnja) in der Oberlausitz und 1681 das dazugehörige Heinersdorf.



Q  S. B. Carpzov, Die Gemeinschafft der Christen mit ihrem Heyland im Sterben, Leichenpredigt, Dresden 1690; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat.

L  W. von Boetticher, Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635-1815, Bd. 2, Görlitz 1913, S. 205f.; F. Fischer, Ahnenreihenwerk der Geschwister Fischer, Bd. 4/VIII, Teil XVI, Tafeln 11 und 12, Typoskript Bissingen/Enz 1973; C. Heinker, Die Bürde des Amtes - die Würde des Titels. Der kursächsische Geheimrat im 17. Jahrhundert, Diss. Leipzig 2013 [Ms.].

P  Haubold v. M., P. Killian, Kupferstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Christian Heinker
19.3.2014


Empfohlene Zitierweise:

Christian Heinker, Miltitz (zu Scharffenberg, Schenkenberg und Scherau), Haubold von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.4.2017)

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