Evans Evan
Maschinenkonstrukteur, Baumwollspinnereibesitzer
* 4.8.1765 Llanelltyd/Wales (Großbritannien) 9.12.1844 Siebenhöfen bei Geyer/Erzgebirge
1792 Lowry, geb. Richards (1771-1836)SCarl Ludwig (1803-1875); Ehil (Eli) (1805-1882), Baumwollspinnereibesitzer, Politiker; Johann Christian (* † 1807); Gustav Louis (1809-1810); Eduard William (* †1811)TAnna (1796-1869); Laura (1815-1866); Eleonore (* † 1806)
GND: 132125986






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E., der Begründer der sächsischen Baumwollspinnerei, stammte aus Nordwales. Er wurde Maschinenbauer und entwickelte sich zu einem Fachmann für Spinnmaschinen und Spinnereiwesen. In Manchester lernte er den Textilkaufmann und Unternehmer Carl Friedrich Bernhard kennen. Der aus der Oberpfalz stammende Bernhard unterhielt dort eine kleine Maschinenbauwerkstatt, ging anschließend nach Sachsen und errichtete 1798 in Harthau bei Chemnitz eine Maschinenbauwerkstatt mit Spinnerei. Nach dem Geschäftszusammenschluss Bernhards mit seinem Bruder Ludwig Carl Philipp zur Firma Gebrüder Bernhard holten sie den Spinnereiexperten E. als Werk- und Spinnereimeister nach Harthau. Auf einer der von E. neu entwickelten Spinnmaschine wurde das erste Mulegarn in Sachsen hergestellt. In der Folgezeit trat E. mit der Erfindung einer Spindelschleifmaschine hervor, die in dieser Form auch in England noch nicht existierte. Für diese Leistung wurde E. von der sächsischen Regierung ausgezeichnet. Darüber hinaus erwarb sich E. große Verdienste in der Ausbildung der Arbeiter, die sich zu Fachtechnikern für Maschinenspinnerei entwickelten. E. wurde als „der erste Lehrer von Baumwollspinnereifachleuten in Sachsen“ (H. Pönicke) bezeichnet. – Nach Differenzen mit den Brüdern Bernhard um 1806 gründete E. in Dittersdorf bei Zschopau eine eigene Maschinenbauwerkstatt. Zunächst tat er sich mit den Spinnereibesitzern Gebrüder Schnabel in Erfenschlag zusammen, ab 1807 produzierte er jedoch selbstständig und stellte v.a. Drechselbankgetriebe (Turning lathes) her. 1808 folgten weitere von E. entwickelte Maschinen zur Fertigung von Spindeln, Zylindern und Rädern. 1809 verlegte er seine Werkstatt nach Geyer und erwarb dazu den Eisenhammer mit Ölmühle in Tannenberg, wo er eine Messing- und Holzdreherei einrichtete. Hier wurden E.s Maschinen für den Vertrieb gebaut, so die Spindelschleifmaschine (Spindle Grinding Engine), die Drehmaschine (Slide Turns), die Reifelmaschine mit Wasserantrieb (Fluting Engine) sowie die wassergetriebene Zylinderputzmaschine. Sie fanden im Erzgebirge und Vogtland eine schnelle Verbreitung. Über diese Spinnmaschinenbauwerkstätten hinaus betrieb E. in Geyer eine Baumwollspinnerei mit Handspinnmaschinen (Jennys) in Form eines Verlags. – 1810 beauftragte E. Johann Traugott Lohse aus Schlettau mit dem Bau eines Fabrik- und Wohngebäudes in Siebenhöfen bei Geyer. Bereits zwei Jahre später wurde hier die Produktion aufgenommen. Alle Maschinen der Fabrik liefen mit Wasserantrieb. Dazu hatte E. einen kostenaufwändigen „Wasser-Canal“ anlegen lassen. Die Folgejahre waren mit großen Schwierigkeiten verbunden. Durch die Kontinentalsperre entstanden Engpässe bei der Beschaffung von Baumwolle, die jetzt aus Südamerika über Archangelsk bezogen werden musste. Auch die Überschwemmung des Markts mit englischen Waren nach 1815 brachte den sächsischen Spinnereien gravierende Absatzeinbrüche. 1817 musste E. deshalb seine Spinnmaschinen stilllegen, auch der weitere Fabrikausbau stockte. 1818 verkaufte E. seine Grundstücke für 19.000 Reichstaler an seine Ehefrau, die damit Miteigentümerin der Fabrik wurde. Trotz staatlicher Unterstützung waren die Jahre 1807 bis 1830 durch einen fortwährenden Kampf um notwendiges Betriebskapital geprägt. Erst nach 1830 entspannte sich die Lage, die Siebenhöfener Spinnerei galt fortan als die „Musterspinnerei“ Sachsens. – 1837 übergab E. die Fabrik an seinen Sohn Ehil. Nach E.s Tod wurden die für ein Denkmal gesammelten Gelder auf Anregung des Sohns in eine Stiftung für die Ausbildung von Baumwollfachleuten an der Königlichen Gewerbeschule in Chemnitz umgewidmet. 1899 erhielt E.s Grab einen Gedenkstein von der Vereinigung der sächsischen Baumwollspinner. Die Gemeinde in Geyer ließ bei der Renovierung der Kirche das von Walter Witting gemalte Porträt im Seitenschiff der Kirche aufhängen.



L  Glückauf! 39/1919, S. 166-168 (P); H. Pönicke, Evan E. (1765-1844), in: Sächsische Heimat 1974, S. 382-385; R. Forberger, Die Industrielle Revolution in Sachsen 1800-1861, Bd. 1: 1800-1830, Berlin 1982, Bd. 1/1, S. 237ff., Bd. 1/2, Tab. 50, Bd. 2: 1831-1861, Leipzig 1999-2003, Bd. 2/1, S. 344ff., Bd. 2/2, Tab. 1010; L. Heydick/G. Hoppe/J. John, Historischer Führer für die Bezirke Leipzig und Karl-Marx-Stadt, Leipzig 1983, S. 187. – DBA II, III; DBE 3, S. 195; NDB 4, S. 690f.; Von André bis Zöllner. 125 Biografien zur Chemnitzer Geschichte, hrsg. vom Stadtarchiv Chemnitz, Radebeul 1998, S. 30 (P, Bildquelle).

P  Evan E., W. Witting, 1911, Ölgemälde, St. Laurentius-Kirche Geyer.



Ursula Forberger †
6.7.2005


Empfohlene Zitierweise:

Ursula Forberger †, Evans, Evan, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.8.2017)

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