Benno
Bischof von Meißen, Heiliger
1105/07 Meißen München, Frauenkirche
GChristoph
GND: 118509144

B., dessen Geburtsjahr unbekannt ist, wird erstmals 1062 als königlicher Kapellan und Kanoniker des Kollegiatsstifts St. Simon und Judas an der kaiserlichen Pfalzkapelle Goslar erwähnt. Er entstammte einer adligen Familie, sein Bruder ist 1053 als Graf im Ostfalengau belegt. Nachdem der Goslarer Stiftspropst Kraft, den König Heinrich IV. für das vakante Bistum Meißen vorgesehen hatte, vorzeitig verstarb, wurde B. 1066 zum Bischof von Meißen erhoben. B.s Amtszeit als zehnter Bischof von Meißen fiel in die unruhige, von Wirren und Gewalt geprägte Epoche der Sachsenkriege und des Investiturstreites. Dabei war B. kein überzeugter Parteigänger einer Seite, sondern scheint eher auf Frieden und diplomatischen Ausgleich bedacht gewesen zu sein. Im Gegensatz zu manchem seiner bischöflichen Amtsgenossen griff er selbst nie zum Schwert. Nach seiner Ernennung war B. noch mehrfach als Rat Heinrichs IV. in Reichsgeschäften tätig. In den Sachsenkriegen von 1073 und 1075 aber verweigerte er – vielleicht mit Rücksicht auf die königsfeindliche Stimmung in Mitteldeutschland – dem König die geforderte Waffenhilfe gegen die Aufständischen und verhielt sich neutral. Im September 1075 zog Heinrich IV. von Böhmen aus nach Meißen und nahm den Bischof unter dem Vorwurf des Hochverrats gefangen. Als der König 1076 von Papst Gregor VII. gebannt wurde und die meisten Fürsten des Reiches von ihm abfielen, gelang B. die Flucht. Er schlug sich auf die Seite der papsttreuen Gregorianer und beteiligte sich am 15.3.1077 in Forchheim an der Wahl Rudolfs von Rheinfelden zum Gegenkönig. Noch 1085 nahm B., wie auch die Bischöfe Werner von Merseburg und Günther von Naumburg, an der Versammlung der Gregorianer in Quedlinburg teil. Daraufhin wurde er von der vom Kaiser einberufenen und vom kaiserlichen Gegenpapst Clemens III. (Wibert von Ravenna) autorisierten Mainzer Synode exkommuniziert und für abgesetzt erklärt. In Meißen konnte sich ein Gegenbischof namens Felix installieren, der vom Kaiser eingesetzt und vom böhmischen König Vratislav gestützt wurde. In dieser Situation entschloss sich B., vielleicht veranlasst durch den Tod Papst Gregors VII. im Mai 1085, zum Ausscheren aus der antikaiserlichen Opposition. Er erkannte Clemens III. als Papst an und reiste nach Italien, um von ihm die Absolution vom Bann der Mainzer Synode zu erlangen. Kaiser Heinrich IV. gestattete ihm daraufhin die Rückkehr in sein Bistum, das er spätestens 1088 wieder unangefochten innehatte. In diesem Jahr leistete B. einen wichtigen Beitrag zur Beendigung der Konflikte, indem er den Frieden zwischen Heinrich IV. und den Bischöfen von Magdeburg, Merseburg und Naumburg vermittelte. Die wenigen vorhandenen Nachrichten über die Zeit nach 1088 deuten auf ein entspanntes Verhältnis des Meißner Bischofs zum Kaiser. Zuletzt ist B. 1095 in Verona nachweisbar, wo er als Fürbitter vor dem Kaiser erschien. Das genaue Todesdatum B.s ist unbekannt. Die Weihe seines Nachfolgers Hartwig erfolgte zwischen dem 11.6.1105 und dem 15.4.1107. – Angesichts der schlechten Quellenlage fällt es schwer, aus B.s Handlungen auf Charakter und Überzeugungen zu schließen. Nur bei Lampert von Hersfeld ist eine Charakterisierung B.s überliefert; danach war er ein unkriegerischer Mann und ein Freund kirchlicher Armut. Walter Schlesinger sieht deshalb in B. den Vertreter einer dritten Partei im Investiturstreit, die die Gewalt als Lösungsweg in der kirchlichen Streitfrage ablehnte, sich aber kaum behaupten konnte. Über die in der hagiografischen Literatur betonten Leistungen B.s auf dem Feld der Seelsorge und des inneren Ausbaus des Bistums geben die Quellen leider keine Auskunft. – Wesentlich besser als über B.s Biografie sind wir über sein Nachleben als christlicher Heiliger unterrichtet. Seit dem 13. Jahrhundert stand sein Grab im Meißner Dom im Ruf der Wundertätigkeit. Um 1270 wurde der Kult des B. von Bischof Withego I. von Meißen durch die bischöfliche Heiligsprechung bestätigt und seine Gebeine in eine Tumba im Zentrum des Doms überführt. 1285 erteilte Bischof Withego I. zudem einen ersten Ablass für den Besuch des Bennoheiltums. Am Ende des 15. Jahrhunderts erlebte die volksfromme Verehrung B.s einen neuen Höhepunkt und war nun über Meißen hinaus in ganz Sachsen verbreitet. Seit 1497 betrieben Herzog Georg von Sachsen und das Meißner Domkapitel die Kanonisation B.s durch den Papst. In diesem Zusammenhang entstanden eine Reihe hagiografischer Schriften, deren bedeutendste die 1512 erschienene „Vita Bennonis“ des Dresdner Hofkaplans Hieronymus Emser ist. Für die Biografie B.s sind diese Schriften, anders als für die Geschichte seiner Verehrung, weitgehend ohne Wert. Am 31.5.1523 wurde B. durch Papst Hadrian VI. heilig gesprochen. Durch die Kanonisierung B.s, die die letzte Heiligsprechung des Mittelalters bleiben sollte, erhielt Sachsen seinen ersten einheimischen Heiligen. Gegen die aufwändig inszenierte Erhebungsfeier, mit der die Heiligsprechung am 16.6.1524 in Meißen vollzogen wurde, wandte sich Martin Luther in der Flugschrift „Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden“. Von den Theologen des altgläubigen albertinischen Sachsens vehement verteidigt, wurde die Heiligsprechung B.s zum Gegenstand einer im ganzen Reich beachteten Kontroverse der frühen Reformationszeit. Als Heinrich der Fromme 1539 auch im Herzogtum Sachsen die Reformation einführte, wurde das Bennoheiltum im Meißner Dom auf Befehl des Herzogs zerstört. Vermutlich entgingen die sterblichen Überreste B.s durch das präventive Eingreifen des altgläubigen Bischofs Johann VIII. von Meißen der Vernichtung. 1576 übergab der letzte Meißner Bischof, Johann IX., die Reliquien an die Vertreter Herzog Albrechts V. von Bayern. Seit 1580 in der Münchner Frauenkirche aufbewahrt, wurden sie in Bayern erneut Gegenstand eines volksfrommen Heiligenkultes. – B., der in der Ikonografie in Anlehnung an eine Wunderlegende mit dem Attribut eines Fisches mit zwei Schlüsseln dargestellt wird, gilt in der katholischen Kirche als Patron von München, Altbayern und des Bistums Dresden-Meißen.



Q  Monumenta Germaniae Historica, Diplomata, Die Urkunden Heinrichs IV., 3 Teile, Hannover 1941-1978.

L  C. F. Seyffarth, Ossilegium S. Bennonis, episcopi quondam Misnensis, seu vita et acta ipsius, veterum monumentis ac diplomatum reliquiis illustrata, München 1765; O. Langer, Kritik der Quellen zur Geschichte des hl. B., vornehmlich der Vita Bennonis, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen 1,3/1884, S. 70-95; ders., Bischof B. von Meißen, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen 1,5/1886, S. 1-38, 2/1891, S. 99-144; J. Kirsch, Beiträge zur Geschichte des hl. B., Bischofs von Meißen (1010-1106), München 1910; W. Schlesinger, Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter, Bd. 1, Köln/Graz 1962, S. 118-131; W. Rittenbach/S. Seifert, Geschichte der Bischöfe von Meißen, 968-1581, Leipzig 1965, S. 62-75; W. Petke, Zur Herkunft Bischof B.s von Meißen, des Patrons Münchens, Altbayerns und des Bistums Meißen, in: Archivalische Zeitschrift 66/1970, S. 11-20; L. Fenske, Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen, Göttingen 1977; F. Rädle, Der heilige B. von Meißen und Hildesheim, in: J. Bepler/T. Scharf-Wrede (Hg.), Die Dombibliothek Hildesheim, Hildesheim 1996, S. 271-304; C. Volkmar, Die Heiligenerhebung B.s von Meißen (1523/24), Münster 2002. – ADB 2, S. 339, 45, S. 666; DBA I, III; DBE 1, S. 427; NDB 2, S. 52f.; Lexikon der Christlichen Ikonographie, Bd. 5, Rom u.a. 1973, Sp. 367f.; Lexikon des Mittelalters, Bd. 1, München u.a. 1980, Sp. 1916f.; Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 2, Freiburg u.a. 31994, Sp. 233f.



Christoph Volkmar
26.10.2004


Empfohlene Zitierweise:

Christoph Volkmar, Benno, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.4.2017)

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