Wolf Göftel

G. trat nur in seinen letzten Lebensmonaten in das Licht der Öffentlichkeit. Diese kurze Zeitspanne reichte indes aus, ihn zu einer der bedeutendsten Figuren der erzgebirgisch-vogtländischen Bauernunruhen von 1525 zu machen. – G., dessen Herkunft unbekannt ist, scheint mit der Aufnahme des Bergbaus in Marienberg in die neu gegründete Bergstadt gekommen zu sein. Er war des Lesens und Schreibens kundig und wird in den zeitgenössischen Quellen gemeinsam mit Andreas Ziener (Zinner) als Führer und „Feldhauptmann“ der Marienberger Bergknappen bezeichnet. Es gelang ihm ein Bündnis zwischen Bauern und Bergarbeitern zu schließen und ihren sozialen Forderungen schriftlich, aber auch durch Gewaltakte Ausdruck zu verleihen. Im Mai 1525 war G. an der Erstürmung der Pfarrhäuser in Mildenau und Schönbrunn beteiligt. Die Schönbrunner Artikel der aufständischen Bauern im Amt Wolkenstein gehen auf ihn zurück. Er propagierte die Plünderung der erzgebirgischen Klöster und Adelssitze und band die Aufständischen durch Eidesleistung an seine Führung. In dem Bestreben, die Unruhen regional auszuweiten, reiste G. Ende Mai 1525 nach St. Joachimsthal (tschech. Jáchymov), um den dortigen Bergarbeiteraufstand zu unterstützen. Außerdem hielt er sich zeitweise in Zwickau und in der Gegend um Mylau auf und verfasste für die Bauern im Vogtland deren „Zwölf Artikel“. G.s persönliche Verlautbarungen deuten auf sozialrevolutionäre Ziele bis hin zum Sturz der Obrigkeiten im Sinne des radikalen Flügels der Reformation. Noch im Juni 1525 bot G. den Aufständischen in Geyer seine Hilfe an. Am 27.6.1525 wurde er verhaftet und in Buchholz hingerichtet.

Quellen Akten zur Geschichte des Bauernkriegs in Mitteldeutschland, hrsg. von Walther Peter Fuchs, Bd. 2, Jena 1942.

Literatur Siegfried Sieber, Die Teilnahme der erzgebirgischen Bergleute am Bauernkrieg 1525, in: Bergbau und Bergleute. Neue Beiträge zur Geschichte des Bergbaus und der Geologie, Berlin 1955, S. 83-106; Ingrid Mittenzwei, Der Joachimsthaler Aufstand 1525. Seine Ursachen und Folgen, Berlin 1968; Adolf Laube, Studien über den erzgebirgischen Silberbergbau von 1470 bis 1546, Berlin 1974. – DBA II.

Michael Wetzel
17.3.2021


Empfohlene Zitierweise:
Michael Wetzel, Wolf Göftel, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.4.2021)

Wolf Göftel



Quellen Akten zur Geschichte des Bauernkriegs in Mitteldeutschland, hrsg. von Walther Peter Fuchs, Bd. 2, Jena 1942.

Literatur Siegfried Sieber, Die Teilnahme der erzgebirgischen Bergleute am Bauernkrieg 1525, in: Bergbau und Bergleute. Neue Beiträge zur Geschichte des Bergbaus und der Geologie, Berlin 1955, S. 83-106; Ingrid Mittenzwei, Der Joachimsthaler Aufstand 1525. Seine Ursachen und Folgen, Berlin 1968; Adolf Laube, Studien über den erzgebirgischen Silberbergbau von 1470 bis 1546, Berlin 1974. – DBA II.

Michael Wetzel
17.3.2021


Empfohlene Zitierweise:
Michael Wetzel, Wolf Göftel, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.4.2021)