Willy Pöge
Willy Pöge baute das von seinem Vater Hermann Pöge gegründete elektrotechnische Unternehmen zu einem global agierenden Großbetrieb der Elektroindustrie aus. Zugleich erlangte er als erfolgreicher Automobilrennfahrer internationale Bekanntheit. – Pöge besuchte das Realgymnasium auf der Chemnitzer Reitbahnstraße. Danach absolvierte er 1887 bis 1890 an der Königlichen Gewerbeschule Chemnitz insgesamt sechs anstelle der sonst üblichen sieben Semester. Der Hintergrund dafür ist unbekannt. Deshalb erhielt er lediglich einen Abgangsschein anstelle des Absolutorialzeugnisses. Nach dem Studium leistete Pöge seinen Militärdienst in Dresden. Hier lernte er als Leutnant des 1. Feldartillerie-Regiments
Elly Marie Löhnert kennen, mit der er sich zu Ostern 1894 verlobte und die er 1895 heiratete. Pöges Vater führte ihn 1894 in das erfolgreiche Unternehmen „Maschinenfabrik und Werkstätten für Elektrotechnik Hermann Pöge“ ein, das seinen Sitz in der Zwickauer Straße 88 hatte. – Zusammen mit dem Ingenieur
Heinrich Goetz konnte Pöge das Unternehmen nach dem plötzlichen Tod Hermann Pöges im Dezember 1894 erfolgreich weiterführen. Im Gegensatz zu seinem Vater, der als ausgebildeter Mechaniker ein großes Interesse an technischen Entwicklungen besaß, entsprach Pöge eher dem Typ des Unternehmers. Wie bereits unter seinem Vater hatte daher Goetz die technische Leitung der Firma inne. Gemeinsam orientierte man sich an den neuen Bedingungen und Herausforderungen, die sich durch die Entwicklungen in der Elektrotechnik ergaben - sowohl im Bereich der Erzeugung der elektrischen Energie als auch auf deren effektive Nutzbarmachung für Verbraucher in Industrie und Wirtschaft. Dafür waren Investitionen und natürlich das dafür erforderliche Kapital notwendig: 1896 wurde daher das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und firmierte fortan als „Elektricitäts-Aktiengesellschaft vormals Hermann Pöge“. Darüber hinaus investierte die Aktiengesellschaft 1898 in eine neue, allen Anforderungen der Zeit entsprechende Anlage. Mit 5.700 qm bebauter Grundfläche entstand auf der Dorfstraße 52 im Ortsteil Altchemnitz ein neuer Unternehmens-Komplex. Im Lauf der Jahre wurde die Fläche aufgrund der umfangreichen neuen Produktionsfelder mehrfach wesentlich erweitert. Schwerpunkte der Produktion waren Gleichstromdynamos, Drehstrommotoren und -generatoren sowie Transformatoren. Das Unternehmen gründete in der Folgezeit Zweigniederlassungen in
Berlin,
Dortmund, Dresden, Leipzig,
Düsseldorf,
Hamburg sowie
Frankfurt/Main und exportierte seine Produktionsgüter nach Frankreich, Griechenland, in die Niederlande, nach Rumänien, Russland und Übersee. Die „Pöge Elektricitäts-Aktiengesellschaft“ beschäftigte um 1900 über 2.000 Arbeiter und Angestellte. – Neben seiner Tätigkeit als Inhaber eines international angesehenen Unternehmens konnte Pöge in den Jahren nach 1900 auch sportliche Erfolge feiern. Ab 1902 war seine große Leidenschaft der aufkommende Automobilrennsport, dem er sich selbst widmete, ab 1903 ausschließlich mit Mercedes-Fahrzeugen. Seine Ehefrau begleitete ihn oft als Beifahrerin und Mechanikerin. Pöge errang zahlreiche nationale und internationale Siege und Preise. Zudem war er 1906 Gründungsmitglied des Chemnitzer Automobilclubs und später Präsidialmitglied des Königlich Sächsischen Automobil-Clubs. 1910 war er außerdem Mitglied im Chemnitzer Verein für Luftfahrt und Vorsitz der Sportkommission. 1911 absolvierte er die Flugzeugführer-Ausbildung in
Johannisthal bei Berlin. Im gleichen Jahr wurde er auch Mitglied der Flugzeugkommission des Deutschen Luftschiffer-Verbands. Inwieweit sich das mit den Verpflichtungen im Unternehmen vereinbaren ließ, bleibt offen. Mit Goetz hatte er auf jedem Fall einen zuverlässigen Vorstandskollegen. – Seit 1913 war Pöge stark herzleidend. Er weilte daraufhin zu einem längeren Kuraufenthalt in
Bad Nauheim und verstarb am 12.5.1914 im Alter von 44 Jahren kinderlos im nahen Frankfurt/Main. Damit endete die sehr erfolgreiche Familiengeschichte von Vater und Sohn Pöge. Goetz leitete das Unternehmen, das 1929 mit der Sachsenwerk AG fusionierte, erfolgreich als Direktor weiter.
Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Chemnitz, 30967 Elektrizitäts-AG, vorm. Hermann Pöge, Chemnitz, Nr. 5; Hessisches Landesarchiv - Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Heiratsregister 1895, Nr. 210; Stadtarchiv Dresden, Städtisches Friedhofs- und Bestattungswesen - Krematorium Tolkewitz und Urnenhain, Einäscherungsbuch 1943, Nr. 86034; Pfarrarchiv der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St.-Nikolai-Thomas Chemnitz-Kappel.
Literatur H. Siekierski, Werksgeschichte der Pöge Elektricitäts-Aktiengesellschaft, Chemnitz, in: Industrie-Bibliothek. Die illustrierte Zeitschrift der deutschen Wirtschaft 1928, Nr. 27, S. 5-83; Chemnitz in Wort und Bild. Festschrift zur Einweihung des neuen Rathauses, Chemnitz 1911 (ND 1991); Andreas Hütter, Willy Pöge - einer der besten Rennfahrer seiner Zeit; Das Unternehmen Pöge.
Porträt Willy Pöge, Fotografie, in: Industrie-Bibliothek. Die illustrierte Zeitschrift der deutschen Wirtschaft 1928, Nr. 27, S. 5-83 (Bildquelle).
Steffen Hamperl
25.8.2026
Empfohlene Zitierweise:
Steffen Hamperl, Artikel: Willy Pöge,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/16606 [Stand 25.08.2026, Aufruf 27.08.2026].
Willy Pöge
Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Chemnitz, 30967 Elektrizitäts-AG, vorm. Hermann Pöge, Chemnitz, Nr. 5; Hessisches Landesarchiv - Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Heiratsregister 1895, Nr. 210; Stadtarchiv Dresden, Städtisches Friedhofs- und Bestattungswesen - Krematorium Tolkewitz und Urnenhain, Einäscherungsbuch 1943, Nr. 86034; Pfarrarchiv der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St.-Nikolai-Thomas Chemnitz-Kappel.
Literatur H. Siekierski, Werksgeschichte der Pöge Elektricitäts-Aktiengesellschaft, Chemnitz, in: Industrie-Bibliothek. Die illustrierte Zeitschrift der deutschen Wirtschaft 1928, Nr. 27, S. 5-83; Chemnitz in Wort und Bild. Festschrift zur Einweihung des neuen Rathauses, Chemnitz 1911 (ND 1991); Andreas Hütter, Willy Pöge - einer der besten Rennfahrer seiner Zeit; Das Unternehmen Pöge.
Porträt Willy Pöge, Fotografie, in: Industrie-Bibliothek. Die illustrierte Zeitschrift der deutschen Wirtschaft 1928, Nr. 27, S. 5-83 (Bildquelle).
Steffen Hamperl
25.8.2026
Empfohlene Zitierweise:
Steffen Hamperl, Artikel: Willy Pöge,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/16606 [Stand 25.08.2026, Aufruf 27.08.2026].