Walter Holzhausen

Bekannt wurde H. aufgrund seiner 1966 erschienenen, fundierten Publikation über die Kunstschätze des Grünen Gewölbes in Dresden, für die er bereits in den 1930er-Jahren mit dem Dresdner Künstler und Fotografen Edmund Kesting zusammenarbeitete. Nach fast zwei Jahrzehnten Tätigkeit am Grünen Gewölbe und am Historischen Museum (der heutigen Rüstkammer) in Dresden wirkte H. ab 1947 als Direktor der Städtischen Kunstsammlungen Bonn maßgeblich am Aufbau des Kulturlebens im Rheinland mit. – Aus einer bildungsbürgerlichen Familie stammend legte H. sein Abitur am Königlichen Gymnasium Bonn ab. Im Anschluss studierte er zunächst bei Wilhelm Döringer und Willy Spatz an der Düsseldorfer Kunstakademie, ab dem Sommersemester 1915 an der Universität Bonn Neue Philologie, später auch Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie (zuletzt dort nachweisbar Sommersemester 1918). Nach einer kurzen Zeit an der Universität München wurde H. im Dezember 1919 an der Universität Bonn bei Paul Clemen mit einer Arbeit über „Die Entwicklung des deutschen Ornamentstichs im Zeitalter des Barocks“ promoviert. 1920/1921 absolvierte H. den Vorkurs bei Johannes Itten am Bauhaus in Weimar, wo er sich mit Naum Slutzky befreundete. Anschließend studierte H. noch ein Semester bei Ernst Riegel an der Kunstgewerbeschule in Köln. Nach dieser umfangreichen kunsthistorisch-künstlerischen Ausbildung arbeitete er zunächst als kaufmännischer Angestellter in Köln, später bis 1925 bei der Max Elb AG in Dresden. Seine Museumslaufbahn begann H. im Mai 1925 als unbezahlter Freiwilliger Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Grünen Gewölbe in Dresden. 1927 ging er als sächsischer Stipendiat an das Kunsthistorische Institut in Florenz und unternahm eine Studienreise nach Paris. Bei der Rückkehr nach Dresden im Oktober 1928 wurde er als Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Grünen Gewölbe und Historischen Museum eingestellt. Mit Direktor Erich Haenel arbeitete H. an mehreren Ausstellungen mit, insbesondere 1933 an „August der Starke und seine Zeit“. Die letzte von ihm eigenständig in Dresden kuratierte Ausstellung präsentierte 1943 „Kostbarkeiten des Grünen Gewölbes im Lichtbild“. Neben seiner Museumstätigkeit verfasste H. zahlreiche Aufsätze für Zeitschriften und Dresdner Tageszeitungen, über die barocken Goldschmiedearbeiten Johann Melchior Dinglingers ebenso wie über zeitgenössische Kunst. Ab Januar 1938 übernahm H. die Vertretung Haenels, doch der ersehnte Karriereschub blieb trotz seiner seit 1937 bestehenden NSDAP-Mitgliedschaft aus. Nach seiner 1941 verfassten programmatischen „Denkschrift zur weiteren Führung des Historischen Museums und des Grünen Gewölbes“ wurde H. zwar endlich zum Kustos ernannt, die Museumsleitung wurde ihm allerdings unter Beibehaltung seiner bisherigen Stellung nur kommissarisch übertragen, und zwar im Juli 1942 für das Grüne Gewölbe, im November 1942 für das Historische Museum. Trotz der Verantwortung, die er damit auch für die Bergung beider Sammlungen übernahm, wurde er ab Juli 1944 infolge der kriegsbedingten Personalengpässe tageweise an das Statistische Landesamt abgeordnet. Im September 1944 wurde ihm zusätzlich die kommissarische Leitung des Münzkabinetts übertragen. Damit zeichnete H. für die Betreuung dreier Sammlungen an ihren Auslagerungsorten verantwortlich. Nach der Zerstörung seiner Wohnung bei den Bombenangriffen auf Dresden am 13./14. Februar 1945 ging H. mit seiner Familie zunächst nach Königstein, dem Hauptauslagerungsort des Grünen Gewölbes. Später, vermutlich im April 1945, zog er nach Halsbach bei Freiberg und schließlich zur Familie des befreundeten Künstlers Heinrich Burkhardt nach Altenburg. Dort leitete H. von November 1945 bis Oktober 1946 das Heimatmuseum Poschwitz. Versuche, in Dresden weiter zu arbeiten, sind nicht bekannt. 1947 verließ H. die sowjetische Besatzungszone und zog - gefolgt von seiner Familie - nach Bonn. Dort leitete er ab Oktober 1947 die Städtischen Kunstsammlungen und beteiligte sich am Aufbau des Ausstellungswesens im Rheinland nach dem Krieg. Ab Juni 1957 bis zu seiner regulären Pensionierung im Juli 1961 bekleidete H. den Posten eines Direktors der Städtischen Kunstsammlungen Bonn. Deren Sammlung des Rheinischen Expressionismus erweiterte er maßgeblich, u.a. durch ein Konvolut aus dem Nachlass von August Macke. Seine frühere Publikationstätigkeit setzte H. im Rheinland fort.

Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 13859 Reichsstatthalter (Staatskanzlei), Personalamt, Nr. 3429, 11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Nr. 19192, 22882, 22884, 22891, 22895; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Archiv, 01/PS, 53; Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn, PA 1978/4377, Bd. 1, Pr 42/965, Bd. 1; Bundesarchiv Berlin, R 9361-IX/Kartei/16741264, R 9361-VIII/Kartei/12260507; Amtliche Personal-Verzeichnisse der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn und der Landwirtschaftl. Akademie Bonn-Poppelsdorf für das Sommer-Halbjahr/für das Winter-Halbjahr, Bonn 1915-1918.

Werke Die Entwicklung des deutschen Ornamentstichs im Zeitalter des Barocks, Bonn 1922; Die Bronzen der kurfürstlich sächsischen Kunstkammer zu Dresden, in: Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen 54/1933, Beiheft, S. 45-88; Meisterwerke der Juwelierkunst des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 9/1935, S. 167-182; Sächsische Gläser des Barock, in: Zeitschrift für Kunstwissenschaft 8/1954, H. 1/2, S. 95-124; Lackkunst in Europa, Braunschweig 1958, München 21982; Prachtgefäße, Geschmeide, Kabinettstücke. Goldschmiedekunst in Dresden, Tübingen 1966.

Literatur Karin Müller-Kelwing, Zwischen Kunst, Wissenschaft und Politik. Die Staatlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft in Dresden und ihre Mitarbeiter im Nationalsozialismus, Wien/Köln/Weimar 2020, S. 351-354 . – DBA II.

Porträt Walter Holzhausen, um 1935, Fotografie, Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 13859 Reichsstatthalter (Staatskanzlei), Personalamt, Nr. 3429, o. Pag. (Bildquelle).

Karin Müller-Kelwing
6.8.2021


Empfohlene Zitierweise:
Karin Müller-Kelwing, Walter Holzhausen, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (3.12.2021)

Walter Holzhausen



Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 13859 Reichsstatthalter (Staatskanzlei), Personalamt, Nr. 3429, 11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Nr. 19192, 22882, 22884, 22891, 22895; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Archiv, 01/PS, 53; Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn, PA 1978/4377, Bd. 1, Pr 42/965, Bd. 1; Bundesarchiv Berlin, R 9361-IX/Kartei/16741264, R 9361-VIII/Kartei/12260507; Amtliche Personal-Verzeichnisse der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn und der Landwirtschaftl. Akademie Bonn-Poppelsdorf für das Sommer-Halbjahr/für das Winter-Halbjahr, Bonn 1915-1918.

Werke Die Entwicklung des deutschen Ornamentstichs im Zeitalter des Barocks, Bonn 1922; Die Bronzen der kurfürstlich sächsischen Kunstkammer zu Dresden, in: Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen 54/1933, Beiheft, S. 45-88; Meisterwerke der Juwelierkunst des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 9/1935, S. 167-182; Sächsische Gläser des Barock, in: Zeitschrift für Kunstwissenschaft 8/1954, H. 1/2, S. 95-124; Lackkunst in Europa, Braunschweig 1958, München 21982; Prachtgefäße, Geschmeide, Kabinettstücke. Goldschmiedekunst in Dresden, Tübingen 1966.

Literatur Karin Müller-Kelwing, Zwischen Kunst, Wissenschaft und Politik. Die Staatlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft in Dresden und ihre Mitarbeiter im Nationalsozialismus, Wien/Köln/Weimar 2020, S. 351-354 . – DBA II.

Porträt Walter Holzhausen, um 1935, Fotografie, Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 13859 Reichsstatthalter (Staatskanzlei), Personalamt, Nr. 3429, o. Pag. (Bildquelle).

Karin Müller-Kelwing
6.8.2021


Empfohlene Zitierweise:
Karin Müller-Kelwing, Walter Holzhausen, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (3.12.2021)