Melitta Bentz

Melitta Bentz war eine Frau mit außergewöhnlichem Unternehmergeist und wirtschaftlichem Verständnis, welche sich durch ihre Erfindung des Kaffeefilters emanzipierte und von einer einfachen Hausfrau zur Gründerin des bis heute global tätigen Unternehmens „Melitta“ aufstieg. – Über die Jugend und Ausbildung von Bentz ist wenig bekannt. Als Tochter eines Verlagsbuchhändlers kam sie schon früh mit unternehmerischem Schaffen in Berührung, zu welchem neben dem Vater auch ihr Großvater mütterlicherseits als Inhaber einer Brauerei in Strehla bei Riesa beitrug. Ebenso prägten sie der Innovationsboom sowie der dynamische Wirtschaftsmarkt der Hochindustrialisierung, mit seinen zahlreichen Firmen- und Fabrikgründungen. In der Geburtsurkunde ihres unehelich geborenen Sohns Curt Franz Liebscher wurde sie 1893 als in Stetzsch bei Dresden wohnhafte Putzmacherin bezeichnet und ging demnach einer Arbeit nach, bevor sie 1899 den Kaufmann Hugo Bentz heiratete. – Ihr Ehemann war in Dresden als Kaufmann tätig, ab 1906 als Inhaber einer Haus- und Küchengerätehandlung, ein Bereich, der auch für Bentz zum Tätigkeitsfeld wurde. So veranlassten sie die ihr zugeschriebene Tatkraft und ihr Einfallsreichtum dazu, für alltäglich auftretende Probleme Lösungen zu finden. Neben einem „Fruchtsaft-Apparat“ oder einer „Sparbüchse mit Vexiereinwurf“ entwarf sie ihre wohl bekannteste Erfindung: Einen Kaffeefilter aus Löschpapier samt Messingbecher mit durchlöchertem Boden. – Bentz erwarb im Juli 1908 beim Kaiserlichen Patentamt ein Gebrauchsmuster für ihren „Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem und mit Vertiefung versehenem Boden, sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern“. Dieses Filtersystem und weitere Haushaltswaren vertrieb sie nun in der Firma „M. Bentz, Marschallstraße 31“, welche sie im Dezember 1908 gründete. Sie erwies sich dabei als erstklassige Vertrieblerin. Mit der Vorstellung, der Vermarktung und dem Verkauf ihres Produkts bei Kaffeerunden in den eigenen vier Wänden, praktizierte sie ein bis heute geläufiges Verkaufsmodell und kann somit als Vorreiterin für den heutigen Strukturvertrieb betrachtet werden. Der Kaffeefilter, der anfangs noch in der heimischen Wohnung produziert wurde, fand raschen Anklang. So konnte Bentz bereits auf der Leipziger Messe 1909 zahlreiche Exemplare verkaufen. 1910 erhielt sie für ihre Erfindung Auszeichnungen, z.B. vom sächsischen Gastwirteverein, und wurde auch 1911 auf der Internationalen Hygieneausstellung in Dresden prämiert. Zusätzlich ließ Bentz die Marke „Melitta“ 1911 schützen. – Bentz verstand die Signifikanz von ausgeprägtem Marketing und einer einschlägigen Firmenidentität. Sie entwarf, durch die markant rot-grün Kaffeefilterverpackung, ein Produkt von hohem Wiedererkennungswert und ließ die Farbkombination eintragen und rechtlich sichern. Ihre Firma brachte sie, während ihr Mann und ihre Söhne Militärdienst leisteten, fast gänzlich allein durch die unruhige Zeit des Ersten Weltkriegs. – Ab 1916 fand die Produktion der Kaffeefilter erstmals außerhalb der eigenen Wohnung statt. Das Unternehmen erwarb hierzu Räumlichkeiten auf der Wilder-Mann-Straße in Dresden-Trachau. Bis 1924 stieg die Produktionsfläche durch Anbauten auf insgesamt 800 Quadratmeter, was auf das Wachstum des jungen Unternehmens verweist. 1919 wurde Sohn Willy Bentz Mitinhaber des Unternehmens, das ab 1924 unter dem Namen „Bentz & Sohn OHG“ firmierte und nochmals expandierte. Der Betrieb florierte und siedelte aus Mangel an geeigneten Räumlichkeiten 1929 von Dresden nach Minden in Westfalen über. Bentz und ihr Mann schieden 1932 weitgehend aus dem aktiven Geschäft aus, Bentz blieb jedoch noch als Seniorchefin präsent. Ebenfalls 1932 erhielt die Firma final den ikonischen Namen „Melitta“ und den von Jupp Ernst entwickelten Schriftzug. Während die Unternehmensgeschichte unter der Leitung ihrer Söhne Willy und Horst Bentz weiterhin von einem raschen Wachstum geprägt war, verlaufen sich die Spuren von Bentz. Sie starb 1950 in Holzhausen in der Nähe ihres Lebenswerks, der Firma „Melitta“. – Das Wirken von Bentz wird noch heute in Dresden gewürdigt. Als Erinnerungsort entstand im Zuge der Ausstellung „Frauenorte Sachsen“ eine Stele in Dresden-Trachau, dem ersten Standpunkt der Firma außerhalb der Familienwohnung. Darüber hinaus wurde in der Dresdner Albertstadt 1997 eine Straße nach ihr benannt. Ihr Vermächtnis der Melitta-Gruppe wird in Familienbesitz und nach Leitprinzipien ihrer wegweisenden Innovationskraft weitergeführt.

Quellen Stadtarchiv Dresden, 6.4.25-2.2.2-114 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt II, Personenstandsbuch, Geburtenregister 1904, Nr. 931, 6.4.25-42.2.2-18, Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt Briesnitz, Personenstandsbuch, Geburtenregister 1893, Nr. 57, 6.4.25-46.2.2.-18 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt Cotta, Personenstandsbuch, Geburtenregister 1899, Nr. 553, 6.4.25-46.3.2-18, Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt Cotta, Personenstandsbuch, Eheregister 1899, Nr. 35, 6.4.25-73.4.2-7 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt Stetzsch, Personenstandsbuch, Sterberegister 1911-1920, Nr. 32; Kommunalarchiv Minden, Personenstandsregister des Standesamts Minden, B 58, Heirats-Erstbuch 1931, Nr. 83, C 73/1, Standesamt Minden, Sterbebuch 1946, Nr. 63 (ancestry.de).

Literatur Mechthild Hempe, 100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008; Klaus Gertoberens, Sächsische Erfindungen. 1650 bis heute, Dresden 52023, S. 112-117. – Mechthild Hempe, Melitta Bentz, in: Frauenorte Sachsen.

Porträt Melitta Bentz, Fotografie, via Wikimedia Commons (Bildquelle) [Public Domain Mark 1.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Public Domain Mark 1.0 Lizenz]; Melitta Bentz, Fotografie, in: Mechthild Hempe, 100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 9.

Melissa Mehner
13.3.2026


Empfohlene Zitierweise:
Melissa Mehner, Artikel: Melitta Bentz,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/10875 [Zugriff 14.4.2026].

Melitta Bentz



Quellen Stadtarchiv Dresden, 6.4.25-2.2.2-114 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt II, Personenstandsbuch, Geburtenregister 1904, Nr. 931, 6.4.25-42.2.2-18, Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt Briesnitz, Personenstandsbuch, Geburtenregister 1893, Nr. 57, 6.4.25-46.2.2.-18 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt Cotta, Personenstandsbuch, Geburtenregister 1899, Nr. 553, 6.4.25-46.3.2-18, Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt Cotta, Personenstandsbuch, Eheregister 1899, Nr. 35, 6.4.25-73.4.2-7 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt Stetzsch, Personenstandsbuch, Sterberegister 1911-1920, Nr. 32; Kommunalarchiv Minden, Personenstandsregister des Standesamts Minden, B 58, Heirats-Erstbuch 1931, Nr. 83, C 73/1, Standesamt Minden, Sterbebuch 1946, Nr. 63 (ancestry.de).

Literatur Mechthild Hempe, 100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008; Klaus Gertoberens, Sächsische Erfindungen. 1650 bis heute, Dresden 52023, S. 112-117. – Mechthild Hempe, Melitta Bentz, in: Frauenorte Sachsen.

Porträt Melitta Bentz, Fotografie, via Wikimedia Commons (Bildquelle) [Public Domain Mark 1.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Public Domain Mark 1.0 Lizenz]; Melitta Bentz, Fotografie, in: Mechthild Hempe, 100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 9.

Melissa Mehner
13.3.2026


Empfohlene Zitierweise:
Melissa Mehner, Artikel: Melitta Bentz,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/10875 [Zugriff 14.4.2026].