Marcello Bacciarelli

Marcello Bacciarelli war einer der bedeutendsten Vertreter der italienischen Barockmalerei und des Klassizismus in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Als Folge der sächsisch-polnischen Union prägte er gleichermaßen die Dresdner wie auch die Warschauer Hofkultur. Nach Bacciarellis Mitwirkung an einem großen Kupferstichwerk der Dresdner Gemäldegalerie unter Kurfürst Friedrich August II. (König August III. von Polen) wurde später Warschau zum Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Als königlicher Hofmaler am polnischen Hof unter Stanisław II. August Poniatowski schuf er zahlreiche Portraits der Könige von Polen, stellte die polnische Geschichte bildlich dar und dekorierte die Räume des Königsschlosses in Warschau. – Bacciarelli wurde am 16.2.1731 in Rom als zweiter Sohn von Ortensia Girolama Bacciarelli und Lorenzo Filippo Gasparo Bacciarelli geboren. Vermutlich ebnete sein Vater, der ebenfalls Maler war, den Weg seines Sohns für eine künstlerische Ausbildung, die Bacciarelli in Rom bei Marco Benefial erhielt. – 1750 wurde Bacciarelli durch Carl Heinrich von Heineken, den Direktor des Dresdner Kupferstichkabinetts, an den sächsischen Hof in Dresden unter König August III. berufen, um an einer umfassenden Kupferstichpublikation mitzuwirken, die eine Portraitauswahl der königlichen Gemäldegalerie repräsentieren sollte. In der Residenzstadt lernte er die Miniatur- und Portraitmalerin Friederike Richter kennen, die er 1755 heiratete. Ein Jahr später wurde ihr erster Sohn Federico geboren. Bacciarelli schloss Bekanntschaft mit Christian Ludwig Hagedorn, dem späteren Direktor der Kunstakademie Dresden, und erweiterte seinen Bekanntenkreis durch andere ansässige, einflussreiche Künstler, wie z.B. Pietro Rotari, Johann Joachim Winckelmann, Anton Raphael Mengs und Bernardo Bellotto (gen. Canaletto). Schnell wurde sein Malstil berühmt. Er wurde zu einem der gefragtesten Künstler in Dresden und wiederholt beauftragt, Angehörige des Hofs zu portraitieren. Entscheidend für Bacciarelli sollte jedoch die frühe Bekanntschaft mit Graf Stanisław Antoni Poniatowski werden, dem späteren König von Polen-Litauen, den er vermutlich schon am Beginn seiner Zeit in Dresden kennenlernte und mit dem er sich anfreundete. Mit dem Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs 1756 begleitete der Künstler mit seiner Familie den sächsischen Hof bei dessen Flucht nach Warschau. Auch in der polnischen Residenz wuchs der Ruf Bacciarellis rasch. Neben dem polnischen Hofadel porträtierte er dort vorwiegend die Familie Poniatowski, was die enge Freundschaft zwischen Bacciarelli und dem Graf Poniatowski widerspiegelt. Ferner unterrichtete er in Warschau Malerei. Zu seinen Schülern zählten z.B. Alexander Kucharski und später Kazimierz Wojniakowski. Nach dem Tod Augusts III. kehrte das Künstlerehepaar nicht nach Dresden zurück, sondern zog nach Wien, um die kaiserliche Familie Maria Theresias zu portraitieren. Die Verbindung wurde wahrscheinlich durch Canaletto hergestellt, da dieser bereits zuvor am Wiener Hof tätig war. Gleichzeitig wurde Bacciarelli 1764 zum Professor im Fach der Portraitmalerei an der neu gegründeten Kunstakademie in Dresden berufen und wenig später ernannte man auch seine Ehefrau zum Mitglied der Kunstakademie für das Fach der Miniaturmalerei. Im Sächsischen Hof- und Staatskalender werden beide ab 1765 zwar aufgeführt, jedoch im darauffolgenden Staatshandbuch als abwesend gekennzeichnet. Das Künstlerehepaar war von diesem eigentlich ehrenvollen Angebot aus Sachsen offenbar nicht sonderlich angetan. Bacciarelli bat vielmehr die sächsischen Behörden bereits 1765 um Entlassung, um in die Dienste des neu gewählten Königs von Polen-Litauen Stanisław II. August Poniatowski zu treten. Nach der Beendigung des Auftrags in Wien 1766 verlagerten Bacciarelli und seine Frau ihren Lebensmittelpunkt dementsprechend nach Warschau. Mit der gleichzeitigen Ernennung zum königlichen Hofmaler war Bacciarelli engster Vertrauter des Königs und genoss dadurch viele Privilegien. Das Ehepaar bezog direkt im Warschauer Königsschloss eine Wohnung sowie ein Atelier. Die Residenzstadt Dresden hingegen sahen Bacciarelli und seine Ehefrau nie wieder, obwohl der Maler bis einschließlich 1800 als Professor und seine Ehefrau sogar bis 1806 trotz Abwesenheit Gehalt aus der sächsischen Staatskasse bezogen. – Mit der Beendigung der Ausschmückung des Marmorsaals im königlichen Schloss in Warschau durch eine Porträtgalerie der polnischen Könige verlieh man Bacciarelli 1768 den polnischen Adelstitel, der ihm außerdem einen Landsitz innerhalb Warschaus und die polnische Staatsbürgerschaft einbrachte. Außerdem schlug Papst Pius VI. ihn zum Ritter vom Goldenen Sporn. 1787/1788 wurde Bacciarelli nach Italien und Frankreich gesandt, um den Kontakt zu anderen berühmten Künstlern zu pflegen und Gemälde für den polnischen König einzukaufen. Zeitgleich war der Künstler bis 1809 Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Auch nach den drei Teilungen Polens und der darauffolgenden Abdankung Stanisław II. August Poniatowski 1795 stand Bacciarelli weiterhin in dessen Dienst. Noch im Exil 1795 in Grodno (Weißrussland) dirigierte Poniatowski Aufträge für den in Warschau zurückgebliebenen Maler. Zuletzt sahen sich beide 1797, bevor wenig später der ehemalige polnische König durch Zarin Katharina II. nach St. Petersburg (russ. Sankt-Peterburg) gebracht wurde und dort ein Jahr später verstarb. – Nach dem Übergang Warschaus an Preußen versuchte Bacciarelli seine Stellung als angesehener Maler zu halten und wurde als Mitglied der dortigen Akademie der Bildenden Künste beschäftigt. Auch die Beziehung zum sächsischen Hof war wohl nicht gänzlich abgerissen. Denn Bacciarelli schuf ein Portrait des sächsischen Königs Friedrich August I., das von ca. 1808 und damit aus der Zeit nach dessen Ernennung zum Herzog von Warschau stammt. Ein Jahr vor seinem Tod 1818 wurde Bacciarelli zum ersten Dekan der Fakultät der Schönen Künste der neu errichteten Universität Warschau ernannt. Bacciarielli wurde zunächst auf dem Ujazdów-Friedhof beigesetzt, später jedoch in die Johanniskathedrale umgebettet. Sein Sohn Federico wurde als Maler und Komponist ausgebildet, fungierte jedoch hauptsächlich als polnischer Diplomat. Er überlebte seinen Vater neun Jahre und verstarb ebenfalls in Warschau. – Bacciarellis Portraitgemälde und Fresken werden in verschiedenen Künstlerlexika als korrekte Zeichnungen mit einem frischen Kolorit bezeichnet. Die Darstellung der abgebildeten Personen sei elegant und anmutig, die Wandmalereien monumental und reich an Attributen. Im Fach der Portraitmalerei war er wohl einer der besten Künstler des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, was durch die Ernennung zum Professor an der Dresdner Kunstakademie bestätigt wurde. Sein Stil der Portraitmalerei setzte sich auch in Warschau durch. Als königlicher Hofmaler wurde er mit dem Dekorieren des Marmorsaals, Rittersaals, Konzertsaals und sogar des Schlafzimmers im Königsschloss beauftragt. Zudem erweiterte Bacciarelli seine Fähigkeiten von der Portraitmalerei hin zum Malen allegorischer Szenen der polnischen Geschichte, die er in Wand- und Deckenfreskos ausführte. 1791 bis 1793 widmete er sich der Ausschmückung des Łazienki-Palasts, wobei er die biblische Geschichte des Königs Salomon verbildlichte. In seiner charakteristischen leichten und feinen Maltechnik sowie einer zugleich reduzierten, aber aussagekräftigen Farbskala bildete er überwiegend die am Hof getragene englische Mode ab. Während ein großer Teil seiner Gemälde erhalten geblieben ist, wurden seine monumentalen Werke durch die Zerstörung Warschaus 1945 weitgehend vernichtet. Heute erinnert eine Tafel auf dem Warschauer Schlossplatz an den Künstler und weist dabei ausschließlich auf sein Wirken in Polen hin, während Bacciarelli in Sachsen weitgehend vergessen zu sein scheint.

Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11126 Kunstakademie Dresden, Nr. 001; Königlich-Polnischer und Churfürstlich Sächsischer Hoff- und Staats-Calender 1765-1806; Carl Heinrich von Heinecken, Recueil d‘estampes d‘apres les plus celebres Tableaux de la Galerie Royale de Dresde, Bd. 2, Dresden 1757; ders., Marcello Bacciarelli, in: Nachrichten von Künstlern und Kunst-Sachen 1/1768, S. 216f.

Werke Heinrich Graf von Brühl, 1753, Öl auf Leinwand, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister; Izabela Poniatowska, Schwester des späteren Königs Stanisław II. August Poniatowski, um 1758, Öl auf Leinwand, Nationalmuseum Breslau; Erzherzogin Maria Christine, um 1766, Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien; Porträt von König Stanisław II. August Poniatowski in Krönungskleidung, 1768-1771, Öl auf Leinwand, Warschau, Königsschloss; Bolesław I. Chrobry, 1768-1771, Öl auf Kupferplatte, ebd.; König Friedrich August I. von Sachsen, Herzog von Warschau, um 1808, Öl auf Leinwand, Nationalmuseum Warschau.

Literatur Richard Muther, Anton Graff. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts, Leipzig 1881; Alina Chyczewska, Marcello Bacciarelli, 1731-1818, Breslau 1973; Jerzy Lileyko, Das Königsschloß in Warschau, Warschau 1981; Stella Rudolph, La pittura del ’700 a Roma, Mailand 1983, S. 747; Andrzej Pieńkos/Mariusz Smoliński (Hg.), Intorno a Marcello Bacciarelli. Italiani nella Varsavia dei Lumi, Warschau 2019. – AKL, Bd. 6, München/Leipzig 1992, S. 122f.; Thieme/Becker, Bd. 2, Leipzig 1999, S. 306; Heinrich August Pierer (Hg.), Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit, Bd. 2, Altenburg 41857, S. 122; Polski Słownik Biograficzny, Bd. 1, Krakau 1935, S. 198-200.

Porträt Selbstporträt im braunem Anzug, Marcello Bacciarelli, 1793, Öl auf Leinwand, Nationalmuseum Warschau, Inventar-Nr. MP 313, via Wikimedia Commons (Bildquelle) [Public Domain Mark 1.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Public Domain Mark 1.0 Lizenz].

Christoph Sauer
19.12.2025


Empfohlene Zitierweise:
Christoph Sauer, Artikel: Marcello Bacciarelli,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/22327 [Zugriff 6.2.2026].

Marcello Bacciarelli



Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 11126 Kunstakademie Dresden, Nr. 001; Königlich-Polnischer und Churfürstlich Sächsischer Hoff- und Staats-Calender 1765-1806; Carl Heinrich von Heinecken, Recueil d‘estampes d‘apres les plus celebres Tableaux de la Galerie Royale de Dresde, Bd. 2, Dresden 1757; ders., Marcello Bacciarelli, in: Nachrichten von Künstlern und Kunst-Sachen 1/1768, S. 216f.

Werke Heinrich Graf von Brühl, 1753, Öl auf Leinwand, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister; Izabela Poniatowska, Schwester des späteren Königs Stanisław II. August Poniatowski, um 1758, Öl auf Leinwand, Nationalmuseum Breslau; Erzherzogin Maria Christine, um 1766, Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien; Porträt von König Stanisław II. August Poniatowski in Krönungskleidung, 1768-1771, Öl auf Leinwand, Warschau, Königsschloss; Bolesław I. Chrobry, 1768-1771, Öl auf Kupferplatte, ebd.; König Friedrich August I. von Sachsen, Herzog von Warschau, um 1808, Öl auf Leinwand, Nationalmuseum Warschau.

Literatur Richard Muther, Anton Graff. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts, Leipzig 1881; Alina Chyczewska, Marcello Bacciarelli, 1731-1818, Breslau 1973; Jerzy Lileyko, Das Königsschloß in Warschau, Warschau 1981; Stella Rudolph, La pittura del ’700 a Roma, Mailand 1983, S. 747; Andrzej Pieńkos/Mariusz Smoliński (Hg.), Intorno a Marcello Bacciarelli. Italiani nella Varsavia dei Lumi, Warschau 2019. – AKL, Bd. 6, München/Leipzig 1992, S. 122f.; Thieme/Becker, Bd. 2, Leipzig 1999, S. 306; Heinrich August Pierer (Hg.), Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit, Bd. 2, Altenburg 41857, S. 122; Polski Słownik Biograficzny, Bd. 1, Krakau 1935, S. 198-200.

Porträt Selbstporträt im braunem Anzug, Marcello Bacciarelli, 1793, Öl auf Leinwand, Nationalmuseum Warschau, Inventar-Nr. MP 313, via Wikimedia Commons (Bildquelle) [Public Domain Mark 1.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Public Domain Mark 1.0 Lizenz].

Christoph Sauer
19.12.2025


Empfohlene Zitierweise:
Christoph Sauer, Artikel: Marcello Bacciarelli,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/22327 [Zugriff 6.2.2026].