Johann Hercules Samuel Torniamenti

Giovanni Torniamenti gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den innovativsten und prominentesten Gastronomen Dresdens. Die Entwicklung der Restaurantkultur in der Residenzstadt prägte er maßgeblich mit. – Am 18.5.1830 kam Torniamenti mit 26 Jahren aus Induno/Lombardei (Italien) nach Dresden. Als Immigrant wurde ihm die Integration von den Dresdner Behörden und der Konkurrenz anfangs erschwert. Zwar fand er schnell eine Anstellung im Café l’Europe am Dresdner Altmarkt, das vom renommierten Konditormeister August Baldini nach Vorbild der Kaffeehäuser in Paris und Wien betrieben wurde, seinen Heiratswunsch mit der Dresdnerin Mathilde Füßel lehnte der Rat der Stadt Dresden jedoch vorerst ab. Ein gemeinsames Kind wurde daher unehelich geboren. Der Rat genehmigte die Hochzeit erst, als Torniamenti im Sommer 1836 als Haushofmeister eines Grafen Stroganoff auf Reisen ging. Das Kind sollte als Erbe legitimiert werden. Nach seiner Rückkehr wollte Torniamenti eine Konditorei in einem Ladenlokal in der Dresdner Frauengasse eröffnen. Dieser Plan scheiterte jedoch am Widerstand der Innungsmitglieder, die ihm in einem Brief an die Dresdner Stadtverwaltung die Geschäftsfähigkeit absprachen. Erst nachdem Torniamenti diese im Rahmen der Vertretung eines Kollegen bewiesen hatte, erhielt er am 13.7.1840 die Konzession für den Betrieb eines eigenen Unternehmens. Die Verleihung des dafür ebenfalls notwendigen Bürgerrechts erfolgte am 8.8.1840. Endlich konnte Torniamenti das Café de la ville Milan am Jüdenhof eröffnen. Auch dort erregte er schnell den Unmut seiner Konkurrenz, als er warme Gerichte auf gehobenem Niveau anbot. Er schloss damit eine kulinarische Lücke zwischen den gehobenen Dresdner Restaurants, die v.a. Menüs servierten, und Cafés, die v.a. Konditoreiwaren und Eis anboten. Die Sonderkonzession für den Verkauf warmer Speisen im Café de Milan wurde ihm nachträglich ausgestellt. Am 1.2.1841 übernahm Torniamenti schließlich von Baldini den Pachtvertrag mit dem sächsischen Königshaus für das Café auf der Brühlschen Terrasse. Dieses wurde 1842 mit dem Bau eines neuen Gebäudes, entworfen von Hofbaumeister Otto von Wolframsdorf, modernisiert. Das als Café Reale bekannte Etablissement entwickelte sich unter Torniamentis Bewirtschaftung zu einem der beliebtesten Treffpunkte der vornehmen Dresdner Gesellschaft. Seinen Gästen, wie u.a. Karl von Weber in seinem Tagebuch erwähnte, bot der Gastronom Konditoreiwaren, Kaffee, Tee, Dessertweine und Eis an. Das Servieren warmer oder kalter Gerichte im Café Reale war ihm untersagt. Mit dem Verkauf von eigentlich nicht erlaubten herzhaften Pasteten, für die er in ganz Dresden berühmt war, gelang es Torniamenti erneut, die behördlichen Auflagen auf kreative Weise zu ignorieren. Nähere Angaben zu Torniamentis kulinarischer Expertise sind aufgrund der Quellenlage nicht möglich, z.B. sind keine Rezepte des Konditors überliefert. Torniamenti pachtete das Café Reale bis 1886, danach wurde das Gebäude zugunsten der Kunstakademie abgetragen. Am 12.1.1890 starb Torniamenti in Serkowitz und wurde auf dem Alten katholischen Friedhof in Dresden bestattet.

Quellen Stadtarchiv Dresden, 2.1.3. C.XXI.20/116 Kirchliche Wochenzettel/Trauungen, Taufanzeigen u. Sterbefälle 1838, C.XXI.20/120 1841, C.XXI.20/149 1864, 6.4.25-1.3.2-8, Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt I, Personenstandsbuch, Eheregister 1879, Nr. 495 (ancestry.de), 2.3.9 Gewerbeamt A, Bürger und Gewerbeakten, Nr. T. 2090; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10711 Ministerium des Königlichen Hauses, Loc. 31, Nr. 5, 10, Loc. 34, Nr. 02, 12801 Personennachlass Carl von Weber, Tagebuch, Bd. 1, 6.7.1834, 13.6.1836, 4.8.1842, Bd. 2, 23.6.1848, Bd. 3, 14.11.1850.

Literatur Die Pastetenapotheke auf der Brühlschen Terrasse. Zur 100jährigen Erinnerung an die Eröffnung der Konditorei Torniamenti. 1830-2. April 1930, in: Dresdner Neueste Nachrichten 23.3.1930, Nr. 139, S. 9; Gudrun Schlechte, Der alte katholische Friedhof in der Friedrichstadt zu Dresden, Dresden 2004, S. 150f.; Andreas Them, Der Kaffeetempel des Italieners Torniamenti, in: Sächsische Zeitung 24.11.2008, S. 19; Manfred Wille, Dresdner Gastlichkeit - von den Anfängen bis in die Gegenwart. Kleine Kulturgeschichte des Gastgewerbes in Dresden, Dresden 2008, S. 89-92; Marco Iwanzeck, Dresden à la carte. Entstehung und kulinarische Einordnung der Restaurantkultur 1800 bis 1850, Ostfildern 2016, S. 112-117; Josef Matzerath, Die Gewerbeakte Torniamenti. Ein Dresdner Konditor aus der Lombardei, in: in civitate nostra Dreseden. Verborgenes aus dem Stadtarchiv, hrsg. vom Stadtarchiv Dresden, Dresden 2017, S. 71-75.

Porträt Johann Samuel Hercules Torniamenti, um 1860, Fotografie, Museen der Stadt Dresden, Stadtmuseum Dresden, Inventar-Nr. SMD_PhP_02436 (Bildquelle) [CC BY-NC-SA 4.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License].

Mario Kliewer
6.3.2026


Empfohlene Zitierweise:
Mario Kliewer, Artikel: Johann Hercules Samuel Torniamenti,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/25477 [Zugriff 28.3.2026].

Johann Hercules Samuel Torniamenti



Quellen Stadtarchiv Dresden, 2.1.3. C.XXI.20/116 Kirchliche Wochenzettel/Trauungen, Taufanzeigen u. Sterbefälle 1838, C.XXI.20/120 1841, C.XXI.20/149 1864, 6.4.25-1.3.2-8, Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt I, Personenstandsbuch, Eheregister 1879, Nr. 495 (ancestry.de), 2.3.9 Gewerbeamt A, Bürger und Gewerbeakten, Nr. T. 2090; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10711 Ministerium des Königlichen Hauses, Loc. 31, Nr. 5, 10, Loc. 34, Nr. 02, 12801 Personennachlass Carl von Weber, Tagebuch, Bd. 1, 6.7.1834, 13.6.1836, 4.8.1842, Bd. 2, 23.6.1848, Bd. 3, 14.11.1850.

Literatur Die Pastetenapotheke auf der Brühlschen Terrasse. Zur 100jährigen Erinnerung an die Eröffnung der Konditorei Torniamenti. 1830-2. April 1930, in: Dresdner Neueste Nachrichten 23.3.1930, Nr. 139, S. 9; Gudrun Schlechte, Der alte katholische Friedhof in der Friedrichstadt zu Dresden, Dresden 2004, S. 150f.; Andreas Them, Der Kaffeetempel des Italieners Torniamenti, in: Sächsische Zeitung 24.11.2008, S. 19; Manfred Wille, Dresdner Gastlichkeit - von den Anfängen bis in die Gegenwart. Kleine Kulturgeschichte des Gastgewerbes in Dresden, Dresden 2008, S. 89-92; Marco Iwanzeck, Dresden à la carte. Entstehung und kulinarische Einordnung der Restaurantkultur 1800 bis 1850, Ostfildern 2016, S. 112-117; Josef Matzerath, Die Gewerbeakte Torniamenti. Ein Dresdner Konditor aus der Lombardei, in: in civitate nostra Dreseden. Verborgenes aus dem Stadtarchiv, hrsg. vom Stadtarchiv Dresden, Dresden 2017, S. 71-75.

Porträt Johann Samuel Hercules Torniamenti, um 1860, Fotografie, Museen der Stadt Dresden, Stadtmuseum Dresden, Inventar-Nr. SMD_PhP_02436 (Bildquelle) [CC BY-NC-SA 4.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License].

Mario Kliewer
6.3.2026


Empfohlene Zitierweise:
Mario Kliewer, Artikel: Johann Hercules Samuel Torniamenti,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/25477 [Zugriff 28.3.2026].