Johann Gottlieb Beckmann
Mitte des 18. Jahrhunderts übernahmen zahlreiche Waldhüter und die Jägerschaft in Deutschland auch Aufgaben der Waldpflege, Holzernte und Walderneuerung. Unter diesen „holzgerechten Jägern“ war Johann Gottlieb Beckmann der weitaus bedeutendste Vertreter. – Über Beckmanns Kindheit und Schulzeit ist bisher nichts bekannt. Die Jägerlehre absolvierte er offensichtlich bei seinem Vater, der Gräflich Schönburg-Lichtensteinischer Jäger war. Danach war Beckmann 1713 bis 1754 zuerst Jäger und dann Oberförster bei Wilhelm Heinrich Graf von Schönburg-Lichtenstein und Friedrich Albert Graf von Schönburg-Hartenstein in deren verschiedenen Herrschaften. 1749 bis 1751 wurde Beckmann auch als „Wege-Pächter“ im Amt Lichtenstein tätig und soll 1752 bei dem zur Schönburgischen Herrschaft Stein gehörigen Revier Rüsdorf die Jagdgrenze nicht beachtet haben. Ob die Verfolgung von angeschossenem Wild mit dem Schweißhund der Anlass dafür war, muss offenbleiben. Danach war Beckmann 1754 bis 1757 Assistent des Holzförsters Heinrich Wilhelm Döbel - einer seiner literarischen Gegner - beim kursächsischen Kreishauptmann Peter Freiherr von Hohenthal in dessen Rittergutsforsten
Schmerkendorf und
Falkenberg/Elster im Amt
Liebenwerda. 1759 übernahm er die vollen Dienstgeschäfte von Döbel, der nach langer Krankheit am 14.6.1759 in Schmerkendorf verstorben war. In der Torgauer Heide wollte Beckmann solche Forstorte besäen und in Schonung legen, die bisher als Viehtrift von dazu berechtigten Dorfschaften in Anspruch genommen wurden. Nach Beschwerden von Weideberechtigten gegen ein dort deshalb von ihm verhängtes Weideverbot kehrte Beckmann 1760 nach Lichtenstein zurück. 1764 wechselte er nach Wolkenburg/Mulde in den Dienst des kursächsischen Kammerherrn Detlev Carl Graf von Einsiedel zu Wolkenburg, der ihn zum Forstinspektor beförderte. – Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts begannen Jagdbeflissene - sog. hirschgerechte Jäger - in den Adels- und Rittergutsforsten sich mehr und mehr neben der Jagd auch für die forstwirtschaftlichen Belange der Wälder zu interessieren und wurden in der Folge als „holzgerechte Jäger“ in der Literatur bezeichnet. Zu diesen gehörte an führender Stelle Johann Gottlieb Beckmann. Sein praktisches Fachwissen als forstlicher Autodidakt verdankte er v.a. seiner guten Beobachtungsgabe. Schon 1756 erschien sein Buch über die Holzsaat, in dem er seine diesbezüglichen Versuche und Erfahrungen in seiner erzgebirgischen Heimat um Lichtenstein zusammenfasste. Es folgten von ihm in kurzen Abständen 1758 und 1763, als Teile 2 und 3 zum Buch über die Holzsaat, zwei weitere Werke zu den Themen Forstwirtschaft und Forstwissenschaft, wobei Beckmann unter Forstwissenschaft nur die damalige forstliche Praxis verstanden wissen wollte. Alle drei Bücher erlebten zahlreiche Auflagen, die im ganzen deutschsprachigen Raum große Verbreitung fanden. Sie wurden zeitnah mit zahlreichen Rezensionen bedacht, die seine umfangreichen Versuche und Erfahrungen zur Holzsaat im Erzgebirge würdigten. In
Zürich erschien schon 1760 eine gekürzte Ausgabe von Beckmanns Erstauflage von 1756 und noch 1793 übernahm das böhmische Fürstlich Liechtensteinische Forstamt Schwarzkosteletz (tschech. Kostelec nad Černými lesy) große Teile davon im Neudruck als Lehrbuch „für die im Waldwesen unwissenden Jäger, hauptsächlich aber für deren Lehrjungen“. Beckmann konstruierte für die Gewinnung von Nadelholzsaatgut eine hölzerne Buberte (d.h. Samenklenge). Der Lichtensteiner Arzt Carl Gottlieb Grote wandte sich 1766 an Beckmann um Hilfe bei dem Anbau von Lärchen, für deren Anzuchtmethoden damals noch keine brauchbaren Hinweise bekannt waren. Beckmann vertrieb auch Saatgut verschiedener Baumarten und inserierte diese Angebote in seinen Büchern. Als Fachmann der Nadelholzsaat gab er 1763 auf briefliche Anfragen aus Niederösterreich, Franken, Thüringen und Schwaben seine Erfahrungen aus dem praktischen Forstdienst weiter. Im Mai 1764 wurde Beckmann als „Ordentliches Mitglied Nr. 29“ in die Leipziger Ökonomische Sozietät aufgenommen. Er gab noch im gleichen Jahr mit Unterstützung dieser wissenschaftlichen Gesellschaft einen „Forst-Calender“ heraus, der eine Zusammenstellung forstlicher Arbeiten durch das Jahr beinhaltete und eine große Verbreitung und gute Kritiken fand. Später brachten auch zahlreiche andere Autoren Bücher dieses Typs heraus. – Beckmanns Werke behandelten die damals besten Regeln für die Holzsaat und zur pfleglichen Behandlung der Waldungen. Seine oft sehr kritischen Urteile zu Publikationen von Fachkollegen brachten ihm jedoch einige Probleme in den öffentlich geführten Fachdiskussionen ein.
Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Chemnitz, 30023 Amt Zwickau, Nr. 2699, 30593 Herrschaft Waldenburg, Nr. 1958; Ev.-luth. Pfarramt Liechtenstein/Sachsen, Amtshandlungsbuch Lichtenstein III, S. 472, Taufen Nr. 16/1696, Amtshandlungsbuch III, S. 602, Trauungen Nr. 3/1719; Kirchenbuch Lichtenstein 1769-1799, Gestorbene und Begrabene 1769, S. 1, Nr. 10. – Johann Jacob Büchting, Kurzgefaßter Entwurf der Jägerey, oder Gründliche Anweisung zu denen Wissenschaften die einem Jagd- und Forst-Gerechten Jäger zu wissen nöthig sind, Halle/Saale 1756; Julius Ernst Schütz, Zufällige Gedanken, über J. G. Beckmanns gegründete Versuche von der nöthigen Holzsaat, in: Ders. (Hg.), Oeconomische Bedenken über allerhand in die Hauswirthschaft einschlagende Sachen, Chemnitz 1757, S. 18-23; Heinrich Wilhelm Döbel, Anmerkungen zu des Herrn Johann Gottlieb Beckmanns gegründeten Versuchen und Erfahrungen von der Holzsaat, so zu Chemnitz 1756 gedruckt worden, in: Oeconomische Nachrichten 9/1757, 105.-106. Stück, S. 610-678; Leontzi Ursprung von Buchenblock, Abgekürzter und in hiesige Mundart übergebrachter Auszug des in der Forstwissenschaft erlauchten Herrn J. G. Beckmanns fürtreflicher Beschreibung der Holzsaat, Zürich 1760; Heinrich Wilhelm Döbel, Letzte Beantwortung desjenigen, so wider ihn Herr Beckmann in der zweyten Auflage seines Werkes von der Holzanpflanzung bekannt gemacht, in: Oeconomische Nachrichten, 15/1763, 178.-180. Stück, S. 582-800; Johann Jacob Büchting, Gegründete Beurtheilung und Anmerkungen über des Herrn J. G. Beckmanns Hochgräfl. Jägers zu Lichtenstein, herausgegebenen Schriften von der Holzsaat, Forstwirthschaft und Beyträge zur Forstwissenschaft, Halle/Saale 1765; Allgemeines oeconomisches Forst-Magazin … 8/1766, S. 357; Neue Zeitungen von Gelehrten Sachen 1756, Nr. XCIX, S. 883-885, 1764, Nr. XIX, S. 151, 1766, Nr. IV, S. 29f.
Werke Gegründete Versuche und Erfahrungen von der zu unsern Zeiten höchst nöthigen Holzsaat, Chemnitz 1756 [ND Remagen-Oberwinter 2024]; Anweisung zu einer pfleglichen Forstwirthschaft zum allgemeinen Besten und als ein Zweyter Theil seiner Versuche von der Holzsaat, Chemnitz 1758, 21759; Beyträge zur Verbesserung der Forstwissenschaft, als einen Dritten Theil der Versuche von der Holzsaat zum allgemeinen Besten, Chemnitz 1763; Forst-Calender oder Verzeichniß derer Verrichtungen, die einem Förster in jedem Monate vorzüglich obliegen, Leipzig 1764-1768.
Literatur Andreas Friedrich Beckmann (Hg.), Einige Anmerckungen über des Herrn J. J. Büchtings … Gegründete Beurtheilung und Anmerckungen über des Herrn J. G. Beckmanns … heraus gegebene Schrifften von der Holtzsaat = Forstwissenschafft ec. zu billiger Vertheidigung des seel. verstorbenen Verfassers gedachter Schrifften, Chemnitz 1770; Melchior Christian Käpler, Gründliche Anleitung zu mehrerer Erkenntniß und Verbesserung des Forstwesens …, Eisenach 21776, S. 365; ders., Erläuterung einiger Säze über die Beckmannischen Schriften von der Holzsaat, Eisenach 1779; August Bernhardt, Geschichte des Waldeigenthums, der Waldwirthschaft und Forstwissenschaft in Deutschland, Bd. 2, Berlin 1874, S. 86; Lenka Vodrážková, Zu einem deutsch-tschechischen Hand- und Lehrbuch (1793), in: Acta Facultatis Philosophicae Universitatis Ostraviensis, Studia Germanistica 2017, Nr. 20, S. 87-95; Bernd Bendix, Einführung, in: Johann Gottlieb Beckmann, Gegründete Versuche und Erfahrungen von der zu unsern Zeiten höchst nöthigen Holzsaat …, Chemnitz 21758, hrsg. von Bernd Bendix, Remagen-Oberwinter 2024, S. V-XXVII. – ADB 2, S. 238; DBA I.
Bernd Bendix
9.12.2025
Empfohlene Zitierweise:
Bernd Bendix, Artikel: Johann Gottlieb Beckmann,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/418 [Zugriff 7.2.2026].
Johann Gottlieb Beckmann
Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Chemnitz, 30023 Amt Zwickau, Nr. 2699, 30593 Herrschaft Waldenburg, Nr. 1958; Ev.-luth. Pfarramt Liechtenstein/Sachsen, Amtshandlungsbuch Lichtenstein III, S. 472, Taufen Nr. 16/1696, Amtshandlungsbuch III, S. 602, Trauungen Nr. 3/1719; Kirchenbuch Lichtenstein 1769-1799, Gestorbene und Begrabene 1769, S. 1, Nr. 10. – Johann Jacob Büchting, Kurzgefaßter Entwurf der Jägerey, oder Gründliche Anweisung zu denen Wissenschaften die einem Jagd- und Forst-Gerechten Jäger zu wissen nöthig sind, Halle/Saale 1756; Julius Ernst Schütz, Zufällige Gedanken, über J. G. Beckmanns gegründete Versuche von der nöthigen Holzsaat, in: Ders. (Hg.), Oeconomische Bedenken über allerhand in die Hauswirthschaft einschlagende Sachen, Chemnitz 1757, S. 18-23; Heinrich Wilhelm Döbel, Anmerkungen zu des Herrn Johann Gottlieb Beckmanns gegründeten Versuchen und Erfahrungen von der Holzsaat, so zu Chemnitz 1756 gedruckt worden, in: Oeconomische Nachrichten 9/1757, 105.-106. Stück, S. 610-678; Leontzi Ursprung von Buchenblock, Abgekürzter und in hiesige Mundart übergebrachter Auszug des in der Forstwissenschaft erlauchten Herrn J. G. Beckmanns fürtreflicher Beschreibung der Holzsaat, Zürich 1760; Heinrich Wilhelm Döbel, Letzte Beantwortung desjenigen, so wider ihn Herr Beckmann in der zweyten Auflage seines Werkes von der Holzanpflanzung bekannt gemacht, in: Oeconomische Nachrichten, 15/1763, 178.-180. Stück, S. 582-800; Johann Jacob Büchting, Gegründete Beurtheilung und Anmerkungen über des Herrn J. G. Beckmanns Hochgräfl. Jägers zu Lichtenstein, herausgegebenen Schriften von der Holzsaat, Forstwirthschaft und Beyträge zur Forstwissenschaft, Halle/Saale 1765; Allgemeines oeconomisches Forst-Magazin … 8/1766, S. 357; Neue Zeitungen von Gelehrten Sachen 1756, Nr. XCIX, S. 883-885, 1764, Nr. XIX, S. 151, 1766, Nr. IV, S. 29f.
Werke Gegründete Versuche und Erfahrungen von der zu unsern Zeiten höchst nöthigen Holzsaat, Chemnitz 1756 [ND Remagen-Oberwinter 2024]; Anweisung zu einer pfleglichen Forstwirthschaft zum allgemeinen Besten und als ein Zweyter Theil seiner Versuche von der Holzsaat, Chemnitz 1758, 21759; Beyträge zur Verbesserung der Forstwissenschaft, als einen Dritten Theil der Versuche von der Holzsaat zum allgemeinen Besten, Chemnitz 1763; Forst-Calender oder Verzeichniß derer Verrichtungen, die einem Förster in jedem Monate vorzüglich obliegen, Leipzig 1764-1768.
Literatur Andreas Friedrich Beckmann (Hg.), Einige Anmerckungen über des Herrn J. J. Büchtings … Gegründete Beurtheilung und Anmerckungen über des Herrn J. G. Beckmanns … heraus gegebene Schrifften von der Holtzsaat = Forstwissenschafft ec. zu billiger Vertheidigung des seel. verstorbenen Verfassers gedachter Schrifften, Chemnitz 1770; Melchior Christian Käpler, Gründliche Anleitung zu mehrerer Erkenntniß und Verbesserung des Forstwesens …, Eisenach 21776, S. 365; ders., Erläuterung einiger Säze über die Beckmannischen Schriften von der Holzsaat, Eisenach 1779; August Bernhardt, Geschichte des Waldeigenthums, der Waldwirthschaft und Forstwissenschaft in Deutschland, Bd. 2, Berlin 1874, S. 86; Lenka Vodrážková, Zu einem deutsch-tschechischen Hand- und Lehrbuch (1793), in: Acta Facultatis Philosophicae Universitatis Ostraviensis, Studia Germanistica 2017, Nr. 20, S. 87-95; Bernd Bendix, Einführung, in: Johann Gottlieb Beckmann, Gegründete Versuche und Erfahrungen von der zu unsern Zeiten höchst nöthigen Holzsaat …, Chemnitz 21758, hrsg. von Bernd Bendix, Remagen-Oberwinter 2024, S. V-XXVII. – ADB 2, S. 238; DBA I.
Bernd Bendix
9.12.2025
Empfohlene Zitierweise:
Bernd Bendix, Artikel: Johann Gottlieb Beckmann,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/418 [Zugriff 7.2.2026].