Johann Friedrich Mende

M. wurde von seinen bergbauenden Zeitgenossen hochgeschätzt. Mit ihm fing eine neue Epoche des sächsischen Bergmaschinenwesens an. Sein Erfindungsreichtum, verbunden mit gründlichen mathematischen Kenntnissen und wissenschaftlicher Bildung sowie praktischen Fertigkeiten und Erfahrungen, machte ihn zu einem der ausgezeichnetsten Baumeister und Maschinisten in den Bergbauregionen des Erzgebirges und des Harzes. – M. wurde in Körba im kursächsischen Amt Schlieben geboren und am 5.10.1743 in der Körbaer Kirche getauft. M. wurde in eine Familie von Wassermüllern hineingeboren. Sein Vater Gottfried war Müllermeister wie auch der Großvater Christian. Sein Vater scheint in den 1750er-Jahren den Arbeitsort gewechselt zu haben, von der Wassermühle Körba ins benachbarte Lebusa, zuerst eventuell auf die Vordere Mühle, dann auf die Hintermühle seines Taufpaten. Die Hintermühle brannte im Siebenjährigen Krieg ab. Von diesem Unglück stark belastet, starben M.s Eltern schon 1761 bzw. 1762, sodass er während seiner auswärtigen Schulzeit Waise wurde. Die Grundlagen seiner Bildung erhielt M. wohl an der Lebusaer Dorfschule. Anschließend hat er wahrscheinlich einen Beruf erlernt - eine Lehre als Müller scheint wahrscheinlich - oder eine andere, technisch orientierte Ausbildung erhalten. Schließlich kam M. mit 17 Jahren am 12.4.1760 auf das Lyzeum im damals zum sächsischen Teil des Markgraftums Niederlausitz gehörigen Luckau, das er bis 1764 besuchte. Noch als Primaner eingeschrieben, versah er die Stelle eines Feldvermessers im sächsischen Amt Dahme. Schon in Luckau erregte M.s erstaunliche mathematische Begabung Aufmerksamkeit. Deshalb wundert es nicht, dass er ursprünglich an der Universität Leipzig Mathematik studieren wollte. Er ging jedoch aus unbekanntem Grund zunächst zum Ingenieurdienst nach Dresden. Von dort aus schrieb er am 24.11.1766 einen Bittbrief an den Administrator des Kurfürstentums Sachsen Xaver, zwecks Aufnahme in die Bergakademie Freiberg. – Um an der neu gegründeten Hochschule aufgenommen zu werden, musste M. eine Aufnahmeprüfung bestehen und selbstgefertigte Modelle von Maschinen oder technischen Vorrichtungen vorstellen. M. konstruierte hierzu eine von ihm weiterentwickelte Feilenhaumaschine. Der Oberkonsistorialvizepräsident Peter Freiherr von Hohenthal vermittelte den mittlerweile 24-Jährigen 1767 an die Bergakademie Freiberg. Als 20. Student der Universität absolvierte er im zweiten Lehrgang mit nur vier weiteren Studenten Vorlesungen in den Fächern Bergbaukunde, Mechanik, Metallurgische Chemie und Hüttenkunde, Probierkunde, Mineralogie, Markscheidekunde, Reine Mathematik, Risszeichnen sowie Gerätebau. Zu seinen Lehrern gehörte u.a. Johann Friedrich Wilhelm von Charpentier. – Bereits als Student durfte M. 1767 eine Studienreise in den Harz unternehmen, um das Bergmaschinenwesen näher kennenzulernen. Daraufhin wurde er als Mechaniker bezeichnet. Am 28.2.1770 erfolgte seine Ernennung zum Kunstmeister bei allen Bergämtern, mit Sitz und Stimme gleich den Vizegeschworenen. 1776 fuhr M. mit Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra und Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach in die Bergwerke bei Ilmenau ein, um Möglichkeiten zu ihrer Ertüchtigung zu untersuchen. Der mittlerweile weithin bekannte M. lehnte 1788 einen Ruf der Zarin Katharina II. nach Russland ab. Kurfürst Friedrich August III. (Friedrich August I., der Gerechte) ehrte ihn am 19.1.1789 mit den Titeln „Maschinendirektor“ und „Oberkunstmeister“. Er bekam als kursächsischer Beamter beachtliche 1.000 Taler Jahresgehalt. – Zu M.s technischen Neuerungen gehörten u.a. Antriebsmaschinen (Wassersäulenmaschinen), Förderanlagen und Ausbautechnik in Gruben sowie ein gusseisernes Wasserleitungssystem. Von besonderer Bedeutung waren seine Arbeiten zur Schiffbarmachung von Flüssen. So entwickelte M. das erste Schiffshebewerk der Welt, das er 1788/1789 bei Halsbrücke erbauen ließ. M. begründete zudem das systematische ingenieurtechnische Arbeiten in den Schritten Theorie (Forschungen, Berechnungen), Modellbau und -erprobung sowie anwendungstechnische Praxisüberführung. – M. hat keine Familie gegründet und verstarb wegen vielfältiger, kostenintensiver Forschungsarbeit verarmt am 1.7.1798 an Lungenschwindsucht in Freiberg. Seine heute nicht mehr lokalisierbare Grabstelle befindet sich auf dem Donatsfriedhof. M. arbeitete vorzugsweise selbstständig und kontinuierlich. Der bahnbrechende Erfolg seiner Innovationen im vorindustriellen Montanwesen, das zur kapitalistischen Produktionsweise überging, blieb nicht aus. Obwohl nach seinem Tod kritische Stimmen zu seiner schöpferischen Tätigkeit aufkamen, würdigte die Bergakademie Freiberg M.s herausragendes und über die Grenzen Sachsens hinaus reichendes Lebenswerk für den praktischen Bergbau.

Quellen Pfarrarchiv Lebusa, Kirchenbücher Körba und Lebusa; Technische Universität Bergakademie Freiberg, Universitätsarchiv; Niederlausitz-Museum Luckau, Gymnasialakten.

Werke Vertikal-Schiffshebewerk bei Halsbrücke, 1788/1789; Vertikal-Schiffshebewerk bei Großvoigtsberg, 1791.

Literatur Warnung vor Stolz und Projektsucht, in: National-Zeitung der Teutschen 10.1.1799, Sp. 31-33; Intelligenzblatt der Allgemeinen Literatur-Zeitung 13.3.1799, Sp. 239f.; August Friedrich Wappler, Oberberghauptmann von Trebra und die drei ersten sächsischen Kunstmeister M., Baldauf und Brendel, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 41/1905, S. 69-178; Otfried Wagenbreth, Leben und Werk des Maschinendirektors Johann Friedrich M., in: Sächsische Heimatblätter 39/1993, H. 4, S. 211-218; Ein niederlausitzer Genie - Johann Friedrich M. aus Lebusa, hrsg. vom Freundeskreis Zliuuini/Förderverein Orgel- und Kulturzentrum Lebusa, Cottbus 2014; Gert Wille, Körba - Lebusa - Luckau-Freiberg: Johann Friedrich M. (1743-1798) als erster sächsischer Bergwerksingenieur, in: Luckauer Heimatkalender 50/2018, S. 26-30; Michael Bock, Zum Bildungsweg des Freiberger Maschinendirektors Johann Friedrich M. (1743-1798), in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 114/2019, S. 171-182. – DBA I, II, III; DBE 7, S. 56; NDB 17, S. 37; Werner Lauterbach, Berühmte Freiberger. Ausgewählte Biographien bekannter und verdienstvoller Persönlichkeiten, Teil 2, Freiberg 2000, S. 51-53.

Michael Bock
2.6.2020

Empfohlene Zitierweise:
Michael Bock, Mende, Johann Friedrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (5.8.2020)

Johann Friedrich Mende



Quellen Pfarrarchiv Lebusa, Kirchenbücher Körba und Lebusa; Technische Universität Bergakademie Freiberg, Universitätsarchiv; Niederlausitz-Museum Luckau, Gymnasialakten.

Werke Vertikal-Schiffshebewerk bei Halsbrücke, 1788/1789; Vertikal-Schiffshebewerk bei Großvoigtsberg, 1791.

Literatur Warnung vor Stolz und Projektsucht, in: National-Zeitung der Teutschen 10.1.1799, Sp. 31-33; Intelligenzblatt der Allgemeinen Literatur-Zeitung 13.3.1799, Sp. 239f.; August Friedrich Wappler, Oberberghauptmann von Trebra und die drei ersten sächsischen Kunstmeister M., Baldauf und Brendel, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 41/1905, S. 69-178; Otfried Wagenbreth, Leben und Werk des Maschinendirektors Johann Friedrich M., in: Sächsische Heimatblätter 39/1993, H. 4, S. 211-218; Ein niederlausitzer Genie - Johann Friedrich M. aus Lebusa, hrsg. vom Freundeskreis Zliuuini/Förderverein Orgel- und Kulturzentrum Lebusa, Cottbus 2014; Gert Wille, Körba - Lebusa - Luckau-Freiberg: Johann Friedrich M. (1743-1798) als erster sächsischer Bergwerksingenieur, in: Luckauer Heimatkalender 50/2018, S. 26-30; Michael Bock, Zum Bildungsweg des Freiberger Maschinendirektors Johann Friedrich M. (1743-1798), in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 114/2019, S. 171-182. – DBA I, II, III; DBE 7, S. 56; NDB 17, S. 37; Werner Lauterbach, Berühmte Freiberger. Ausgewählte Biographien bekannter und verdienstvoller Persönlichkeiten, Teil 2, Freiberg 2000, S. 51-53.

Michael Bock
2.6.2020

Empfohlene Zitierweise:
Michael Bock, Mende, Johann Friedrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (5.8.2020)