Jeremias Aeschel
Jeremias von Aeschel entstammte einer Familie, deren männliche Mitglieder seiner Ernennung zum kaiserlichen Hofpfalzgrafen von 1627 zufolge über mehrere Generationen dem Reich militärisch gedient und sich dabei ausgezeichnet hatten. Diese Ernennung Aeschels war mit der Erhebung in den erblichen Adelsstand verbunden. Aeschel war sowohl hochrangiger Verwaltungsbeamter in schönburgischen Diensten als auch Gelehrter mit religiös-philosophischen und literarischen Interessen. – Aeschel besuchte die Schule in
Querfurt, dann das Gymnasium in
Halle/Saale. 1608 nahm er das Studium an der Leipziger Universität auf, allerdings ist diese erste Immatrikulation in den Leipziger Matrikeln (1559-1634) nicht belegt. Danach wurde er Hofmeister, d.h. Erzieher Christians, Herr von Schönburg, und begleitete ihn an die Universitäten
Jena und Leipzig, wo Christian ab 1614 Philosophie, Jura und Theologie studierte. Diese Funktion übte Aeschel aus, bis Christian 1621 seinen Militärdienst antrat. 1626 immatrikulierte er sich, bereits als schönburgischer Rat, ein zweites Mal an der Leipziger Universität. Uneinigkeit besteht hinsichtlich seines juristischen Abschlusses: Christian Gottlieb Jöcher nennt ihn „Doktor Juris“, der sächsische Barocklyriker Paul Fleming, der von ihm 1631 zum kaiserlichen Dichter gekrönt wurde, in seinem Hochzeitsgedicht zu Aeschels zweiter Eheschließung am 9.7.1633 oder 2.8.1633 hingegen „L. L. B.“, d.h. Bakkalaureus der Rechte. Johann Ulrich Mäyer bezeichnete ihn als „Jurisconsultus“, d.h. Rechtsgelehrter. – Am 11.10.1627 erhielt Aeschel den Titel eines kaiserlichen Pfalzgrafen mit der Erhebung in den Adelsstand für sich und seine Nachkommen (Comitiv 1629) mit den Privilegien, Wappen zu verleihen, Dichter zu krönen und Recht zu sprechen. – Wahrscheinlich nachdem Christian von Schönburg 1627 von einer längeren Bildungsreise zurückgekehrt war und die Regierung der Herrschaft Wechselburg angetreten hatte, wurde Aeschel schönburgischer Amthauptmann zu Wechselburg. Später wurden seine Befugnisse auf weitere Schönburgische Herrschaften ausgedehnt. 1648 ließ er sich beurlauben und ging über Chemnitz nach Halle. – 1633 gab Aeschel eine Gedichtsammlung anlässlich einer Dichterkrönung heraus („Laurea poetica“). Bis kurz vor seinem Tod verfasste er eine Pansophie, eine umfangreiche religiös-philosophische Zusammenfassung allen Wissens seiner Zeit.
Quellen Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, A/2012/1089 Verlassenschaft Theodor Aeschels. – Der Römischen Keyserl. auch zu Hungern und Böheim Königl. Majestät … Herrn Ferdinandi des Andern ... Jeremiae Aescheln … allergnädigst ertheilte Comitiv, oder Privilegium Comitatus Palatini …, 1629; Paul Fleming, Epithalamium Nobili et Amplissimo Viro Hieremiae Aeschelio … et Elegantissimae Virgini Annae Sibyllae Sitsmannae, 1633; Sebastian Hommel, Valedictoria Congratulatio et Congratulatoria Valedictio … Wormit … Das … Jungfräulein Dorotheam Sabinam, Des … Herrn Hieremiae Aeschelii … Töchterlein … ausgesegnet hat, Halle/Saale 1650; Johann Ulrich Mäyer, Die köstliche Weiber-Tracht und Pracht, Wie solche nach dem Muster des Assaphs … In wehrender Lebens Zeit angetragen Die … Frau Anna Catharina des ... Johann Ernst Bosens … Eheliebste … erhaltenen sanfftseligen Entschlaffung… fürgetragen, Leipzig 1671.
Werke Laurea poetica … Viro-Juveni Johanni Sproetzio …, Leipzig 1633; Pansophia seu Encyclopaedia Ac Summa Omnium artium Liberalium et Illiberalium, ut et Facultatum, absoluta, completa.
Literatur Johannes M. Lappenberg (Hg.), Paul Flemings Lateinische Gedichte, Stuttgart 1863, S. 492. – DBA I, III; DBE II 1, S. 65; Christian Gottlieb Jöcher, Allgemeines Gelehrten Lexikon, Bd. 1, Leipzig 1750, Sp. 125f.; Johann Gottlob Dunkel, Historisch-kritische Nachrichten von verstorbenen Gelehrten und deren Schriften, Bd. 1, Teil 3, Köthen 1754, S. 363f.; Johann Christoph Adelung, Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexico …, Bd. 1, Leipzig 1784, Sp. 274f.; Karl August Hennike, Beiträge zur Ergänzung und Berichtigung des Jöcher’schen Allgemeinen Gelehrten Lexicon’s …, 2. Stück, Leipzig 1812, S. 22; Ernst Heinrich Kneschke (Hg.), Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Leipzig 1859, S. 20.
Beate Hintzen
30.7.2026
Empfohlene Zitierweise:
Beate Hintzen, Artikel: Jeremias Aeschel,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/69 [Stand 30.07.2026, Aufruf 20.08.2026].
Jeremias Aeschel
Quellen Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, A/2012/1089 Verlassenschaft Theodor Aeschels. – Der Römischen Keyserl. auch zu Hungern und Böheim Königl. Majestät … Herrn Ferdinandi des Andern ... Jeremiae Aescheln … allergnädigst ertheilte Comitiv, oder Privilegium Comitatus Palatini …, 1629; Paul Fleming, Epithalamium Nobili et Amplissimo Viro Hieremiae Aeschelio … et Elegantissimae Virgini Annae Sibyllae Sitsmannae, 1633; Sebastian Hommel, Valedictoria Congratulatio et Congratulatoria Valedictio … Wormit … Das … Jungfräulein Dorotheam Sabinam, Des … Herrn Hieremiae Aeschelii … Töchterlein … ausgesegnet hat, Halle/Saale 1650; Johann Ulrich Mäyer, Die köstliche Weiber-Tracht und Pracht, Wie solche nach dem Muster des Assaphs … In wehrender Lebens Zeit angetragen Die … Frau Anna Catharina des ... Johann Ernst Bosens … Eheliebste … erhaltenen sanfftseligen Entschlaffung… fürgetragen, Leipzig 1671.
Werke Laurea poetica … Viro-Juveni Johanni Sproetzio …, Leipzig 1633; Pansophia seu Encyclopaedia Ac Summa Omnium artium Liberalium et Illiberalium, ut et Facultatum, absoluta, completa.
Literatur Johannes M. Lappenberg (Hg.), Paul Flemings Lateinische Gedichte, Stuttgart 1863, S. 492. – DBA I, III; DBE II 1, S. 65; Christian Gottlieb Jöcher, Allgemeines Gelehrten Lexikon, Bd. 1, Leipzig 1750, Sp. 125f.; Johann Gottlob Dunkel, Historisch-kritische Nachrichten von verstorbenen Gelehrten und deren Schriften, Bd. 1, Teil 3, Köthen 1754, S. 363f.; Johann Christoph Adelung, Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexico …, Bd. 1, Leipzig 1784, Sp. 274f.; Karl August Hennike, Beiträge zur Ergänzung und Berichtigung des Jöcher’schen Allgemeinen Gelehrten Lexicon’s …, 2. Stück, Leipzig 1812, S. 22; Ernst Heinrich Kneschke (Hg.), Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Leipzig 1859, S. 20.
Beate Hintzen
30.7.2026
Empfohlene Zitierweise:
Beate Hintzen, Artikel: Jeremias Aeschel,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/69 [Stand 30.07.2026, Aufruf 20.08.2026].