Hermann Pöge
Hermann Pöge gründete als Autodidakt 1874 das erste elektrotechnische Unternehmen in Sachsen und machte sich zunächst v.a. damit einen Namen, elektrotechnische Entwicklungen der Zeit (wie z.B. die Weiterentwicklung des Telefons oder elektrische Straßenbeleuchtung) in Sachsen einzuführen und hier zu produzieren. Später widmete er sich verstärkt der Herstellung von Generatoren zur Stromerzeugung. – Pöge wurde durch den frühen Verlust seiner Eltern zur Selbstständigkeit erzogen. Er absolvierte eine Ausbildung zum Mechaniker in der Fabrik für wissenschaftliche Apparate von
Franz Hugershoff in Leipzig und siedelte als Zwanzigjähriger nach Chemnitz über. Hier hatte bereits eine für damalige Verhältnisse umfangreiche Maschinenbauindustrie Wurzeln gefasst. Er arbeitete ab 1866 bei verschiedenen Chemnitzer Unternehmen, so auch als Meister bei der späteren Maschinenfabrik Kappel. Am 1.5.1874 gründete er schließlich die „Chemnitzer Telegraphen-Bauanstalt Hermann Pöge“ und damit das erste Unternehmen im Bereich der Elektrotechnik in Sachsen. Er begann in einer eigenen bescheidenen Werkstatt in der Dachkammer seiner Wohnung in der Zwickauer Straße 152. Zunächst baute er einfache Klingelanlagen und Blitzableiter, später kamen Telefone hinzu, sodass das Unternehmen immer weiter wuchs. Er wandte sich gleich zu Beginn seiner Tätigkeit der Elektrotechnik zu, obwohl diese ihm nach seiner bisherigen beruflichen Praxis ziemlich fern lag. Überhaupt galt die Elektrotechnik zu jener Zeit als noch junge Disziplin und auch der Begriff der Starkstromtechnik war noch nicht eingeführt. Pöge war sehr aufgeschlossen gegenüber allen technischen Entwicklungen. Er hatte daher in weitblickender Weise die ersten Versuche, elektrische Energie durch rotierende Maschinen zu erzeugen, mit Interesse verfolgt, was die weitere Entwicklung des Unternehmens bestimmen sollte. – Mit dem Wachsen des Betriebs erwies sich bald die Bodenkammer als zu klein. In der Zwickauer Straße 81 richtete Pöge 1875 eine neue Werkstatt ein, wodurch wiederum neue Erzeugnisse produziert werden konnten. – Angeregt durch einen Besuch der Ersten Internationalen Elektrizitätsausstellung in
Paris 1881, bei der erstmals eine elektrische Straßenbeleuchtung gezeigt wurde, beschäftigte sich Pöge auch mit der Herstellung von elektrischen Beleuchtungsanlagen mit Bogenlampen und speziell der dafür erforderlichen Stromerzeugung. 1881 trat Emil Gottfried Fischinger als Konstrukteur in die Firma ein. Sein Forschergeist und seine konstruktiven Fähigkeiten waren der Firma Pöge von unschätzbarem Wert. Durch ihn wurden die Weiterentwicklung und die Konstruktion elektrischer Maschinen vorangetrieben. Mitte der 1880er-Jahre lieferte die Firma Pöge bereits die hundertste Dynamomaschine für Beleuchtungsanlagen mit Glüh- und Bogenlampen. – Ab 1882 wurde Elektrotechnik an den Chemnitzer Technischen Staatslehranstalten als eigenständiges Unterrichtsfach in das Lehrprogramm aufgenommen. Maßgeblich hierfür war das Wirken des Physikers und Chemikers Adolf Ferdinand Weinhold. Dessen Vorlesungen besuchten im Wintersemester 1886/1887 auch Pöge und sein Sohn Willy als Gasthörer. Gleichzeitig entwickelte sich Pöges Unternehmen weiter: Der Standort in der Chemnitzer Brückenstraße 31, wo das Unternehmen 1880 bis 1888 seinen Sitz hatte, wurde wiederum zu klein. Damals betrug die Zahl der Arbeiter und Angestellten etwa 40, dazu ein Stamm von Monteuren. So fasste Pöge den Entschluss, in der Zwickauer Straße 88, also wieder in Nähe seiner ehemaligen ersten Fabrikationsstätte, einen Neubau zu errichten, der 1888 bezogen wurde. Zu diesem Zeitpunkt firmierte das Unternehmen als „Maschinenfabrik und Werkstätten für Elektrotechnik Hermann Pöge“. Bereits 1887 hatte Fischinger das Unternehmen verlassen. Ihm folgte der Ingenieur
Heinrich Goetz. Am 10.12.1894 verstarb Firmengründer Pöge plötzlich im Alter von 54 Jahren. Sein Sohn Willy übernahm das anspruchsvolle Erbe und führte das Unternehmen gemeinsam mit Heinrich Goetz erfolgreich weiter.
Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Chemnitz, 30967 Elektrizitäts-AG, vorm. Hermann Pöge, Chemnitz, Nr. 5; Pfarrarchiv der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St.-Nikolai-Thomas Chemnitz-Kappel.
Literatur H. Siekierski, Werksgeschichte der Pöge Elektricitäts-Aktiengesellschaft, Chemnitz, in: Industrie-Bibliothek. Die illustrierte Zeitschrift der deutschen Wirtschaft 1928, Nr. 27, S. 5-83; Chemnitz in Wort und Bild. Festschrift zur Einweihung des neuen Rathauses, Chemnitz 1911 (ND 1991); Andreas Hütter, Willy Pöge - einer der besten Rennfahrer seiner Zeit; Das Unternehmen Pöge.
Porträt Hermann Pöge, Fotografie, in: Industrie-Bibliothek. Die illustrierte Zeitschrift der deutschen Wirtschaft 1928, Nr. 27, S. 5-83 (Bildquelle).
Steffen Hamperl
20.8.2026
Empfohlene Zitierweise:
Steffen Hamperl, Artikel: Hermann Pöge,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/16605 [Stand 20.08.2026, Aufruf 27.08.2026].
Hermann Pöge
Quellen Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Chemnitz, 30967 Elektrizitäts-AG, vorm. Hermann Pöge, Chemnitz, Nr. 5; Pfarrarchiv der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St.-Nikolai-Thomas Chemnitz-Kappel.
Literatur H. Siekierski, Werksgeschichte der Pöge Elektricitäts-Aktiengesellschaft, Chemnitz, in: Industrie-Bibliothek. Die illustrierte Zeitschrift der deutschen Wirtschaft 1928, Nr. 27, S. 5-83; Chemnitz in Wort und Bild. Festschrift zur Einweihung des neuen Rathauses, Chemnitz 1911 (ND 1991); Andreas Hütter, Willy Pöge - einer der besten Rennfahrer seiner Zeit; Das Unternehmen Pöge.
Porträt Hermann Pöge, Fotografie, in: Industrie-Bibliothek. Die illustrierte Zeitschrift der deutschen Wirtschaft 1928, Nr. 27, S. 5-83 (Bildquelle).
Steffen Hamperl
20.8.2026
Empfohlene Zitierweise:
Steffen Hamperl, Artikel: Hermann Pöge,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/16605 [Stand 20.08.2026, Aufruf 27.08.2026].