Carl Wilhelm Böhme
Carl Wilhelm Böhme wurde als Porzellanmaler sowohl der Meißner Porzellanmanufaktur als auch der von Johann Ernst Gotzkowsky gegründeten Berliner Porzellanmanufaktur bekannt. Seine Werke, mit Landschaften und Figuren bemaltes Geschirr, werden auch in der neueren Porzellanliteratur als für die damalige Zeit vorbildlich geschätzt. – Der Vater von Böhme starb bald nach dessen Geburt. Böhme selbst begann 1736 eine sechs Jahre dauernde Lehre an der Meißner Porzellanmanufaktur. Das Kurfürstentum Sachsen war zu jener Zeit der einzige europäische Staat, dem es gelungen war, Porzellan in einer hervorragenden Qualität und in großen Mengen herzustellen. Die Zahl der Maler in Meißen war dementsprechend hoch: 1741 bestand das Maler-Corps aus 90 Personen, wovon 31 Lehrlinge waren. Nach seiner Lehrzeit war auch Böhme seit 1741 in diesem von Johann Gregorius Hörold geleiteten Maler-Corps der Porzellanmanufaktur als Maler tätig. – Während die Meißner Malerei jener Zeit ostasiatische Vorbilder, Blumen, Landschaften und Städteansichten bevorzugte, neigte Böhmes Stil mehr zur holländischen Malerschule des 17. Jahrhunderts. Seine ersten Landschaften malte er mit strahlenden Farben und mit glänzenden, bunten Staffage-Figuren. Er wurde ein Spezialist für feine Figuren und Landschaften. Diese Kategorie war wohl die anspruchsvollste der Meißner Malerei. Auch wegen seines Fleißes zählte man Böhme in Meißen zu den besten Malern dieser Art. – Während des Siebenjährigen Kriegs (1756-1763) besetzte Preußen das Kurfürstentum Sachsen ab September 1756. Die Besetzung erleichterte es der Meißner Konkurrenz, gut ausgebildete Fachleute der Porzellanmanufaktur, wie z.B. den Modelleur Friedrich Elias Meyer oder die Maler Johann Baptist Balthasar Borrmann und Carl Jacob Christian Klipfel, abzuwerben. So gelang es dem Berliner Unternehmer Gotzkowsky, auch Böhme für seine neu gegründete Porzellanmanufaktur zu gewinnen, sodass Böhme im Dezember 1761 nach
Berlin zog. Er fühlte sich wohl auch wegen der Ungerechtigkeiten des für die Bestimmung des Lohns der Maler zuständigen Geschirrschreibers Christian Friedrich Petzold in Meißen benachteiligt. Die Stücktaxen der Meißner Manufaktur nahm Böhme nach Berlin mit. Sie wurden dort die Grundlage für die Lohnberechnung der Maler. – Nach dem Bericht des Leiters der Berliner Porzellanmanufaktur, des ebenfalls zuvor in sächsischen Diensten stehenden Johann Georg Grieninger, waren ab Mitte 1762 alle wesentlichen Stellen der Manufaktur mit den notwendigen Fachkräften besetzt und die wichtigsten Produktionsgebäude vorhanden. Böhme bemalte in Berlin etliche Tassen und auch größere Stücke, die Gotzkowsky als erste Probe der neuen Manufaktur dem preußischen König Friedrich II. in dessen Hauptquartier in Leipzig überreichte und die wohlwollende Aufnahme fanden. Im August 1763 ging Gotzkowskys Unternehmen allerdings bankrott. Friedrich II. übernahm die Porzellanmanufaktur im September 1763, sodass diese im gleichen Monat den Namenszusatz „Königlich Preußisch“ erhielt. – Die Manufaktur in Meißen unternahm 1764 Anstrengungen, Böhme zurückzugewinnen. Da er sich von seiner Arbeit in Berlin wohl mehr versprochen hatte, reichte Böhme auch seinen Abschied ein. Allerdings bestimmte Friedrich II., dass man Böhme nicht wegziehen lassen dürfe. Und so wurde Böhmes Stellung in der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur im Juni 1764 aufgewertet und er wurde - neben Isaak Jacob Clauce - zweiter Vorsteher der Maler. Im gleichen Zug wurde er zum Hofmaler ernannt. Erst nach dieser Beförderung holte Böhme seine Ehefrau
Rahel Rosina Böhme, eine Tochter des Malers Johann Georg Dietrich, nach Berlin. Die Verbindungen nach Meißen rissen jedoch nicht ab, auch weil der kursächsische Administrator Prinz Xaver 1765 den Bruder von Böhmes Ehefrau, Christian Wilhelm Ernst Dietrich, zum Direktor der neu gegründeten Malerschule der Meißner Porzellanmanufaktur ernannte. – Böhme verdiente 1765/1766 an der Manufaktur in Berlin 1.200 Taler pro Jahr. Das war ebenso viel wie das Gehalt des Direktors Grieninger, allerdings weniger als das des ersten Malereivorstehers Clauce und des Modellmeisters Meyer (2.000 Taler pro Jahr). Da die Maler ihre Arbeiten auf Porzellan nicht signierten, kann ihre Urheberschaft in der Regel nur durch Vergleich ermittelt werden. 1772 schenkte Friedrich II. dem russischen Thronfolger Großfürst Paul u.a. ein großes Speiseservice des Musters „Antikzierat“. Das Service war mit Festungsplänen und geografischen Karten aus dem russisch-türkischen Krieg bemalt. Die Malerei der Teller könnte von Böhme stammen. Darüber hinaus stammen 19 in Kupfer geäzte Landschaften und Seestücke von Böhme und dienten in den Porzellanfabriken als Vorlagen. – Ab 1787 wurde die Verantwortung Böhmes in der Porzellanmanufaktur eingeschränkt und im Mai 1788 wurde er endgültig in den Ruhestand verabschiedet. Sein Ruhegehalt betrug 800 Taler; er behielt außerdem seine Nebeneinkünfte in Höhe von 175 Talern. – Böhme starb am 16.11.1795 in Berlin kinderlos. Seine Ehefrau Rahel Rosina war bereits 1770 verstorben. Zu seinem Nachlass gehörten - so das Auktionsverzeichnis nach seinem Tod - neben mathematischen Instrumenten, Münzen und Medaillen u.a. auch 1.347 Bücher, 73 Landkarten und 215 Kupferstiche.
Quellen Verzeichnis der vom verstorbenen Hofmaler Böhme hinterlassenen nicht unbeträchtlichen Sammlung ..., Berlin 1796.
Werke Spülkumme, in: Erich Köllmann, Berliner Porzellan 1763-1963, Braunschweig 1966, Bd. 2, Tafel 62 b; Kaffeeservice, in: ebd., Tafel 80 a; Tasse, Zuckerdose, Kaffeekanne, in: ebd., Tafel 122 b; Teller, in: Michael Newman, Die Deutschen Porzellan-Manufakturen im 18. Jahrhundert, Braunschweig 1977, S. 354, Nr. 294.
Literatur Friedrich Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, Berlin 1786 (ND 1968), S. 25; Karl Berling, Das Meißner Porzellan und seine Geschichte, Leipzig 1900; Otto Walcha, Meissner Porzellan, Dresden 1973; Michael Newman, Die Deutschen Porzellan-Manufakturen im 18. Jahrhundert, Bd. 1, Braunschweig 1977; Arnulf Siebeneicher, Offizianten und Ouvriers, Berlin/New York 2002. – ADB 3, S. 73; DBA I, II, III; DBE II 1, S. 775.
Klaus Garcke
1.4.2026
Empfohlene Zitierweise:
Klaus Garcke, Artikel: Carl Wilhelm Böhme,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/645 [Stand 01.04.2026, Aufruf 04.05.2026].
Carl Wilhelm Böhme
Quellen Verzeichnis der vom verstorbenen Hofmaler Böhme hinterlassenen nicht unbeträchtlichen Sammlung ..., Berlin 1796.
Werke Spülkumme, in: Erich Köllmann, Berliner Porzellan 1763-1963, Braunschweig 1966, Bd. 2, Tafel 62 b; Kaffeeservice, in: ebd., Tafel 80 a; Tasse, Zuckerdose, Kaffeekanne, in: ebd., Tafel 122 b; Teller, in: Michael Newman, Die Deutschen Porzellan-Manufakturen im 18. Jahrhundert, Braunschweig 1977, S. 354, Nr. 294.
Literatur Friedrich Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, Berlin 1786 (ND 1968), S. 25; Karl Berling, Das Meißner Porzellan und seine Geschichte, Leipzig 1900; Otto Walcha, Meissner Porzellan, Dresden 1973; Michael Newman, Die Deutschen Porzellan-Manufakturen im 18. Jahrhundert, Bd. 1, Braunschweig 1977; Arnulf Siebeneicher, Offizianten und Ouvriers, Berlin/New York 2002. – ADB 3, S. 73; DBA I, II, III; DBE II 1, S. 775.
Klaus Garcke
1.4.2026
Empfohlene Zitierweise:
Klaus Garcke, Artikel: Carl Wilhelm Böhme,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/645 [Stand 01.04.2026, Aufruf 04.05.2026].