Carl Lampe

Als wohlhabender Kaufmann und Unternehmer engagierte sich L. in vielfältiger Weise für die Stadt Leipzig. So beteiligte er sich an der Gründung verschiedener Vereine, Gesellschaften und Stiftungen. Seine führende Rolle bei der Realisierung der Leipzig-Dresdner-Eisenbahnstrecke sowie die Initiative zur Gründung des Leipziger Kunstvereins, der das Städtische Museum als Vorgänger des heutigen Museums der bildenden Künste ins Leben rief, gehören zu seinen besonders nachhaltig wirkenden Leistungen. – Der Vater L.s war Hauptteilhaber der Drogengroßhandlung Brückner, Lampe & Co. Nachdem die Mutter bereits ein Jahr nach L.s Geburt verstorben war, schloss der Vater 1809 eine zweite Ehe, aus der ebenfalls Kinder hervorgingen. 1813 musste die Familie aufgrund der Kriegsereignisse während der Leipziger Völkerschlacht ihr Sommerhaus auf der sog. Milchinsel - ein Gut, das zuvor als Milchwirtschaft betrieben worden war - fluchtartig verlassen. Als der Vater 1817 verstarb, wurden für die zurückbleibenden Kinder Vormünder eingesetzt und L. fiel die Übernahme des väterlichen Unternehmens zu. Ein Großteil der Kunstsammlung des Vaters, die u.a. Gemälde, Zeichnungen und Kupferstiche enthielt, wurde 1819 zugunsten der Erben versteigert. An L. kamen der überwiegende Teil der Zeichnungen und Kupferstiche sowie einige wenige Gemälde, die nicht verkauft werden konnten. – 1817 wurde L. für seine weitere schulische Ausbildung nach Dessau geschickt und dort der Fürsorge des Diakonus Jakob Gottfried Schütz übergeben. Anschließend ging er nach Berlin und absolvierte eine Lehre in der dortigen Filiale des väterlichen Unternehmens. 1824 begab er sich nach Hamburg, um seine Ausbildung bei dem Kaufmann Heinrich Ludwig Ploss fortzusetzen. Als Nachfolger seines Vaters trat L. 1826 formell in die Leipziger Drogengroßhandlung ein. Zunächst folgte aber bis 1829 noch ein Auslandsaufenthalt, der ihn wohl nach Italien und Frankreich führte. Im Jahr seiner Rückkehr übernahm er die Pflichten des Geschäftsführers im Unternehmen seines Vaters, das er später um eine Fabrik für ätherische Öle und chemische Produkte erweiterte. – Seit seiner dauerhaften Rückkehr nach Leipzig trat L. einer Reihe von Gesellschaften und Vereinen bei. So wurde er noch 1829 wie sein Vater Mitglied der Gesellschaft „Harmonie“, einer Vereinigung von Kaufleuten, Gelehrten, Beamten und Künstlern, die der Geselligkeit sowie mildtätigen Zwecken gewidmet war. Auch die Freimaurerloge „Minerva zu den drei Palmen“ (1832) sowie die aus Leipziger Kaufleuten bestehende, besonders exklusive „Vertraute Gesellschaft“ (1834) nahmen ihn unter ihren Mitgliedern auf. 1832 war L. Mitbegründer der Gustav-Adolf-Stiftung, die bis heute als Gustav-Adolf-Werk e.V. existiert, und war 50 Jahre lang als Schatzmeister im Zentralvorstand des bald deutschlandweit verbreiteten evangelischen Vereins tätig. – 1834 bis 1838 war L. unbesoldetes Mitglied des Leipziger Stadtrats. Eine bedeutende Rolle kam ihm in dieser Zeit bei der Planung und Umsetzung des Baus der Leipzig-Dresdner-Eisenbahnstrecke zu. 1834 wurde zunächst ein „Eisenbahn-Comité“ ins Leben gerufen, zu dessen Mitgliedern L. zählte. In der ebenfalls von L. mitgegründeten Aktiengesellschaft „Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie“, die zur Finanzierung des Baus diente, übernahm er die Funktion eines stellvertretenden Direktors. 1836 konnte der Bau der Eisenbahnstrecke beginnen. Aufgrund seiner Verdienste in dieser Angelegenheit wurde L. 1878 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Leipzig verliehen. – Die Gründung des Leipziger Kunstvereins 1836 ging auf L.s Initiative zurück. Eine der Funktionen, die L. in dessen Direktorium ausübte, war das wichtige Amt des Konservators, das er mit Unterbrechungen bis zum Ende seines Lebens innehatte und mit dem er für die Ausstellungen des Vereins verantwortlich war. Die erste Ausstellung des Vereins fand 1837 statt und verzeichnete mehr als 17.000 Besucher. Der vom Verein getätigte Ankauf von Kunstwerken zielte darauf ab, eine Sammlung zu schaffen, auf deren Basis man ein öffentliches Kunstmuseum aufbauen konnte. Unter maßgeblicher Beteiligung L.s wurde dieses Vorhaben 1848 mit der Einrichtung des Städtischen Museums als einem Vorgänger des heutigen Museums der bildenden Künste Leipzig in die Tat umgesetzt. Nachdem die Sammlung in den ersten Jahren in bereits bestehenden Räumlichkeiten Platz gefunden hatte, wurde in den 1850er-Jahren ein Museumsneubau geplant und umgesetzt, der Ende 1858 eröffnet wurde. Mit der Eröffnung ging eine größere Zahl an Schenkungen an das Städtische Museum einher. Die erste davon stammte aus L.s Besitz, der neben einigen Gemälden eine Sammlung von mehr als 1.600 Druckgrafiken stiftete, die er im Lauf der Zeit noch vermehrte. Für diese Stiftung wurde L. 1860 die philosophische Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig verliehen. Eine weitere Stiftung L.s war bereits zuvor an die Medizinische Fakultät der Universität in Leipzig gegangen. 1840 hatte er als „Pharmacognostisches Museum“ eine Sammlung von verschiedenen Präparaten mit erläuternden Illustrationen zusammengestellt, die er 1841 der Universität überließ. Hierfür erhielt er 1884 die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät. Auch in Bezug auf das Turnwesen war L. als Förderer aktiv. Nachdem er 1845 auf einem Abschnitt der Milchinsel bereits einen öffentlichen Turnplatz eingerichtet hatte, engagierte er sich noch im selben Jahr als Mitbegründer des Allgemeinen Turnvereins in Leipzig. Den Turnplatz stellte er dem neugegründeten Verein zur Verfügung. Zum Gedenken an die Leipziger Völkerschlacht ließ L. 1845 ein Kugeldenkmal auf der Milchinsel errichten, das 1863 erneuert wurde.

Literatur Heinrich Geffcken/Chaim Tykocinski, Stiftungsbuch der Stadt Leipzig im Auftrage des Rates auf Grund der Urkunden und Akten des Ratsarchivs, Leipzig 1905; Karsten Hommel, Carl L. Ein Leipziger Bildungsbürger, Unternehmer, Förderer von Kunst und Wissenschaft zwischen Romantik und Kaiserreich, Beucha 2000; Werner Wendt, Beiträge zur Sozialgeschichte Leipziger Kaufleute des 19. Jahrhunderts am Beispiel von Johann Marc Albert Dufour-Feronce (1798-1861), Gustav Harkort (1795-1865) und Carl L. (1804-1889), Diss. Frankfurt/Main 2010. – Horst Riedel, Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Leipzig 2005, S. 330; Leipzig-Lexikon.

Porträt Carl Lampe, Unternehmer in Leipzig, Georg Engelbach, 1850, Lithografie, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inventar-Nr. Porträt K 90, Europeana Collections (Bildquelle) [CC BY-NC-SA 4.0 ; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License].

Alana Möller
11.01.2021

Empfohlene Zitierweise:
Alana Möller, Carl Lampe, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (2.3.2021)

Carl Lampe



Literatur Heinrich Geffcken/Chaim Tykocinski, Stiftungsbuch der Stadt Leipzig im Auftrage des Rates auf Grund der Urkunden und Akten des Ratsarchivs, Leipzig 1905; Karsten Hommel, Carl L. Ein Leipziger Bildungsbürger, Unternehmer, Förderer von Kunst und Wissenschaft zwischen Romantik und Kaiserreich, Beucha 2000; Werner Wendt, Beiträge zur Sozialgeschichte Leipziger Kaufleute des 19. Jahrhunderts am Beispiel von Johann Marc Albert Dufour-Feronce (1798-1861), Gustav Harkort (1795-1865) und Carl L. (1804-1889), Diss. Frankfurt/Main 2010. – Horst Riedel, Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Leipzig 2005, S. 330; Leipzig-Lexikon.

Porträt Carl Lampe, Unternehmer in Leipzig, Georg Engelbach, 1850, Lithografie, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inventar-Nr. Porträt K 90, Europeana Collections (Bildquelle) [CC BY-NC-SA 4.0 ; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License].

Alana Möller
11.01.2021

Empfohlene Zitierweise:
Alana Möller, Carl Lampe, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (2.3.2021)