Carl Heine

H. war einer der bedeutendsten Leipziger Unternehmer des 19. Jahrhunderts. Seine Initiativen und Unternehmungen wirken noch bis in die heutige Zeit nach. – Nach dem Besuch der Leipziger Thomasschule, dem Jurastudium an der Universität Leipzig und der Promotion zum Dr. jur. 1843 ließ sich H. in Leipzig als Advokat nieder. Allerdings praktizierte er nicht, sondern verwaltete zunächst das mütterliche Familienerbe: einen ehemaligen barocken Bürgergarten westlich von Leipzig, den Andreas Dietrich Apel ab 1717 anlegen ließ und der seit 1786 als „Reichels Garten“ in Familienbesitz war. Durch Zukauf erweiterte H. die Flächen erheblich, ließ Straßen und Brücken anlegen und verkaufte abgetrennte Grundstücke zur Bebauung, sodass innerhalb von 30 Jahren die heutige Innere Westvorstadt entstand. Hier gründete H. 1853 aus einer aufgelösten Beteiligung eine Fabrik zur Gewinnung ätherischer Öle und Essenzen, aus der 1859 in Zusammenarbeit mit Otto Steche die Firma Heine & Co. hervorging. Dieses Unternehmen erlebte einen ebenso raschen wie rasanten Aufschwung und wurde 1911 zur Aktiengesellschaft. Ein von H. mit Schleuse angelegter Kanal verband den Elster- und Pleißemühlgraben und diente dem Transport von Baumaterial sowie Sonntags der Personenschifffahrt mit kleinen Dampfern, wurde aber nach wenigen Jahren wieder zugeschüttet. – Das väterliche Erbe, das Rittergut Neuscherbitz in Gundorf, verkaufte H. zugunsten seines Engagements in den westlich von Leipzig gelegenen Vororten Plagwitz, Lindenau und Schleußig. Hier erwarb H. von den Bauern fast alles Land und ließ dieses durch Straßen und Brücken erschließen. Jungen Unternehmern bot er günstig Flächen zum Fabrikbau an. 1856 begann H. in Plagwitz mit dem Bau eines Kanals, der die Weiße Elster mit der Saale verbinden sollte, von ihm aber nur bis Lindenau geführt werden konnte und noch heute unvollendet ist. Ebenfalls in Plagwitz richtete er 1858 eine „Öconomie“ ein, in der er auch wohnte. In diesen Gutshof mit landwirtschaftlich-handwerklicher Musterwirtschaft zog 1861 die von Maximilian Freiherr Speck von Sternburg begründete Landwirtschaftliche Lehranstalt. Die Plagwitzer Schule gründete H. durch Schenkung von Bauplatz und Gebäude. Mit der Eröffnung einer von H. auf Namen eines Lohnkutschers geführten Omnibusgesellschaft (1860) begann in Leipzig der öffentliche Nahverkehr. 1862 besuchte König Johann in Plagwitz die fertiggestellten und in Bau befindlichen Projekte, was H. den Rücken stärkte, da die Leipziger Stadtverwaltung ihn meist bremste und blockierte. Hinsichtlich der geplanten Eisenbahn Leipzig-Zeitz (1873) setzte er sich für deren Verlauf über Lindenau und Plagwitz ein; die Eisenbahnlinien Plagwitz-Gaschwitz (1879) sowie Leipzig-Plagwitz (1888) entstanden überhaupt erst auf seine Initiative. Außerdem legte er ein weitverzweigtes Netz von Industriegleisen sowie Ladestellen an, um die neuen Fabriken an die Eisenbahn anzubinden. Im Norden von Schleußig ließ er sich eine Villa errichten und in bewährter Weise Straßen und Brücken anlegen. Hier entstanden aber kaum Fabriken, sondern v.a. Wohnhäuser für die Arbeiter sowie H.s letztes Unternehmen, die „Leipziger Westend-Baugesellschaft“ (1888), die sein Werk fortsetzen sollte. – H. wurde in Leipzig durch die Benennung von Straßen, des Kanals, einer Grünanlage (1904), einer Brücke (2000) und einer Schule (2003) sowie durch ein Denkmal (1896) geehrt.

Literatur F. Goetz, Carl Erdmann H. Sein Leben und Schaffen, Leipzig 1897; Heine & Co., in: Deutsche Industrie, Deutsche Kultur 10/1913, Nr. 2 (P); U. Krüger, Carl H. Der Mann der Leipzig zur Industriestadt machte, Erfurt 2008. – DBA II, III; NDB 8, S. 293f.; DBE 4, S. 108.

Porträt Carl H., Radierung, in: Die Gartenlaube 44/1864, S. 693.

André Loh-Kliesch
18.1.2019


Empfohlene Zitierweise:
André Loh-Kliesch, Carl Heine, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.5.2022)

Carl Heine



Literatur F. Goetz, Carl Erdmann H. Sein Leben und Schaffen, Leipzig 1897; Heine & Co., in: Deutsche Industrie, Deutsche Kultur 10/1913, Nr. 2 (P); U. Krüger, Carl H. Der Mann der Leipzig zur Industriestadt machte, Erfurt 2008. – DBA II, III; NDB 8, S. 293f.; DBE 4, S. 108.

Porträt Carl H., Radierung, in: Die Gartenlaube 44/1864, S. 693.

André Loh-Kliesch
18.1.2019


Empfohlene Zitierweise:
André Loh-Kliesch, Carl Heine, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.5.2022)