Bianca Bondi-Robitscher

Die in Dresden geborene B. wirkte in den Vereinigten Staaten als Künstlerin und Illustratorin. Über mehrere Jahrzehnte nahm sie eine Führungsrolle in dem jüdischen Frauenorden United Order of True Sisters (UOTS) ein. Sie steht beispielhaft für jene jüdische Emigrantinnen und Emigranten aus Sachsen wie dem Deutschen Bund, die sich nach ihrer Übersiedlung in die Vereinigten Staaten auf der Grundlage ihrer zuvor erworbenen Bildung erfolgreich etablierten. – Ihre Erziehung und erste Ausbildung erhielt B. in Dresden. Nachdem sich ihr Vater nach seinem Bankrott als Bankier 1858 in die Vereinigten Staaten abgesetzt hatte, holte dieser B. - gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern - im Herbst desselben Jahrs nach. In New York unterstützte B. zunächst die Mutter, die eine private Pensionatsschule für Mädchen eröffnet hatte. Ab April 1860 nahm sie in dem ein Jahr zuvor durch Peter Cooper, einem Freund ihres Vaters, gegründeten privaten Hochschulinstitut Cooper Union eine Ausbildung zur Holzstecherin auf. 1866 erwarb sie ein Zeugnis und erhielt im Mai 1868 als Erste ein offizielles Abschlussdiplom der Einrichtung. – B. unterrichtete später die Holzschnitttechnik an der Cooper Union und schuf Illustrationen für Buch-, Zeitschriften- sowie Zeitungsverlage. Sie illustrierte u.a. Lorenzo Niles und Orson Squire Fowlers phrenologische Bücher, arbeitete für das American Phrenological Journal, Randolph’s Gallery, den Zeitungsverleger Frank Leslie, einen methodistischen Buchverlag und verschiedene deutschsprachige Zeitschriften. Einige ihrer Bleistift- und Tintenzeichnungen wurden 1876 zur Philadelphia Exposition ausgestellt und erhielten positive Kritiken. Zahlreiche Drucke befinden sich im Metropolitan Museum of Art in New York. Aufgrund des Niedergangs des Holzstichs zugunsten des Stahlstichs zog sich B. schließlich aus ihrer Arbeit für die Verlage ins Privatleben zurück. – B. engagierte sich über 50 Jahre lang als Führungspersönlichkeit des 1846 gegründeten jüdischen Ordens United Order of True Sisters, des weiblichen Pendants zum Orden B’nai B’rith. 1879 trat sie in die Hadassah-Loge Nr. 8 in New York ein, deren Großpräsidentin sie 1890 wurde. 27 Jahre lang wirkte sie als Generalsekretärin des Ordens und gründete zahlreiche neue Logen mit, darunter auch die erste englischsprachige. Zu ihrem 25-jährigen Amtsjubiläum wurde sie mit der Errichtung eines Bianca-Bondi-Robitscher-Fonds geehrt, aus dessen Mitteln Bedürftigen geholfen wurde. Zu ihren Ehrentiteln zählte auch The Greatest Mother of Lodges in the UOTS. 1884 begründete B. die Zeitschrift „The Echo“, das Blatt des Ordens, dessen Leitung sie bis 1923 innehatte.

Quellen Cooper Union for the Advancement of Science and Art, Library, New York, C 7C B712F: Bianca B.

Literatur Obituary [Bianca B.], in: New York Times 23.12.1924, S. 19; Mrs. B. dies in her 80th Year. True Sisters Organizer Received the First Diploma Given by Cooper Union in 1868, in: New York Times 24.12.1924, S. 15; Juliet B. Howard, Bianca B., in: Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden 3/1927, H. 7, S. 13; Cornelia Wilhelm, Deutsche Juden in Amerika, Stuttgart 2007, S. 208, 279; April F. Masten, Art Work. Women Artists and Democracy in Mid-Nineteenth-Century New York, Philadelphia 2008, S. 125-127. – Neil Rosenstein, The Unbroken Chain. Biographical Sketches and the Genealogy of Illustrious Jewish Families from the 15th-20th Century, Bd. 1, New York 1990, S. 336f.

Porträt Bianca B., unbekannter Fotograf, undatierte Fotografie, Privatbesitz der Nachfahren (USA) (Bildquelle).

Daniel Ristau
20.5.2020

Empfohlene Zitierweise:
Daniel Ristau, Bianca Bondi-Robitscher, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.10.2020)

Bianca Bondi-Robitscher



Quellen Cooper Union for the Advancement of Science and Art, Library, New York, C 7C B712F: Bianca B.

Literatur Obituary [Bianca B.], in: New York Times 23.12.1924, S. 19; Mrs. B. dies in her 80th Year. True Sisters Organizer Received the First Diploma Given by Cooper Union in 1868, in: New York Times 24.12.1924, S. 15; Juliet B. Howard, Bianca B., in: Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden 3/1927, H. 7, S. 13; Cornelia Wilhelm, Deutsche Juden in Amerika, Stuttgart 2007, S. 208, 279; April F. Masten, Art Work. Women Artists and Democracy in Mid-Nineteenth-Century New York, Philadelphia 2008, S. 125-127. – Neil Rosenstein, The Unbroken Chain. Biographical Sketches and the Genealogy of Illustrious Jewish Families from the 15th-20th Century, Bd. 1, New York 1990, S. 336f.

Porträt Bianca B., unbekannter Fotograf, undatierte Fotografie, Privatbesitz der Nachfahren (USA) (Bildquelle).

Daniel Ristau
20.5.2020

Empfohlene Zitierweise:
Daniel Ristau, Bianca Bondi-Robitscher, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.10.2020)