Auguste Eichhorn

Auguste Eichhorn entwickelte sich von einer einfachen Weberstochter zu einer Initiatorin der proletarischen Frauenbewegung sowie Mitbegründerin des Dresdner Frauen-Bildungsvereins (1894). Mit ihrer politischen Arbeit war Eichhorn maßgeblich am Kampf für mehr Frauenrechte beteiligt und gehörte zu den bedeutenden sächsischen Frauenrechtlerinnen. – Bisher wurde angenommen, dass Eichhorn am 29.9.1851 geboren wurde. Sowohl das Heirats- als auch das Sterberegister im Stadtarchiv Dresden verweisen aber auf den 19.9.1854. Inwiefern es sich auch um einen Verwaltungsfehler handeln könnte, muss offenbleiben. – Eichhorns Kindheit und Jugend waren von Not und Armut geprägt. Als Arbeiterkind in der Industriestadt Chemnitz aufgewachsen, lag das Einkommen der Familie unter dem Existenzminimum und Eichhorn musste nach dem Tod ihres Vaters zum Familienunterhalt beitragen. Teilweise war die finanzielle Lage so prekär, dass Eichhorn um Brot betteln musste. Die sozialen Verhältnisse zwangen Eichhorn, wie viele Arbeiterkinder, ihre schulische Bildung zu vernachlässigen, da sie ab ihrem vierzehnten Lebensjahr für zwölf oder mehr Stunden am Tag in einer Chemnitzer Textil- und Maschinenfabrik arbeiten musste. Sie hatte daher nur das Schreiben, das Lesen und das Rechnen an einer Volksschule gelernt. Erst durch eine erneute Heirat ihrer Mutter verbesserte sich die finanzielle Lage der Familie. Bei ihrer Arbeit als sogenanntes Fabrikmädchen verdiente Eichhorn 16 Groschen bis einen Taler pro Woche. Die Arbeitsbedingungen, denen Eichhorn von Kindheit an ausgesetzt war, ließen sie das Elend der Arbeiterschaft bereits in jungen Jahren erfahren und prägten ihren späteren Werdegang. Zwar entstanden in den Jahren 1868/1869 erste Gewerkschaften von Arbeiterinnen und Arbeitern, jedoch wurden diese von Männern dominiert. Viele Arbeiterinnen waren noch nicht organisiert, da sie keine ausreichende politische Bildung und Erfahrungen besaßen sowie kaum Unterstützung von Männern erhielten. – Eichhorn ließ sich von ihrem ersten Ehemann aufgrund von häuslicher Gewalt scheiden. Hiernach ging sie eine Beziehung mit dem Steinmetz Hermann Eichhorn ein, einem Anhänger der Sozialdemokratie. Das Paar heiratete allerdings erst 1882 - zwei gemeinsame Kinder waren zu diesem Zeitpunkt bereits geboren. Die Beziehung verlief harmonisch, wie Clara Zetkin, die später mit Eichhorn in Dresden für Frauenrechte kämpfte, über das Paar schrieb. Das Einkommen der Familie war jedoch bescheiden und die Arbeitssuche bzw. Arbeitslosigkeit zwang sie zu häufigen Wohnungswechseln. So lebten sie u.a. 1877 in Riesbach bei Zürich (Schweiz), zwischen 1878 und 1882 in Dresden und hiernach in der Leipziger Neustadt. – Durch ihren Lebensgefährten kam Eichhorn, die als Näherin tätig war, in Berührung mit sozialistischen Ideen und deren Vertretern. In Leipzig war Hermann Eichhorn ein führendes Mitglied der sozialistischen und gewerkschaftlichen Bewegung, galt als sozialdemokratischer Aufwiegler und nahm mit seinen politischen Aktivitäten Entlassungen und Festnahmen in Kauf. Um ihre mangelnde Allgemeinbildung auszugleichen, eignete sich Eichhorn in dieser Zeit sozialistische Theorien an und setzte sich mit gesellschaftlichen Missständen auseinander. In diesem Zusammenhang korrespondierte sie mit August Bebel über das Thema Frauen und Sozialismus. In der Zeit der Sozialistengesetze half sie in Leipzig zudem bei der illegalen Verbreitung des „Sozialdemokraten“ und anderer sozialistischen Publikationen. – Da die Familie 1888 Leipzig infolge der Ausweisung Hermann Eichhorns verlassen musste, kam sie wiederum nach Dresden. Hier begann sie sich nun öffentlich für die Arbeiterschaft zu engagieren. Sie setzte sich dafür ein, dass Arbeiterinnen als mündige Bürgerinnen in der Gesellschaft anerkannt wurden und ihnen der Zugang zu Bildung ermöglicht wurde. Aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrungen forderte Eichhorn die Emanzipation der Arbeiterinnen sowie deren Mitbestimmungsrecht in Hinblick auf ihre Arbeitsbedingungen. Auf diese Weise wurde sie zur Initiatorin der proletarischen Frauenbewegung in Dresden und beteiligte sich maßgeblich an der Gründung und Führung verschiedener Organisationen. So gehörte sie der Anfang der 1890er-Jahre gegründeten Frauen-Agitationskommission an und war eine der Begründerinnen des Dresdner Frauen-Bildungsvereins, der 1894 aus dieser hervorging. Sie befürwortete 1900 in leitender Position die Auflösung des Frauen-Bildungsvereins und den Anschluss seiner Mitglieder an sozialdemokratische Wahlvereine. Mit ihrer Rolle als Rednerin und Organisatorin in politischen und gewerkschaftlichen Belangen erweiterte sich ihr Wirkungskreis unter den weiblichen und männlichen Angehörigen der Arbeiterschaft. Auch mit der Politikerin und Frauenrechtskämpferin Zetkin, die Eichhorn bereits in Leipzig kennen gelernt hatte, stand sie in engem Kontakt. – 1896 starb Eichhorns Ehemann, der sich auch in der Residenzstadt politisch betätigt hatte und hierfür kurz vor seinem Tod eine Haftstrafe verbüßen musste. Nach seinem Tod heiratete Eichhorn nicht erneut. Sie setzte ihre Arbeit für die proletarischen Frauenbewegungen energisch fort. Für ihr Ansehen in den Kreisen der Arbeiterbewegung spricht auch, dass Eichhorn als Delegierte der Frauen zu den SPD-Parteitagen nach Köln (1893), Gotha (1896) und Hamburg (1897) entsandt wurde. Sie verstarb 1902 im Alter von 47 Jahren - wie ihr Ehemann - an Tuberkulose. In den sozialdemokratischen Zeitschriften „Der wahre Jacob“ und „Die Gleichheit“ widmete ihr Zetkin Nachrufe, die ihre Lebensleistung würdigten.

Quellen Stadtarchiv Dresden, 6.4.25-1.3.2-12 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt I, Personenstandsbuch, Eheregister 1882, Nr. 55; Stadtarchiv Schwerin, Heirats-Haupt-Register 1905, Nr. 221; Hessisches Landesarchiv - Staatsarchiv Marburg, Bestand 919, Nr. 1218, Sterbe-Zweitbuch 1955, Nr. 79 (ancestry.de).

Literatur Clara Zetkin, Auguste Eichhorn †, in: Der wahre Jakob. Illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung 19/1902, H. 416, S. 3798 (P); dies., Auguste Eichhorn, in: Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen 12/1902, H. 13, S. 100-102; Rose Nyland, Auguste Eichhorn, in: Guste Zörner (Hg.), Sie kämpften auch für uns …, Leipzig 1967, S. 25-33; Luise Dornemann, Alle Tage ihres Lebens. Frauengestalten aus zwei Jahrhunderten, Berlin 1981; Rose Nyland, Der richtige Weg, in: Friderun Bodeit (Hg.), Ich muss mich ganz hingeben können. Frauen in Leipzig, Leipzig 1990, S. 170-174; Marlies Koch (Bearb.), Frauen in Dresden. Dokumente, Geschichten, Porträts, Dresden 1994.

Porträt Porträt von Auguste Eichhorn, Fotografie, in: Der wahre Jakob. Illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung 19/1902, H. 416, S. 3798, via Wikimedia Commons (Bildquelle) [Public Domain Mark 1.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Public Domain Mark 1.0 Lizenz].

Friederike Zimmermann
6.3.2026


Empfohlene Zitierweise:
Friederike Zimmermann, Artikel: Auguste Eichhorn,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/10221 [Zugriff 26.3.2026].

Auguste Eichhorn



Quellen Stadtarchiv Dresden, 6.4.25-1.3.2-12 Standesamt/Urkundenstelle, Standesamt I, Personenstandsbuch, Eheregister 1882, Nr. 55; Stadtarchiv Schwerin, Heirats-Haupt-Register 1905, Nr. 221; Hessisches Landesarchiv - Staatsarchiv Marburg, Bestand 919, Nr. 1218, Sterbe-Zweitbuch 1955, Nr. 79 (ancestry.de).

Literatur Clara Zetkin, Auguste Eichhorn †, in: Der wahre Jakob. Illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung 19/1902, H. 416, S. 3798 (P); dies., Auguste Eichhorn, in: Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen 12/1902, H. 13, S. 100-102; Rose Nyland, Auguste Eichhorn, in: Guste Zörner (Hg.), Sie kämpften auch für uns …, Leipzig 1967, S. 25-33; Luise Dornemann, Alle Tage ihres Lebens. Frauengestalten aus zwei Jahrhunderten, Berlin 1981; Rose Nyland, Der richtige Weg, in: Friderun Bodeit (Hg.), Ich muss mich ganz hingeben können. Frauen in Leipzig, Leipzig 1990, S. 170-174; Marlies Koch (Bearb.), Frauen in Dresden. Dokumente, Geschichten, Porträts, Dresden 1994.

Porträt Porträt von Auguste Eichhorn, Fotografie, in: Der wahre Jakob. Illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung 19/1902, H. 416, S. 3798, via Wikimedia Commons (Bildquelle) [Public Domain Mark 1.0; dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Public Domain Mark 1.0 Lizenz].

Friederike Zimmermann
6.3.2026


Empfohlene Zitierweise:
Friederike Zimmermann, Artikel: Auguste Eichhorn,
in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde,
https://saebi.isgv.de/biografie/10221 [Zugriff 26.3.2026].