Hoffmann Gotthard Werner
Klassischer Philologe, Lehrer, Konrektor und Rektor der Dresdner Kreuzschule
* 19.11.1882 Dresden 16.3.1962 Dresden Dresden, Neuer Friedhof Dresden-Klotzsche(ev.)
VGustav Hermann (1844-1916), LehrerMErna Elvira Frieda Ilse, geb. Nagel (1859-1938)GHermann Siegfried (1879-1882); Elfriede ( * 1884); Erna Ilse (1888-1978), Volksschullehrerin, Oberlehrerin; Elisabeth Dorothee (* 1896)Lotte Klara Martha, geb. Heyde (1887-1959), PianistinSGustav Julius Gerhart (1913-1985), Ingenieur für FlugzeugbauTBrigitte Marta Ilse Elisabeth (1916-2012), Violinendozentin
GND: 1136678220





H. war der erste Nachkriegsrektor der Dresdner Kreuzschule. Er setzte die zwischen 1816 und 1939 lückenlose, unter den Nationalsozialisten unterbrochene Reihe von Klassischen Philologen in diesem Amt fort, blieb damit aber in der DDR-Zeit ein Einzelfall. Für den Wiederbeginn des Unterrichts an seiner alten Schule in einer humanistisch-liberalen Atmosphäre war der durch die Vergangenheit unbelastete Pädagoge ein Glücksfall. – H. besuchte Ostern 1889 bis 1893 die 4. Bürgerschule in Dresden (Glacisstraße 30) und 1893 bis 1902 das Königliche Gymnasium Dresden-Neustadt. Ab 1902 studierte er Klassische Philologie sowie Alte und Neue Geschichte an der Universität Leipzig und 1903/04 an der Universität Berlin. 1907 promovierte er an der Universität Leipzig. Im Dresdner Adressbuch von 1916, 1918 und 1920 ist er als Oberlehrer des Kadettenkorps verzeichnet, einer höheren Bildungsanstalt für angehende Offiziere, die bis zum Abitur führte. 1923 führt ihn das Adressbuch als Studienrat sowie 1926 als Studiendirektor und Konrektor an der (Sächsischen) Landesschule, der Nachfolgeeinrichtung der 1920 aufgelösten Kadettenanstalt mit reformpädagogischen Ansätzen, auf. Kadettenanstalt und Landesschule befanden sich in der Albertstadt. Für die Landesschule wurde 1925 bis 1927 nach Plänen von Heinrich Tessenow und Oskar Kramer der Schulkomplex auf dem Thümmelsberg in Klotzsche errichtet. Als die Landesschule 1934 von den Nationalsozialisten geschlossen und in eine Nationalpolitische Lehranstalt umgewandelt wurde, wechselte H. - wohl strafversetzt - im selben Jahr als Lehrer an die Kreuzschule, wurde sogleich Oberstudiendirektor und als Nachfolger des in den Ruhestand gegangenen Gerhard Noth Konrektor. Nach dem plötzlichen Tod des Rektors Hans Helck 1939 führte H. provisorisch die Leitungsgeschäfte, de facto bis 1944, da Helcks Nachfolger, Martin Eduard Goldammer, als Offizier Kriegsdienst leisten musste. Nachdem Goldammer 1944 gefallen war, trat Hans Kastner als Rektor an dessen Stelle. 1945 wurde H. unter Berücksichtigung seiner unbelasteten Vergangenheit zum ersten Nachkriegsrektor der Kreuzschule ernannt und prägte mit seiner Persönlichkeit die Wiederaufnahme der Unterrichtsarbeit an der Schule. Die Zusammensetzung des neuen Kollegiums dürfte im Wesentlichen seiner Mitwirkung zu verdanken sein: Noch 1945 wurden alte, unbelastete Studienräte der Generation Hoffmann an die Kreuzschule geholt: Der Germanist Alfred Bachmann, der Naturwissenschaftler Erich Geipel (beide wie H. Mitglieder der LDPD) und Felix Köhler. Neben ihnen fanden talentierte sog. Neulehrer wie der ehemalige Kreuzschüler Horst Zimmermann Gelegenheit, sich als Pädagogen zu beweisen. Auch in den Folgejahren wurde das Kollegium durch erprobte ältere und erfolgsversprechende junge Lehrkräfte verstärkt: Hans Siegfried Barsch, Alexei Ewers, Alfred Hilbert, Herbert Roßbach und Alexander Schmidt. Das Ergebnis war in der zweiten Hälfte der Vierzigerjahre ein Kollegium, das eine liberale und humanistische Pädagogik vertrat und die Unterrichtsatmosphäre in diesem Sinn prägte. 1950 wurde H. als Rektor abgesetzt und betreute fortan die Schulbibliothek, was einer Degradierung gleich kam. Nachfolger H.s an der Spitze der Kreuzschule wurde der Germanist Benjamin Satlow. Als letzter Wohnsitz ist in der Lehrerkartei die Königsbrücker Landstraße 111 in Klotzsche angegeben. – Prädestiniert für seinen Dienst an der Kreuzschule war H. auch und besonders durch seine Musikalität: Als Violinist und Bratschist spielte er im Dresdner Mozartorchester, einem der renommiertesten Laienorchester Deutschlands, das unter seinem Leiter Erich Schneider - gleichzeitig Kantor an der Dresdner Frauenkirche - durch Konzerte das Musikleben Dresdens bereicherte. – H.s Wirken als Lehrer und Konrektor der Dresdner Kreuzschule fand Niederschlag in Martin Walsers Roman „Die Verteidigung der Kindheit“ (1991), der auf den Erinnerungen des ehemaligen Kreuzschülers Alfred Dorn, alias Manfred Ranft, beruht.



Q  Stadtarchiv Dresden, Archiv der Kreuzschule und des Dresdner Kreuzchores, Lehrerkartei, Nachlass Horst Zimmermann; Dresdner Adressbücher 1868-1943/44; Adreßbuch für die Stadt Klotzsche und die Gemeinden Hellerau, Langebrück, Ullersdorf, Weixdorf, Wilschdorf, Dresden 1934-1943; Zeitzeugeninterview mit Brigitte Hoffmann durch Heike Schwarzer am 24.7.2008 (unveröffentlichtes Protokoll); Auskunft M. Andreas Sembdner, Kirchgemeinde Dresden-Klotzsche; Auskunft Peter Hoffmann; Auskunft Stadtarchiv Dresden; Auskunft Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen; Auskunft Evangelisch-Lutherisches Kirchspiel Dresden; Auskunft Evangelisch-Lutherische Friedenskirchgemeinde Radebeul.

W  Das literarische Porträt Alexanders des Großen im griechischen und römischen Altertum, Diss. Leipzig 1907.

L  Das Königliche Gymnasium zu Dresden-Neustadt 1874-1899, [Dresden 1899], S. 16; H. Meschwitz, Geschichte des Königlich Sächsischen Kadetten- und Pagen-Korps von dessen Begründung bis zur Gegenwart, 2 Bde., Dresden 1907/13; [H. K.], Werner H. (1882-1962), in: Die Union 14./15.3.1987; Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens 2013, Nr. 7/8, A 93; L. Weber, Die Schulleiter der Kreuzschule von 1945 bis 1990, Dresden 2015 [Ms.]; C. Münchow, Im Dreiklang bis heute. Dresdner Kreuzchor, Kreuzkirche Dresden, Kreuzgymnasium Dresden, Dresden 2015; S. Winterberg, Wie keine andere. Die Dresdner Kreuzschule in der DDR, Berlin 2016, S. 19-40 (P).

P  H. Kretzschmar, Zeichnung, in: S. Winterberg, Wie keine andere. Die Dresdner Kreuzschule in der DDR, Berlin 2016, S. 32 und Abb. III; Werner H., Fotografie, Privatbesitz P. Hofmann (Bildquelle).



Klaus Wachtel
15.1.2018


Empfohlene Zitierweise:

Klaus Wachtel, Hoffmann, Gotthard Werner, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.11.2018)

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