Blochmann Rudolf Sigismund
Mechaniker, Unternehmer
* 13.2.1784 Reichstädt bei Dippoldiswalde 21.5.1871 Dresden(ev.)
VGottlieb Sigismund (1750-1798), Pfarrer in ReichstädtMHenriette Juliane, geb. Bucher (1759-1813)GHeinrich August (1787-1851), Landwirt; Carl Justus (1788-1855), Theologe, Gymnasialdirektor; Ernst Ehrenfried (1789-1862), Druckereibesitzer in Dresden1810 Henriette Eleonora, geb. Nagel (1789-1861)SGeorg Moritz Sigismund (1820-1894), Unternehmer in Dresden, GastechnikerTMaria Amalia Agnes (1813-1868); Elise (* 1825)
GND: 116202688





Im Alter von 14 Jahren kam B. nach Dresden und absolvierte eine Ausbildung zum Mechaniker. 1806 ging er zu dem Physiker und Mechaniker Friedrich von Reichenbach nach München und arbeitete ab 1809 bei Joseph von Fraunhofer in Benediktbeuern an optischen Versuchen und Maschinenkonstruktionen. Der Autodidakt B. begann sich für die Erzeugung von Leuchtgas zu interessieren. 1818 nahm er einen Ruf nach Dresden an und wurde Inspektor des Mathematisch-Physikalischen Salons und der Modellkammer im Zwinger. In Dresden richtete er ein „Mechanisches Atelier“ ein, konstruierte Apparate zur Herstellung von künstlichem Mineralwasser für die Struvesche Fabrik und experimentierte mit einem eigenen kleinen Gaswerk. 1820 stellte er vor seinem Wohnhaus die erste Gaslaterne auf und legte Pläne für die Beleuchtung des Dresdner Schlossplatzes vor. Mit einer Denkschrift an die sächsische Regierung wurde B. 1827 zum Initiator und Mitbegründer der Technischen Bildungsanstalt Dresden (1828). Daneben war er Leiter des Maschinenwesens der Königlichen Münze in Dresden und zugleich mit der Einrichtung einer städtischen Gasanstalt beschäftigt. Dieses erste leistungsfähige deutsche Gaswerk ermöglichte ab April 1828 zunächst die Beleuchtung des Schlossplatzes; 1840 erhielt Dresdens Opernhaus als erstes Theater in Deutschland Gasbeleuchtung. B. avancierte damit zum Begründer der deutschen Gasbeleuchtungsindustrie. 1828 bis 1831 fand in B.s Werkstatt die praktische feinmechanische Ausbildung von Schülern der Technischen Bildungsanstalt statt. Um 1838 entwickelte er eine Steinbohrmaschine, mit der ab 1845 Sandsteinrohre für eine städtische Wasserleitung gebohrt werden konnten, welche die verfallende hölzerne Leitung ersetzten. Bis ins hohe Alter blieb B. als Erfinder und Unternehmer tätig, er konstruierte auch Webstühle und Strumpfwirkmaschinen sowie Gasbeleuchtungsanlagen für andere Städte (Leipzig, Berlin, Breslau, Prag). B.s Mitarbeiter und Schüler wurden zu Multiplikatoren, die die weitere Entwicklung der Industrie in Dresden, z.B. die Nähmaschinenherstellung, voranbrachten.



L  Nachruf, in: Protokoll der 74. Hauptversammlung des Sächsischen Ingenieur- und Architektenvereins vom 30.7.1871, Dresden 1871, S. 4f.; F. R. Blochmann, Rudolf Sigismund B., der Begründer der deutschen Gastechnik, Berlin 1939 (P); A. Weichold, Wilhelm Gotthelf Lohrmann, Leipzig 1985; G. Blochmann, Ein technisch begabter Pfarrerssohn, in: Union 125/1991 vom 1./2.6.1991, Beilage S. II (P). – ADB 2, S. 711f.; DBA I, II, III; DBE 1, S. 576; NDB 2, S. 308f.; D. Petschel (Bearb.), Die Professoren der TU Dresden 1828-2003, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 100f.

P  Rudolf Sigismund B., H. Finke, um 1870, Kupferstich; Rudolf B., der Erbauer des 1. Werkes, Fotographie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Karin Fischer
20.8.2004


Empfohlene Zitierweise:

Karin Fischer, Blochmann, Rudolf Sigismund, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.10.2017)

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