Reinick Robert
Schriftsteller, Maler
* 22.2.1805 Danzig (poln. Gdańsk) 7.2.1852 Dresden Dresden, Trinitatisfriedhof
VDaniel Friedrich († 1821), KaufmannM(† 1814)1844 Marie, geb. Berendt
GND: 116427620

Aufgrund des frühen Tods seiner Eltern wuchs R. bei Verwandten auf. Er besuchte das Gymnasium seiner Heimatstadt und legte dort 1825 das Abitur ab. Anschließend studierte er Malerei, zunächst bei dem Historienmaler Karl Begas an der Berliner sowie ab 1831 bei Wilhelm von Schadow an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1838 bis 1841 hielt er sich in Italien auf. Ein Augenleiden zwang ihn allerdings, die Malerei aufzugeben, woraufhin er sich der Literatur zuwandte. – Nach seiner Heirat 1844 zog R. mit seiner Frau nach Dresden. Dort wurde er Mitglied der „Montagsgesellschaft“, die 1845 vom Komponisten Ferdinand von Hiller zur „Pflege fortschrittlicher Gedanken“ gegründet worden war. Bis 1849 gehörten der Gesellschaft z.B. Richard Wagner, Gottfried Semper und Ernst Rietschel an, später auch der Bildhauer Ernst Hähnel sowie der Dramatiker Karl Gutzkow. In Dresden hielt R. engen Kontakt zum Kreis um Ludwig Richter. – Erste Gedichte R.s waren in den 1830er-Jahren in Adelbert von Chamissos „Musenalmanach“ erschienen. 1837 veröffentlichte er die „Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde“, dessen Ausstattung mit Illustrationen durch Düsseldorfer Maler einen Markstein in der Geschichte der Buchkunst des 19. Jahrhunderts darstellt. In Dresden bearbeitete R. Friedrich Hebbels Tragödie „Genoveva“, die 1843 im Druck erschienen war und im Januar 1845 in Prag in tschechischer Sprache uraufgeführt wurde. Im selben Monat wurde das Stück auch im Wiener Burgtheater in deutscher Sprache aufgeführt. 1849 erschien Alfred Rethels „Auch ein Totentanz“ mit Versen von R. Zwei Jahre später veröffentlichte er eine hochdeutsche Übersetzung von Johann Peter Hebels „Alemannischen Gedichten“ mit Illustrationen von Richter. Mehr als 100 von R.s Liedern wurden vertont, u.a. von Robert Schumann und Johannes Brahms. – Den Mittelpunkt R.s literarischer Tätigkeit bildete die Jugendliteratur, deren Niveau er heben wollte. Er steht hier in der Tradition von Achim von Arnim, Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff, Chamisso und E.T.A. Hoffmann. Von den Märchen R.s ist die an Hoffmanns „Nussknacker und Mäusekönig“ (1816) angelehnte „Wurzelprinzessin“ (1848) mehrfach aufgelegt worden. R. schrieb außerdem den Text zu der Oper „Konradin, der letzte Hohenstaufe“ von Hiller, und war Mitarbeiter, später Herausgeber des „Deutschen Jugendkalenders“. – R.s Lieder und Gedichte sind von der Germanistik stets höher bewertet worden als seine Märchen und Erzählungen. Insbesondere die Schlichtheit und Natürlichkeit seiner Kinderlieder wurde hervorgehoben. – Zu R.s Ehren wurde eine Straße in Dresden-Johannstadt nach ihm benannt. Seit 1957 trägt zudem eine Grundschule im Berliner Stadtteil Spandau seinen Namen.



W  Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde, Düsseldorf 1838; Konradin, der letzte Hohestaufe, Leipzig 1840; ABC-Buch für kleine und große Kinder, Leipzig 1845, 41876 (ND Dortmund 1978); (Hg.), Deutscher Jugendkalender, Leipzig 1847-1853; Lieder und Fabeln für die Jugend, Leipzig 1847, 21849; Gedichte, in: A. Rethel, Auch ein Todtentanz, Leipzig 21849; Geschichten, Märchen und Lieder, Berlin 1883, Leipzig 81900; K. Hobrecker (Hg.), Robert R.s Märchen, Geschichten & Lieder, Reutlingen 1886, Bielefeld/Leipzig 231943; Lieder und Erzählungen von Robert R., Stuttgart 1894; Die Wurzelprinzessin und andere Märchen und Geschichten, München 1906 (ND Weimar 2010); Sonniges Land, Berlin 1931; Gedichte, in: J. Krüss (Hg.), So viele Tage wie das Jahr hat, Gütersloh 1959, München 112005.

L  R. König, Deutsche Literaturgeschichte, Bd. 2, Bielefeld/Leipzig 1895, S. 364f.; K. F. Sturm, Robert R., der Kinderdichter, Leipzig 1907; E. Müller, Robert R., Diss. Wien 1921; H. L. Köster, Geschichte der deutschen Jugendliteratur, Weinheim/Berlin 41927 (ND 1968); I. Dyhrenfurth, Geschichte des deutschen Jugendbuches, Zürich/Freiburg/Breisgau 31967; H. Kunze, Schatzbehalter alter Kinderbücher, Berlin 1969; M. Schulte-Arndt (Hg.), E. Rietschel, Jugenderinnerungen, Leipzig 31994, S. 103; K. Franz, Robert R.: Zum 200. Geburtstag, in: Märchenspiegel 2005, H. 2, S. 43-48. – ADB 28, S. 86; DBA I, II, III; Thieme/Becker, Bd. 28, Leipzig 1934, S. 134; G. K. Nagler, Neues allgemeines Künstler-Lexicon, Bd. 12, München 1842, S. 406f.; Neuer Nekrolog der Deutschen 30/1852, S. 95-101; F. Brümmer, Deutsches Dichterlexikon, Bd. 2, Eichstätt u.a. 1877; R. Wild, Robert R., in: K. Doderer (Hg.), Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 3, Weinheim/Basel 1979, S. 155f.; W. Killy (Hg.), Literaturlexikon, Bd. 9, Gütersloh 1991, S. 16780-16782; K. Flemig, Karikaturisten-Lexikon, München u.a. 1993; N. Weiß/J. Wonneberger, Dichter, Denker, Literaten in Dresden, Dresden 1997, S. 154; F. Stimmel u.a. (Hg.), Stadtlexikon Dresden, Dresden 21998, S. 340; M. Altner, Sächsische Lebensbilder, Radebeul 2001, S. 43f. (P); ders., Robert R., in: K. Franz/G. Lange/F.-J. Payrhuber (Hg.), Kinder- und Jugendliteratur, 21. Ergänzungslieferung, Meitingen 2004, S. 1-18.

P  Selbstporträt, Robert R., 1853, Holzstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Manfred Altner
23.4.2012


Empfohlene Zitierweise:

Manfred Altner, Reinick, Robert, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.3.2017)

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