Pletsch Oscar (Oskar)
Illustrator, Maler
* 26.3.1830 Berlin 12.1.1888 Niederlößnitz bei Dresden Kötzschenbroda
VHeinrich, Oberfeuerwerker, Zeichenlehrer, Kupferstecher1857 Amalie, geb. KrempelTKäte; Trude
GND: 11624481X

P. ist ein typischer Vertreter der Genremalerei, der sich in seinen Werken auf Alltagsszenen und die Darstellung des Familienlebens konzentrierte. Er galt in den 1860er- und 1870er-Jahren als der beliebteste Kindermaler des deutschen Bürgertums und erlangte v.a. durch seine Bilder zu zahlreichen, oft religiös geprägten Volks-, Kinder- und Jugendschriften große Bekanntheit. Die Publikationen waren kommerziell sehr erfolgreich, seine Illustrationen wurden zudem in England, Frankreich, Schweden und in den USA veröffentlicht. Vielfach haben Motive seiner Niederlößnitzer Wahlheimat und der Elblandschaft in die Bücher Einzug gehalten. – Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende P. kam im Oktober 1846 durch Vermittlung des Malers Eduard Bendemann und mit finanzieller Unterstützung eines Predigers namens Seidig an die Königliche Akademie der bildenden Künste in Dresden. 1850 trat er dort in das Atelier Bendemanns ein. Zeitweise begleitete auch der Historienmaler Julius Schnorr von Carolsfeld seinen Ausbildungsweg an der Dresdner Akademie. Von größter Bedeutung war jedoch Ludwig Richter, bei dem P. etwa ein Jahr lang wohnte. Der künstlerische Einfluss Richters, für den er zunächst zahlreiche Zeichnungen auf Holzstöcke übertrug, ist unverkennbar. 1855 musste P. Dresden verlassen, um in Berlin den Militärdienst zu absolvieren. Anschließend versuchte er künstlerisch wieder in Dresden Fuß zu fassen. Da dies misslang, ließ er sich zunächst wieder in seiner Heimatstadt Berlin nieder. Dort heiratete er und versuchte die Familie u.a. mit Zeichenunterricht über Wasser zu halten. 1860 brachte sein erstes eigenes Druckwerk „Die Kinderstube in 36 Bildern“ (Hamburg, Agentur des Rauhen Hauses), das P. dem späteren Kaiser Wilhelm II. widmete, den Durchbruch. Die Publikation machte ihn innerhalb kürzester Zeit bekannt und hatte zahlreiche Aufträge zur Folge. Bis 1871 lebte P. in Berlin, dann zog er nach Niederlößnitz, wo er 1872 ein Haus mit Atelier kaufte. 1877 verlieh ihm König Albert von Sachsen den Professorentitel. Bereits seit längerem von einer Augenkrankheit heimgesucht, starb P. infolge von Wassersucht elf Jahre später in Niederlößnitz. – Der langjährige Mitarbeiter Richters widmete sich vorwiegend Themen des Alltags. Darstellungen von Kindern, Familie und Beruf, meist angesiedelt im ländlichen oder kleinstädtischen Milieu, standen im Zentrum seines Schaffens. P. bildete eine heile, technikferne Kinderwelt ab, porträtierte Kinder und malte Idyllen, nach denen sich wohl viele in Zeiten bedrohlich wachsender Industrialisierung sehnten. Dabei konzentrierte er sich auf Motive des eigenen, engsten Umfelds. So dienten ihm z.B. seine beiden Töchter in dem Bilderbuch „Gute Freundschaft“ als Modelle. Bevorzugte Technik P.s war, vergleichbar mit seinem Vorbild Richter, der Holzschnitt. Hierbei arbeitete er vielfach mit dem Dresdner Holzschneider Hugo Bürkner zusammen. Es entstanden – neben seinen äußerst populären Kinder- und Jugendbüchern – Illustrationen für die Zeitschriften „Daheim“ und „Gartenlaube“ sowie für Julius Lohmeyers „Deutsche Jugend“, deren künstlerischer Leiter P. zudem war. Die stetig wachsende Verbreitung preiswerter Kinder- und Jugendschriften mit bunten Illustrationen ließen P.s einfarbige Holzschnitte jedoch noch zu seinen Lebzeiten aus der Mode kommen.



Q  Bayerische Staatsbibliothek, München; Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel.

W  Die Kinderstube, Hamburg 1860; Jahr ein, Jahr aus im Elternhaus, Berlin 1861; Wie’s im Hause geht nach dem Alphabeth, Berlin 1861; Was willst du werden? 1., 2. Reihe, Berlin 1862, 1863 (ND Andernach 2000); Gute Freundschaft, Berlin 1863; Daheim, Dresden 1864; Kleines Volk, Berlin 1865; Allerlei Schnik-Schnak, Berlin 1866; Hausmütterchen, Leipzig 1868; Blatt für Blatt, Esslingen 1869 (ND Esslingen 1981); Springinsfeld, Leipzig 1871; Auf dem Lande, Leipzig 1871; Kleine Sippschaft, Glogau 1883.

L  A., Über O. P., in: Der Kunstwart 1/1888, S. 128f.; A. Deiske, O. P., in: Das Neue Blatt 19/1888, S. 445, 458 (P); V. Blüthgen, Vom „Onkel P.“, in: Daheim 24/1888, S. 313-315 (P); J. Lohmeyer, O. P., der Zeichner der Kinderwelt, in: Deutsche Jugend, Neue Folge 6/1888, S. 126-136 (P); K. J. Friedrich, Liebenswerte Künstlergestalten um Ludwig Richter, Leipzig u.a. 1940, S. 115-136 (Bildquelle); ders., Ludwig Richter und sein Schülerkreis, Leipzig 1956, S. 172-178; H. Wegehaupt, Der Kinderbuchillustrator O. P., in: Marginalien 22/1966, S. 26-35 (WV). – DBA II, III; Thieme/Becker, Bd. 27, Leipzig 1933, S. 152; M. Osterwalder, Dictionnaire des illustrateurs 1800-1914, Paris 1983, S. 840; K. Doderer (Hg.), Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 3, Weinheim/Basel 1984, S. 57-59; H. Ries, Illustration und Illustratoren des Kinder- und Jugendbuchs im deutschsprachigen Raum 1871-1914, Osnabrück 1992, S. 778-781 (WV); K. Flemig, Karikaturisten-Lexikon, München u.a. 1993, S. 219; K. Franz (Hg.), Kinder- und Jugendliteratur. Ein Lexikon, Meitingen 1995, 7 S. (WV); M. Altner, Sächsische Lebensbilder, Radebeul 2001, S. 17-20 (P).



Fedor Bochow
7.6.2004


Empfohlene Zitierweise:

Fedor Bochow, Pletsch, Oscar (Oskar), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.4.2017)

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