Repnin-Volkonskij
(Repnin-Wolkonski)
Nikolaj Grigor’evič
(Nikolai Grigojewitsch)

Fürst, Diplomat, Gouverneur
* 1778 6.1.1845 Jagotina/Gouvernement Poltawa (Russland) bei Priluk(russ.-orth.)
VGrigorij Semënovič Volkonskij (1742-1824), Militärgouverneur in OrenburgMAleksandra NikolaevnaGSergej, Dekabrist1802 Varvara Alekseevna, geb. Razumovskij (1778-1864)SVasilij NikolaevičTAleksandra; Elisaveta; Varvara
GND: 116448830





R. ist als Gouverneur des russischen Generalgouvernements in Sachsen 1813/14 von Bedeutung. – Er stammte aus einem traditionsreichen russischen Adelsgeschlecht und machte als Militär nach dem Eintritt in das Erste Kadettenkorps schnell Karriere. Bereits 1797 war er Flügeladjutant im Leibhusarenregiment des Zaren Paul I. Relativ zeitig nahm er auch an Kampfhandlungen gegen die Franzosen teil. In der Schlacht von Austerlitz (1805) führte er als Oberst jene Attacke an, die Lev Tolstoj in „Krieg und Frieden“ beschrieben hat, geriet dabei in französische Gefangenschaft und hatte mehrere Begegnungen mit Napoleon. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft wurde R. 1806 zum Generalmajor befördert und 1809/10 als Gesandter an den Hof König Jérômes von Westfalen nach Kassel abkommandiert; an der Wahrnehmung der gleichen Aufgabe am spanischen Hof in Madrid hinderte ihn die Einreiseverweigerung durch Napoleon. Im März 1812 wurde er wieder in die Armee als Chef einer Kavalleriedivision in das Korps von General Ludwig Wittgenstein zurückberufen und nahm an den Kämpfen um Berlin, Dresden, Kulm und Leipzig teil. Vom 22.10.1813 bis 8.11.1814 übte R. die Funktion des russischen Generalgouverneurs in Sachsen aus. In dieser Zeit bemühte er sich, gemeinsam mit sächsischen Patrioten die Ordnung nach den Wirren des Kriegs wiederzuerlangen. Mit der Hilfs- und Wiederherstellungs-Kommission versuchte er, die Versorgung der Bevölkerung und deren Abgabenlast zu erleichtern. Daneben engagierte sich R. bei der Stabilisierung der zerrütteten Finanzen der sächsischen Staatskasse und schuf eine neue Polizeiverfassung. Bedeutend sind seine Verdienste auch auf kulturellem Gebiet. So wurde auf seine Weisung und Initiative die von den Franzosen als Munitionsdepot genutzte Frauenkirche in Dresden restauriert, der Große Garten für die Bevölkerung geöffnet, die im Frühjahr 1813 gesprengte Elbbrücke wiederhergestellt (ebenso Brücken in Meißen und Weißenfels) und die Freitreppe zur Brühlschen Terrasse unter der Leitung von Gottlob Friedrich Thormeyer erbaut. R. ließ das Theater reorganisieren, die Kunstschätze von der Festung Königstein zurückholen und öffentlich zugänglich machen und veranstaltete erneut jährliche Kunstausstellungen. – Unter seiner Ägide wurde 1813 die Chirurgisch-Medizinische Akademie nach einem Projekt von Burkhard Wilhelm Seiler gegründet, in Leipzig eine Anstalt für Feld- und Wundärzte. In Dresden entstand die Industrieschule, die Vorstufe der 1828 gegründeten Technischen Bildungsanstalt; für die Freiberger Berghochschule wurde die Wernersche Mineraliensammlung erworben und eine Reihe von Bibliotheken aus Privathand angekauft. Bei gleichzeitiger enormer Prachtentfaltung und Verschwendung zielte R.s Kulturpolitik darauf, Dresden zum „Mittelpunkt deutscher Kunst“ zu machen. Im März 1814 erfolgte die Ernennung zum Generalleutnant. Nach der Rückkehr in die Heimat wurde R. zum Generalgouverneur von Kleinrussland in Poltawa ernannt (1816-1834), später zum Mitglied des Staatsrats. Aber 1836 wurde er wegen angeblicher finanzieller Unterschlagungen aus allen Funktionen entfernt. Er bereiste noch einmal Westeuropa, darunter auch Dresden, blieb aber bis an sein Lebensende tief verletzt von den zu Unrecht gegen ihn erhobenen Beschuldigungen.



L  G. Klemm, Dresden unter dem russisch-preussischen General-Gouvernement vom 17. November 1813 bis zum 5. Juni 1815, Dresden 1930; J. Orzschig, Das russische General-Gouvernement in Leipzig, Leipzig 1934; S. N. Iskjul, Die Mission des Fürsten Nikolaj G. R. in Kassel 1809-1810, in: E. Donnert (Hg.), Europa in der Frühen Neuzeit, Bd. 3, Köln/Weimar/Wien 1997, S. 326-356; E. Hexelschneider, Kulturelle Begegnungen zwischen Sachsen und Rußland 1789-1849, Köln/Weimar/Wien 2000, S. 138-152; R. Groß, Von Moskau nach Leipzig, in: Dresdner Hefte 21/2003, H. 74, S. 20-26 (P). – Russkij biografičeskij slovar‘, Bd. Rejtern-Rol’berg, St. Petersburg 1913, S. 118-127.

P  Ch. Schule, 1815, Kupferstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Erhard Hexelschneider
15.8.2004


Empfohlene Zitierweise:

Erhard Hexelschneider, Repnin-Volkonskij
(Repnin-Wolkonski), Nikolaj Grigor’evič
(Nikolai Grigojewitsch)
, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.11.2017)

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