Bollert Martin
Bibliothekar, Direktor der Sächsischen Landesbibliothek Dresden
* 11.10.1876 Frankfurt/Oder 6.3.1968 Röttgen bei Bonn(ev.)
VJulius (* 1876), PfarrerMMarie, geb. Cattien1906 Elsa, geb. Noack (* 1883)TEva (* 1910); Lotte (*1912); Friederike (* 1914); Maria (* 1917)
GND: 134059921

Neben Ernst Wilhelm Förstemann zählt B. zu den bedeutendsten Reformern der Sächsischen Landesbibliothek (SLB) in Dresden. – Nach dem Studium der Philosophie, Germanistik und Theologie sammelte er erste berufliche Erfahrungen bei Paul Ladewig in der Kruppschen Bücherhalle Essen und an der Universitätsbibliothek in Bonn. Mit 37 Jahren übernahm B. die Leitung der Bromberger Stadtbibliothek, die er bis 1920 innehatte. In diesem Jahr erfolgte die Berufung zum Direktor der SLB. Er fand in Dresden eine Sammlung vor, die den Charakter einer Gelehrtenbibliothek des 19. Jahrhunderts besaß. Binnen kürzester Zeit gelang es ihm, das Institut zu einem der modernsten seiner Art in Deutschland umbauen zu lassen. Die damit verbundene Modernisierung der Benutzung der Bestände und deren Erschließung öffnete die Landesbibliothek für einen breiten Nutzerkreis. Unter seiner Ägide richtete Erhart Kästner 1935 das Buchmuseum ein, welches B.s Bedürfnis nachkam, mit Vorträgen, Führungen und Ausstellungen die SLB zu einem kulturellen Zentrum der Elbestadt zu machen. Seine besondere Sorge galt dem bibliothekarischen Nachwuchs, dessen Ausbildung er im eigenen Haus enorm steigerte und als stellvertretender Vorsitzender des Prüfungsamts für Bibliothekswesen in Leipzig maßgeblich förderte. – Seine Veröffentlichungen galten buchkundlichen und bibliotheksgeschichtlichen Themen, darunter Aufsätze über historische Bucheinbände sowie über seine Amtsvorgänger Johann Michael Francke und Friedrich Adolf Ebert. – Nach dem Abschluss des Umbaus und der Neustrukturierung der SLB, die damals im Japanischen Palais am Neustädter Elbufer untergebracht war, ging B. wenig später (1937) in den vorzeitigen Ruhestand. Er benutzte vorgeschobene gesundheitliche Gründe, um nicht mehr den wachsenden politischen Differenzen mit den Nationalsozialisten ausgesetzt zu sein. Die Zerstörung des Bibliotheksgebäudes und eines erheblichen Teils des Bestands musste B., der in Radebeul bei Dresden wohnte, 1945 miterleben. 1956 war er als 80-Jähriger an den Feierlichkeiten zur 450-Jahr-Feier der SLB beteiligt. Seinen Lebensabend verbrachte er bei einer seiner Töchter in Röttgen bei Bonn.



W  K. Assmann, Martin B.s Schriften, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 65/1951, S. 341-343.

L  H. Neubert (Hg.), Festschrift Martin B. zum 60. Geburtstage, Dresden 1936; H. Kunze, Martin B. zum 75. Geburtstage, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 65/1951, S. 334-340; H. Hofmann (Red.), Festschrift Martin B. zum 80. Geburtstag am 11. Oktober 1956, Dresden 1956; K. Assmann (Hg.), Sächsische Landesbibliothek Dresden 1556-1956, Leipzig 1956, S. 224f. – DBA II (P); T. Bürger/K. Hermann (Hg.), Das ABC der SLUB, Dresden 2006, S. 41f.

P  Martin B., E. R. Dietze, 1942, Ölgemälde, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Katrin Nitzschke
23.2.2012


Empfohlene Zitierweise:

Katrin Nitzschke, Bollert, Martin, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

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