Wagner Maria Dorothea
geb. Dietrich
Landschaftsmalerin und -zeichnerin
* 10.1.1719 Weimar 10.2.1792 Meißen
VJohann Georg Dietrich (1684-1752), Hofmaler in WeimarGChristian Wilhelm Ernst Dietrich, gen. Dietricy (1712-1774), Maler und Radierer; Rahel Rosina Dietrich, verh. Böhme (1725-1770), Kopistin und Porzellanmalerin an der Meißner PorzellanmanufakturJohann Jakob (1710-1797), Porzellanmaler an der Meißner PorzellanmanufakturSJohann Georg (1744-1767), Landschaftsmaler
GND: 135674913





W. entstammte einer produktiven Künstlerdynastie. In Weimar lernte sie unter Anleitung ihres Vaters, des Hofmalers Johann Georg Dietrich, das Zeichnen und blieb auch nach ihrer Verehelichung als Künstlerin tätig. W.s Zeichnungen in Sepia oder Gouache wurden von Stechern wie Johann Michael Frey und Johann Gottlob Schumann vervielfältigt und von ihrem Bruder Dietricy sowie von Adrian Zingg, Karl Gottfried Traugott Faber und Johann Christian Clausen Dahl noch lange nach ihrem Tod als Vorlagen für deren Schüler genutzt. Ihre Gemälde - zumeist Paare von Gegenstücken - zeigen Landschaften mit wenigen ländlichen Staffagefiguren, in denen sie durch hinzugefügte Ruinen, Wasserfälle, einzeln stehende Bäume und eine asymmetrische Kompositionsweise die konkrete sächsische Landschaft verallgemeinert und überhöht zu haben scheint. Darin knüpft sie nach dem Vorbild ihres Bruders an die niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts an. Diese spätbarock-dekorative Landschaftskunst trifft auf eine verhaltene Stimmungshaftigkeit, die bereits den Beginn der romantischen Naturauffassung in Sachsen ankündigt und W.s Nähe zu Johann Christian Klengel erweist. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, insbesondere zum Bruder, blieb W. innerhalb eines engen motivischen und stilistischen Rahmens. Sie schuf v.a. konstruierte Fels-und-Wasser-Kompositionen, womit sie die spätbarocke Tradition bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ungebrochen fortsetzte. Neben der 31 Jahre jüngeren Johanna Marianne Freystein war W. die einzige Frau in der sächsischen Landschaftsmalerei und gehörte zu den wenigen geschäftlich erfolgreichen Künstlerinnen des 18. Jahrhunderts, die unter ihren männlichen Kollegen einen anerkannten Platz einnahmen.



W  Aufsteigender Hohlweg am Fluss, 1726, Tempera, Städel-Museum Frankfurt/Main, Grafische Sammlung; Landschaft mit Wasserfall, um 1726, Tempera, ebd.; Im Mühlengrund, um 1747, Öl auf Holz, Privatbesitz Stuttgart; Landschaft mit strohbedeckter Hütte, 1776, Rötel über Graphit, Staatliche Grafische Sammlung München; Landschaft mit Ruinen, Öl auf Leinwand, Anhaltinische Gemäldegalerie Dessau; Landschaft mit Ruinen (Pendant), Öl auf Leinwand, ebd.; Flusslandschaft mit felsigen Ufern, Öl auf Leinwand, ebd.; Flusslandschaft mit felsigen Ufern bei untergehender Sonne, Öl auf Leinwand, ebd.; Gebirgslandschaft mit einer Holzbrücke, Öl auf Holz, ebd.; Gebirgslandschaft, Öl auf Holz, ebd.; Gehöft unter Bäumen, Pinsel in Sepia, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett; Steg über Fluss, Pinsel in Sepia, ebd.; Burg auf einem Felsen über einem Flusstal, Tempera, Städel-Museum Frankfurt/Main, Grafische Sammlung; Flusslandschaft, Öl auf Buchenholz, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha; Gebirgslandschaft mit Wasserfall, Öl auf Buchenholz, ebd.; Felsige Landschaft mit Wassermühle, Öl auf Holz, Privatbesitz Radebeul; Flusslandschaft mit Brücke und Dorf, Öl auf Holz, ebd.; Rinder auf der Weide, Graphit, Albertina Wien, Grafische Sammlung.

L  J. C. Hasche, Umständliche Beschreibung Dresdens mit allen seinen äußern und innern Merkwürdigkeiten, Bd.1, Leipzig 1781, S. 740; W. Loose, Lebensläufe Meißner Künstler, Meißen 1888, S. 90; G. E. Pazaurek, Meißner Porzellanmalerei des 18. Jahrhunderts, Stuttgart 1929, S. 124-126; B. Kovalevski (Hg.), Zwischen Ideal und Wirklichkeit, Ostfilden-Ruit 1999, S. 314f.; A. Fröhlich, Landschaftsmalerei in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Weimar 2002, S. 227-230. – ADB 40, S. 508; DBA I, II, III; DBE 10, S. 285; G. K. Nagler (Hg.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon, Bd. 23, Linz ²1913, S. 441; Thieme/Becker, Bd. 35, Leipzig 1999, S. 43.



Anke Fröhlich
19.9.2011


Empfohlene Zitierweise:

Anke Fröhlich, Wagner, Maria Dorothea, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.10.2017)

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