Cranach Lucas d.J.
Maler, Zeichner, Bürgermeister von Wittenberg
* 4.10.1515 Wittenberg 25.1.1586 Wittenberg
VLucas d.Ä. (1472-1553), Maler, Zeichner, Kupferstecher, Bürgermeister von WittenbergMBarbara, geb. Brengebier (Brengbier) (1477-1540)GHans (um 1513-1537), Maler; Ursula; Barbara († 1601); Anna (1520-1577) 1.1541 Barbara, geb. Brück (1518-1550)SLucas (1541-1612); Johann († 1548); Christian († 1556)TBarbara 2.1551 Magdalena, geb. Schurff (1531-1606)SAugustin (1554-1595); Christoph († 1596)TMagdalena († 1554); Agnes († 1560); Elisabeth (1561-1645)
GND: 118522590

Als Sohn, Schüler und Mitarbeiter von Lucas Cranach d.Ä. ist C.s Schaffen so eng mit der Wittenberger Cranach-Werkstatt verbunden, dass eine klare Bestimmung seines Werks bis heute schwer fällt. Vermutlich nahmen C.s Verantwortung und Beteiligung in der Werkstatt nach dem Tod des älteren Bruders Hans 1537 deutlich zu. Erst 1550 aber übertrug ihm der Vater die Werkstattleitung. Anlass hierfür war die Abreise Cranachs d.Ä. zu seinem entmachteten kurfürstlichen Dienstherrn Johann Friedrich (der Großmütige) nach Augsburg. Der Übergang der Kurwürde an die albertinische Linie des Hauses Wettin brachte es mit sich, dass Wittenberg seine Stellung als kurfürstliche Residenz an Dresden abgeben musste. Damit verlor auch die Cranach-Werkstatt ihre bisherige enge (räumliche) Bindung zum kurfürstlichen Hof. Dies mag der Grund dafür gewesen sein, dass C., anders als sein Vater, nie in die privilegierte Stellung eines Hofmalers gelangte. Jedoch steht C. seinem Vater an Bedeutung innerhalb der Wittenberger Gesellschaft nicht nach: Auch er war ein begüterter, einflussreicher und geachteter Bürger der Stadt und bekleidete ab 1549 politische Ämter, darunter 1565 bis 1568 das des Bürgermeisters. Die Cranach-Werkstatt wurde unter ihrem neuen Leiter sogleich auch vom kurfürstlichen Hof in Dresden mit repräsentativen Aufgaben betraut. Die großformatige Herkulesfolge (Gemäldegalerie Alte Meister Dresden) aus dem Jahr 1551 stellt die erste sicher C. zuschreibbare Auftragsarbeit für Kurfürst Moritz dar. Auch sein Bruder und Nachfolger, Kurfürst August, griff auf die bewährten Dienste C.s zurück. Dabei spielten die Porträts der Kurfürsten Moritz und August eine besondere Rolle zur Legitimierung fürstlicher Herrschaft. Das Porträtschaffen C.s offenbart ein zeichnerisches Können, das nicht hinter dem seines Vaters zurücksteht. In der kunsthistorischen Forschung wird C. dennoch überwiegend als Epigone und deutlich schwächerer Nachfolger seines Vaters gesehen. Diese Beurteilung fußt u.a. auf der tatsächlich erheblich variierenden Qualität der Werkstattarbeiten seit den 1550er-Jahren, lässt jedoch Hauptwerke C.s, wie die schon erwähnten Herkulestafeln oder den Johann Friedrich und seiner Familie gewidmeten Altar in der Weimarer Stadtkirche von 1555, unberücksichtigt. Die Etablierung der Reformation in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bewirkte darüber hinaus eine zurückgehende Bildthemenvielfalt. Neben altgläubiger Bildikonografie waren auch mythologische und höfisch-erotische Sujets wenig(er) gefragt. Dafür entwickelte sich eine protestantische Bildnisepitaphien-Tradition, die C. und seine Werkstatt entscheidend mit prägten (Epitaph-Altar für Fürst Joachim von Anhalt, 1565, Johanniskirche Dessau; Weinberg-Epitaph für Paul Eber, 1569, Stadtkirche Wittenberg). Parallel zur immer kunstfeindlicher werdenden Grundstimmung der Zeit lässt sich ein Innovations- und Qualitätsverlust der Arbeiten der Cranach-Werkstatt beobachten. Zwar entstanden nach wie vor einzelne bedeutende Auftragswerke, wie etwa das Altargemälde der Schlosskapelle Augustusburg von 1571 oder das Colditzer Altarwerk von 1584 (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg), auffallend ist aber die thematische Einförmigkeit der Bilder sowie der Rückgriff auf längst entwickelte und vielfach variierte Bildfindungen. – Die späte Lebenszeit C.s war durch eine familiäre Tragödie überschattet: 1567 wurde sein Schwager Christian Brück, Kanzler des Herzogs Johann Friedrich (der Mittlere), nach Niederschlagung der Grumbachschen Händel durch Vierteilung hingerichtet. C.s Schwester Barbara und ihren Kindern drohte die Enteignung. C. trat daraufhin 1568 vom Bürgermeisteramt zurück und beendete so seine beinahe 20-jährige Tätigkeit als Kommunalpolitiker. Größere finanzielle Einbußen erlitt er nicht, noch 1573 gehörte er zu den fünf reichsten Bürgern Wittenbergs. Als Künstler genoss er bis zu seinem Tod großes Ansehen, was sich auch daran zeigte, dass Kurfürst August den Maler Zacharias Wehme 1571 bis 1578, eventuell sogar bis 1581 bei C. ausbilden ließ und danach an seinem Hof beschäftigte. Offensichtlich war dem Kurfürsten daran gelegen, auf diese Weise die malerische Tradition der Cranach-Werkstatt für den Dresdner Hof auch über den Tod C.s hinaus zu sichern.



Q  W. Schade, Die Malerfamilie Cranach, Dresden 1974.

W  Lucas Cranach d.Ä., 1550, Uffizien Florenz; Herkulesfolge, 1551, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister; Altar für Herzog Johann Friedrich von Sachsen und seine Familie, 1555, Stadtkirche Weimar; Kurfürst Joachim II. von Brandenburg, um 1555, Staatliche Schlösser und Gärten Berlin, Jagdschloss Grunewald; Gregor Brück, 1557, Kunstsammlungen Weimar; Kurfürst August von Sachsen, Kurfürstin Anna, Herzog Alexander, Herzogin Elisabeth, 1564/65, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer; Abendmahl, Epitaph Joachim von Anhalt, 1565, Schlosskirche Dessau; Kurfürst Johann Friedrich, Kurfürst Moritz, 1578, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer; Colditzer Altar, 1584, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg.

L  W. Schade, Die Altar- und Epitaphbilder Lucas C.s d.J., Dipl.-Arbeit Humboldt Universität Berlin 1956; ders., Die Malerfamilie Cranach, Dresden 1974 (WV); D. Koepplin/T. Falk (Hg.), Lucas C. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik, Ausstellungskatalog, 2 Bde., Basel/Stuttgart 1974-1976; I. Schulze, Lucas C. d.J. und die protestantische Bildkunst in Sachsen und Thüringen, Bucha bei Jena 2004; K. Kolb, Cranach und Dresden, Berlin 2005. – ADB 4, S. 562; DBA I, II, III; DBE 2, S. 393; NDB 3, S. 398ff.; AKL, Bd. 22, München/Leipzig 1999, S. 173f.

P  Kupferstich, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Karin Kolb
30.8.2005


Empfohlene Zitierweise:

Karin Kolb, Cranach, Lucas d.J., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (15.9.2014)

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