Dassdorf Karl Wilhelm
Bibliothekar, Dichter, Publizist
* 2.2.1750 Stauchitz bei Oschatz 28.2.1812 Dresden(ev.)

GND: 116028254





Der Sohn eines Postmeisters begann 1768 nach dem Besuch der Fürstenschule St. Afra in Meißen seine theologischen Studien an der Universität Leipzig. Dort entwickelte er sich zu einem der Lieblingsschüler von Christian Fürchtegott Gellert, der ihn dem Kreissteuereinnehmer und Herausgeber der Zeitschrift „Der Kinderfreund“, Christian Felix Weiße, als Lehrer von dessen Kindern empfahl. 1772 erlangte D. die Magisterwürde, wurde in das Predigerkollegium aufgenommen und trat in die philobiblische Gesellschaft ein. Im Folgejahr nahm er eine Stelle als Hofmeister im Haus des Geheimrats Friedrich Wilhelm von Ferber in Dresden an. Auf dessen Fürsprache erhielt D. 1775 die Stelle eines Dritten Bibliothekars an der kurfürstlichen Bibliothek in Dresden. Nach dem Tod Karl Christian Canzlers rückte er 1786 zum Zweiten Bibliothekar auf und nach dem Ableben Johann Christoph Adelungs 1806 zum Ersten. D. war maßgeblich am Umzug der Bibliothek aus den Zwingerpavillons in das Japanische Palais beteiligt. Von Zeitgenossen gerühmt ist seine benutzerfreundliche Haltung. Gotthold Ephraim Lessing regte ihn bei seinem Besuch in Dresden an, eine „Beschreibung der vorzüglichsten Merkwürdigkeiten der Churfürstlichen Residenzstadt Dresden und einiger umliegenden Gegenden“ zu verfassen, die 1782 erschien. D. ist zudem mit zahlreichen Gelegenheitsschriften hervorgetreten und hat Texte für die Seylersche Schauspieltruppe verfasst. Unter seinen Büchern sind außerdem die von ihm herausgegebenen Briefe Johann Joachim Winckelmanns (1777/80) erwähnenswert.



W  Andromache. Ein musicalisches Drama, Dresden 1777; (Hg.), Johann Joachim Winckelmann. Briefe an seine Freunde, 2 Bde., Dresden 1777/80; Beschreibung der vorzüglichsten Merkwürdigkeiten der Churfürstlichen Residenzstadt Dresden und einiger umliegenden Gegenden, Dresden 1782; Numismatisch-historischer Leitfaden zur Übersicht der sächsischen Geschichte, Dresden/Leipzig 1801 (ND Berlin 1971).

L  F. A. Ebert, Geschichte und Beschreibung der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden, Leipzig 1822, S. 234; A. Kirschner, Aus dem Leben des Bibliothekars D., in: Sachsenpost 4/1912, Nr. 282, S. 2f.; A. Hantzsch, Hervorragende Persönlichkeiten in Dresden und ihre Wohnungen, Dresden 1918, S. 128f.; K. Assmann (Hg.), Sächsische Landesbibliothek Dresden 1556-1956, Leipzig 1956, S. 226. – DBA I, II, III; DBE 1, S. 446; J. G. A. Kläbe (Hg.), Neuestes gelehrtes Dresden, Leipzig 1796, S. 26-28; C. J. G. Haymann, Dresdens theils neuerlich verstorbene ietzt lebende Schriftsteller und Künstler, Dresden 1809, S. 205f.; K. H. Jördens, Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten, Bd. 6, Leipzig 1811, S. 13-15; K. Bader, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Fürsten, Staaten und Städten, Leipzig 1925, S. 40; T. Bürger/K. Hermann (Hg.), Das ABC der SLUB, Dresden 2006, S. 55f. (P).

P  Karl Wilhelm D., R. F. C. Sührlandt, 1803, Öl auf Leinwand, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Katrin Nitzschke
30.7.2010


Empfohlene Zitierweise:

Katrin Nitzschke, Dassdorf, Karl Wilhelm, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.9.2017)

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