König (seit 1742 von König) Johann Ulrich
Hofdichter, Opernlibrettist, Zeremonienmeister, Bibliothekar
* 8.10.1688 Esslingen/Neckar 14.3.1744 Dresden(ev.)
VAlbrecht Adam (um 1647-1701), Diakon, Archidiakon, MinisterialbeamterMMaria Elisabetha, geb. Datt, verw. Beurlin (1653-1701)GJohann Albrecht (* † 1680); Johannes Philipp (*1683), Pfarrer in Massenbach; Johann Leonhard (* † 1684); Johannes (1685-1686); Euphrosyna Dorothea (* 1687); Katharina Elisabetha (1690-1691); Johann Eberhard (* † 1691); Eberhard Albrecht (* † 1692); Agnes Elisabeth (* 1694); Jakob Bernhard (* 1698)S1
GND: 118777661

K. erhielt durch die Anstellung seines Vaters als Ministerialbeamter finanziell die Möglichkeit zu einer guten Schulbildung in Esslingen/Neckar. Nachdem seine Eltern beinahe zeitgleich 1701 starben, erzog ihn seit dem zwölften Lebensjahr sein Onkel Johann Philipp Datt, ein württembergischer Regierungsrat in Stuttgart. Nach dem Besuch des dortigen Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums studierte er wahrscheinlich in Tübingen Theologie und kurzzeitig in Heidelberg Rechtswissenschaften. 1710 kam K. nach Hamburg, wo er mit Hilfe namhafter und einflussreicher Gönner eine leitende Stelle an der städtischen Oper erhielt. Zusammen mit Barthold Heinrich Brockes und Michael Richey gehörte er zu den Initiatoren der 1715 gegründeten „Teutsch-übenden Gesellschaft“ in Hamburg, die etwa drei Jahre bestand und die im Geist der Aufklärung stehende Wochenzeitschrift „Patriot“ herausbrachte. Zu dieser Zeit schrieb K. zahlreiche Gedichte sowie historische und romantische Opern, wodurch er besonders zur Blüte Letzterer viel beitrug. Indem er den jungen Komponisten Johann Adolf Hasse der Direktion der Hamburger Oper empfahl, machte er sich um die Musikkultur ebenso verdient wie später durch die Förderung des Komponisten Karl Heinrich Graun. 1716 verließ K. Hamburg, nachdem er im Jahr zuvor nur knapp und schwer verletzt einen höchstwahrscheinlich politisch motivierten Mordanschlag überlebt hatte, und ging nach Leipzig und dann nach Weißenfels. K. wurde 1719 als Geheimsekretär und Hofdichter an den Hof des Kurfürsten Friedrich August I. (König August II. von Polen, der Starke) nach Dresden berufen, wo er anfangs in römischer Heroldstracht die Festlichkeiten am Hof poetisch zu begleiten und auch zu beschreiben hatte. Schnell übernahm er höhere Aufgaben und dokumentierte nicht nur die Krönungsgeschichte Augusts II., sondern überlieferte auch detaillierte Beschreibungen der unterschiedlichsten Solennitäten am sächsischen Hof, die bis heute von Historikern sowie auch von Maskenbildnern genutzt werden. 1733 erfolgte die Anstellung K.s an der kurfürstlichen Bibliothek, wo er u.a. an der Übernahme der Bibliothek des Geheimen Kriegsrats Johann von Besser mitarbeitete und die Handbibliothek verwaltete. 1728 wurde er in die Preußische Societät der Wissenschaften Berlin aufgenommen und trat 1730 in die Patriotische Gesellschaft in Hamburg ein, wo er längere Zeit aktiv mitwirkte. Nachdem K. bereits 1727 zum Adjunkt von Bessers ernannt worden war, wurde er nach dessen Tod 1729 Hofrat und Zeremonienmeister. 1741 erfolgte K.s Nobilitierung und am 30.7.1742 seine Erhebung in den erblichen Reichsadelsstand durch den Kurfürsten Friedrich August II. (König August III. von Polen). – K. war jedoch v.a. Autor, Bearbeiter und Übersetzer von Opern- und Oratorientexten, die u.a. von Graun, Georg Kaspar Schürmann und Georg Philipp Telemann vertont wurden. Des Weiteren hatte er Kontakt zur Neuberschen Schauspielgruppe und unterstützte Johann Christoph Gottsched - mit dem er sich später überwarf - bei der Erlangung einer außerordentlichen Professur in Leipzig. Mit seinem Wirken trug K. ohne Zweifel zur Belebung des deutschen Lustspiels bei. Darüber hinaus verfasste er zahlreiche Gelegenheitsgedichte und höfische Dichtungen wie „August im Lager“ (1731), Theaterstücke wie „Der geduldige Sokrates“ (1721), satirische Komödien wie „Der Dresdner Frauen Schlendrian“ (1725) und publizierte auch einige literaturästhetische Schriften, u.a. zur Metrik. Allerdings sind seine höfischen Werke sehr stark von einer meist maßlos übertreibenden Apologetik geprägt. Dieses heute als Liebedienerei empfundene Verhalten entsprach jedoch den Praktiken der damaligen Zeit und war typisch für die Hofdichtung des Barockzeitalters. – K. starb höchstwahrscheinlich am Fleckfieber. Nachdem sein Sohn kinderlos blieb, erlosch der sächsische Zweig des Geschlechts.



Q  Stadtarchiv Esslingen/Neckar, Personenkartei; Evangelische Gesamtkirchenpflege Esslingen/Neckar; Stadtarchiv Dresden, Personenkartei; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Kartei berühmter Dichter.

W  Theatralische, geistliche, vermischte und galante Gedichte, 1713; Die gekrönte Tugend, Gedichte, 1714; Fredegunda, Schauspiel, 1715; Die römische Großmut, Schauspiel, 1716; Die getreue Alceste, Opernlibretto, 1719; Poetische Einfälle, 1719; Heinrich der Vogler, Singspiel, 1719; Rhea Silvia, Singspiel, 1720; Der geduldige Sokrates, Opernlibretto, 1721; Cadmus, Schauspiel, 1725; Der Dresdner Frauen Schlendrian, Satire, 1725; Die verkehrte Welt, Lustspiel, 1725; Sanco oder Die siegende Großmut, Singspiel, 1727; Untersuchung von dem guten Geschmack, Abhandlung, 1727; August im Lager, Epos, 1731, G. C. Walthern, Des Herrn von K.s Gedichte aus seinen von ihm selbst verbesserten Manuscripten, Dresden 1745.

L  C. Robring, Das jetztlebende königliche Dresden, Dresden 1740, S. 75; Historische Alte u. Neue Curiosa Saxonica, Sächsisches Curiositäten-Cabinet auf das Jahr 1744, Dresden 1744, S. 144; G. Beutel, Johann Ulrich v. K. als Hofpoet Augusts des Starken, in: Dresdner Anzeiger. Montagsbeilage 1901, Nr. 12, S. 4f., Nr. 13, S. 3f., Nr. 15, S. 1f.; M. Z. v. Zabeltitz, Die Ästhetik des Dresdener Hofpoeten Johann Ulrich K., in: Dresdner Geschichtsblätter 30/1921, S. 13f.; Ein Esslinger Hofpoet und Zeremonienmeister, in: Esslinger Heimatblätter vom 5.11.1938, S. 11.; G. Koenig-Warthausen, Ein Esslinger Pfarrersohn als sächsischer Hofpoet, in: Esslinger Zeitung vom 30.4.1959; O. Borst, Buch und Presse in Esslingen am Neckar, Esslingen 1975, S. 298; G. Dünnhaupt, Personalbibliographien zu den Drucken des Barock, Teil 4, Stuttgart 1991, S. 2385-2406 (WV); W. Hartkopf, Die Berliner Akademie der Wissenschaften, Berlin 1992, S. 191. – ADB 16, S. 516-518; DBA I, II, III; DBE 5, S. 660; NDB 12, S. 334; H. E. Kneschke (Hg.), Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Bd. 5, Leipzig 1864, S. 188; H. Schröder, Lexikon der hamburgischen Schriftsteller, Bd. 4, o.O. 1866, S. 121f. (WV); K. Bader, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Fürsten, Staaten und Städten, Leipzig 1925, S. 359.



André Schmidt
23.2.2012


Empfohlene Zitierweise:

André Schmidt, König (seit 1742 von König), Johann Ulrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (30.4.2017)

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