Ohndorff Johann Gottlieb
Zimmermeister, Baumeister
* 1702 (?) Freiberg 29.12.1773 Freiberg(ev.)
VMichael, ZimmermeisterMAnna Elisabethum 1728 Maria ElisabethSChristian Gottlieb
GND: 118921754

Wahrscheinlich wurde O. in Freiberg geboren und erlernte bei seinem Vater das Zimmermannshandwerk. Seit 1728 ist er als Freiberger Bürger und Zimmermeister belegt; 1740 wird er als Bergzimmermeister geführt und seit 1743 fungierte er als Ratszimmermeister. – O. war einer der bedeutendsten, außerhalb der Dresdner Residenz tätigen Barockbaumeister Sachsens. Zu seinen herausragenden künstlerischen Leistungen gehören die protestantischen barocken Emporensäle, die von O. im Sinne der zeitgenössischen Zentralbauideen adäquat umgesetzt wurden. Bei seinen Stadtkirchen orientierte sich O. (erstmals 1740/41 in Frankenberg) wesentlich an der auf George Bähr und Matthäus Daniel Pöppelmann zurückgehenden Dreikönigskirche in der Dresdner Neustadt. Seine Fassadengliederungen folgten bereits sehr früh den in Sachsen um 1730 von Zacharias Longuelune und Johann Christoph Knöffel eingeführten französisch-klassizistisch geprägten Vorstellungen. Besonders mit seinen Turmhauben hat er als Baumeister architektonische Lösungen gefunden, die bis heute ortsbildprägend sind. – 1728 entwarf O. eine neue Haube für den abgebrannten Petriturm in Freiberg. Die Risse und Modelle des damals 26-jährigen Baumeisters wurden vom Stadtrat angenommen und O. somit dem amtierenden Ratszimmermeister Christian Haupt vorgezogen. Zu Beginn seiner Tätigkeit übernahm O. auch Bauausführungen nach Entwürfen anderer Meister, wie z.B. die Errichtung der Kirchen zu Röhrsdorf (1737-1739) und zu Bärenstein (1738-1739) nach Rissen von Johann Christian Simon. Sein Ruf als fähiger Baumeister erreichte 1740 das Dresdner Oberkonsistorium, sodass dieses O. ausdrücklich für den Neubau der Frankenberger Kirche empfahl, nachdem die Entwürfe anderer Baumeister als ungenügend abgelehnt wurden. Die Risse für den Umbau der Freiberger Nikolaikirche (1750-1753) legte O. dem Oberlandbaumeister Knöffel vor, der einige Änderungen vornahm. Neben zahlreichen Kirchenbauten in der näheren und weiteren Umgebung Freibergs sind für O. außerdem der Umbau der Schlösser in Langburkersdorf (1749-1750) und Wechselburg (1753-1756) bezeugt. 1754 wurde er als Gutachter für den Neubau der Hamburger Michaeliskirche gewonnen.



W  Petrikirche Freiberg, Haube des Petriturms (nordwestlicher Turm), 1728-1733; Freiberger Dom, Huldigungsbalkon, um 1734; Bürgerhaus Akademiestraße 2 in Freiberg (Wohnhaus des Baumeisters), 1737; Stadtkirche Frankenberg, Kirchenschiff, 1740-1741; Dorfkirche Berthelsdorf bei Freiberg (im 19. Jahrhundert durch Neubau ersetzt), 1741-1758; Marienkirche Zwickau, Emporen (nicht ausgeführt), 1742-1743; Gewandhaus Zwickau, Dachreiter, 1745-1747; Hoher Turm Chemnitz, Haube, 1746; Dorfkirche Oberschaar, Dachreiter, 1747; Dorfkirche Frankenstein, Kirchenschiff, 1747-1751; Schloss Langburkersdorf, Umbau, 1749-1750; Petrikirche Freiberg, Haube des Hahnenturms (südöstlicher Turm) 1749; Martinskirche Zschopau (nicht ausgeführt), 1750; Neue Johanniskirche Chemnitz, Kirchenschiff (nach Kriegszerstörung 1961 abgebrochen), 1750-1756; (mit J. C. Knöffel), Nikolaikirche Freiberg, Kirchenschiff, 1750-1753; Stadtkirche Hainichen, Turmhaube (nicht ausgeführt), 1751; Schloss Wechselburg, Umbau, 1753-1756; Rathaus Oederan, Umbau, 1753-1754; Dorfkirche Kleinwaltersdorf (nicht ausgeführt), 1754; Große Michaeliskirche Hamburg, Dachstuhl (nicht ausgeführt), 1754; Christophoruskirche Hohenstein, 1756-1757; Hospitalkirche St. Johannis Freiberg, Umbau, 1758; Kirche Hainichen, Betstube (abgebrochen), 1759; Dorfkirche Oberschöna, 1762-1771; Dorfkirche Gahlenz, 1765-1776.

L  K. Knebel, Künstler und Gewerken der Bau- und Bildhauerkunst in Freiberg, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 34/1898, S. 124-127; A. F. Wappler, Die „drei Kreuze“ zwischen Freiberg und Brand, in: ebd. 36/1900, S. 115-126; W. Schellhas, Freibergs höchstes Wahrzeichen. Der Petersturm im Wandel der Jahrhunderte, in: ebd. 70/1941, S. 23-40; H.-J. Krause, Die Stiftskirche zu Wechselburg, Berlin 1972, S. 144-146; W. Hentschel/W. May, Johann Christoph Knöffel. Der Architekt des sächsischen Rokoko, Berlin 1973, S. 23, 149; A. Gottfried, Johann Christian Simon und Johann Gottlieb O. Zwei Freiberger Barockbaumeister, Bonn 1989, S. 95-180; U. Thiel, Johann Gottlieb O. Ein Freiberger Baumeister der Barockzeit, in: Freiberger Land 2/1991, S. 10-14; U. Richter, Neue Erkenntnisse über den Barockumbau der Freiberger Nikolaikirche, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 73/1993, S. 102-110; Y. Hoffmann/U. Richter, Zwei unbekannte Kirchen des Freiberger Barockbaumeisters Johann Gottlieb O., in: Denkmalkunde und Denkmalpflege. Festschrift für Heinrich Magirius zum 60. Geburtstag, Dresden 1995, S. 401-408; H. Heckmann, Baumeister des Barock und Rokoko. Sachsen, Berlin 1996, S. 316-324; Y. Hoffmann/U. Richter, Zur Baugeschichte der Kleinwaltersdorfer Dorfkirche, in: Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen 1999, S. 43-54; U. Richter, Die Freiberger Johanniskirche, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 86/2000, S. 116-133; Y. Hoffmann/U. Richter, Der bürgerliche Hausbau Freibergs im Barock (1650-1800), in: dies. (Hg.), Denkmale in Sachsen. Stadt Freiberg. Beiträge, Bd. 1, Freiberg 2002, S. 100, 115, 119; M. Titze, Der barocke Umbau der Freiberger Nikolaikirche und ihre Ausstattung, in: Die Begräbniskapelle im Freiberger Dom und die Nikolaikirche Freiberg, Freiberg 2004, S. 103-121; Y. Hoffmann/U. Richter, Der barocke Neubau der Frankenberger Kirche 1740-1745 nach Entwürfen des Freiberger Zimmermeisters Johann Gottlieb O., in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 101/2008, S. 65-199. – DBA I, II; Thieme/Becker, Bd. 25, Leipzig 1999, S. 585.



Yves Hoffmann
23.2.2009


Empfohlene Zitierweise:

Yves Hoffmann, Ohndorff, Johann Gottlieb, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (1.5.2017)

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